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Von Dennis Klein und Norbert Blech

Die Syphilis ist in Deutschland auf dem Vormarsch – besonders unter Schwulen. Die Deutsche Aids-Hilfe und das Robert-Koch-Institut (RKI) rufen daher Männer mit häufig wechselnden Sexualpartnern dazu auf, sich auf Syphilis testen zu lassen. Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen stieg im Jahr 2002 auf 2.523 – das sind 45 Prozent mehr als im Vorjahr, so das RKI in Berlin. Zwischen 1995 und 2.000 verzeichneten die Forscher noch um die 1.000 Fälle jährlich. Ähnliche Entwicklungen werden in ganz Europa beobachtet.

Die bakterielle Erkrankung wird zu zwei Dritteln bei Oral- oder Analsex übertragen. Über ein schmerzloses Geschwür, das vier Wochen nach der Infektion auftritt, verbreitet sich die Krankheit weiter – befindet sich das Geschwür in der Nähe des Darmausganges, bleibt es meist gänzlich unbemerkt. Auch ohne Behandlung heilt es ab - deshalb gehen viele Infizierte nicht zum Arzt. Nach einigen Monaten kommt es aber zu immer wiederkehrenden grippeartigen Beschwerden.

Der Infizierte kann währenddessen dutzende anderer anstecken, theoretisch auch über Toilettendeckel, gemeinsam benutzte Bierflaschen oder Besteck. Jahre nach der Infektion haben sich die Erreger über den ganzen Körper verteilt und greifen die inneren Organe an – Langzeitschäden sind die Folge, ohne Behandlung stirbt der Erkrankte. Wird Syphilis erkannt, kann die Krankheit in zwei bis drei Wochen mit Penicillin besiegt werden.

Den größten Anteil gemeldeter Neuinfizierter hat Berlin (15,4 Fälle pro 100.000 Einwohner), mit Abstand gefolgt von Hamburg und Hessen. "Syphilis ist eine Mini-Epidemie", so Rainer Schilling von der Deutschen Aids-Hilfe gegenüber queer.de. "Nur sehr wenige Infizierte können sehr viele Männer anstecken." Die Krankheit habe geradezu um Berlin herum "herausgestrahlt" auf die benachbarten Landkreise. Ein großer Teil der Syphilis-Erkrankten ist gleichzeitig mit HIV infiziert.

Der Grund für den Anstieg sei das unsafe Verhalten beim Sex. "Bei Syphilis sich leichter anstecken als mit HIV", so Schilling. Die Aids-Hilfe will daher mit Plakaten und Broschüren auf das Problem aufmerksam machen. Bei Schwulen mit zwei oder mehr Sexualpartnern im Monat sollte vierteljährlich getestet werden, bei einer geringeren Zahl von Partnern halbjährlich oder einmal im Jahr.

Allerdings gebe es auch hier Probleme, berichtet Rainer Schilling, da manche Ärzte ohne zwingenden Verdacht keinen Syphilis-Test auf Kosten der Krankenkassen veranlassen würden. "In Zeiten knapper Kassen müssen wir Aufklärungsarbeit bei Ärzten und Krankenkassen leisten", so Schilling.

19. Februar 2004, 12:57 Uhr



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