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- 12. Februar 2007 2 Min.
Wie wird man homosexuell? Kommt man als Homo auf die Welt oder wird man es? Ein TV-Themenabend gibt Antworten.
Von Carsten Weidemann
Die Frage, ob die Homosexualität angeboren oder erworben ist, unterliegt in Deutschland und Frankreich, vor allem seit den grausamen Verbrechen der Nationalsozialisten, einem Tabu. Dennoch wagt sich der Fernsehsender ARTE an das Thema, denn die Debatte ist wieder hochaktuell: In den USA forschen Wissenschaftler nach dem Homosexualitätsgen - mit Unterstützung von Schwulen- und Lesbenvereinigungen. Ihnen gegenüber steht die "Ex-Gay"-Bewegung, jene Therapeuten, die die Homosexualität für erworben und infolgedessen für "heilbar" halten. Ihre therapeutischen Methoden sorgen in den USA für Aufregung. Der Themenabend berichtet über die jüngsten wissenschaftlichen Untersuchungen dazu und geht dem komplexen Gefüge von biologischer Disposition und Umwelteinflüssen auf den Grund.
Ins Thema steigt die Dokumentation "Homosexualität – genetisch bedingt?" ein. Der Film lässt Schwule und Lesben zu Wort kommen und beleuchtet die jüngere Geschichte der Debatten um Homosexualität. Die Frage, ob sexuelle Neigungen angeboren oder erworben seien, gab den Gegnern der gleichgeschlechtlichen Liebe ebenso viel Nahrung wie den Befürwortern. Viele Fragen stellt die zweite Doku "Bestimmen Gene unser Schicksal?": Ist Magersucht erblich bedingt? Ist Alkoholabhängigkeit im genetischen Erbgut angelegt? Ist Talent angeboren? Die Filmemacher sind auf der Suche nach einer Antwort auf diese Fragen durch die USA gereist und kamen mit beeindruckenden Porträts und Geschichten wieder zurück. Zum Abschluss gibt es eine Expertenrunde. An dem Gespräch werden Prof. Dr. Florian Holsboer, Direktor am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München und Pierre Tabourin teilnehmen.
Dienstag, 13. Februar um 20.40 Uhr, Wiederholung am 14.02. um 14:40 Uhr
12.02.2007
Links zum Thema:
» ARTE-Themenabend
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
07:25h, Arte:
Stadt Land Kunst
Folge 1454: U.a. mit dem Beitrag "Mexiko: Ein Transgender-Oberst"
Magazin, D 2024- 6 weitere TV-Tipps »
















Das darf aber in einer freiheitlich-demokratischen, auf fundamentalen Menschenrechten begründeten Gesellschaft nicht der Fall sein. Daher bin ich ganz sicher nicht gegen Forschung in diesem Bereich, halte es aber für äußerst fragwürdig, diese Frage in einem Atemzug mit der Frage nach einer genetischen Prädisposition für Magersucht oder ähnliches zu stellen.
Bei der sexuellen Identität eines Menschen handelt es sich um etwas unvergleichlich Wichtiges, Intimes und vor allem Unantastbares (und eben diese Tatsache wird in unserer Gesellschaft mit einer nach wie vor manipulativen, nur auf Hetersexualität zentrierten und Homosexualität bewusst diskriminierenden Sexualerziehung ohnehin mit Füßen getreten), und die Frage nach dem "Woher?" oder "Warum?" sollte sich auf gesellschaftlicher Ebene in einer Kultur des Respekts vor der Vielfalt überhaupt nicht stellen.
Ich denke, dass Arte besser die Frage stellen sollte, warum auch in Europa Homosexuellen immer noch eine freie Entdeckung und Entfaltung ihrer Sexualität während der Jungendzeit (und darüber hinaus) sowie generell uneingeschränkt gleiche Rechte verwehrt werden!