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- 15. März 2007 3 Min.
Der Aids-Aktivist Larry Kramer erinnerte in einer bewegenden Rede an die Gründung einer der radikalsten Schwulengruppen, die gegen Aids kämpft.
Von Christian Scheuß
Am Mittwochabend kamen in New York mehr als 250 Gäste im "Gay and Lesbian Center" zusammen, um einer Bewegung zu Gedenken, die sich vor 20 Jahren als radikale Antwort auf die Bedrohung durch HIV und Aids gegründet hatte. ACT UP protestierte mit Wut im Bauch und Kreativität im Kopf gegen ignorante Politiker und rein wirtschaftlich denkende Pharmakonzerne. ACT UP fand schnell Nachahmer in vielen europäischen Ländern, auch in Deutschland. Wirklich aktiv sind heute aber nur noch die Sektionen in den USA und in Frankreich.
Einer der Mitbegründer von ACT UP, Larry Kramer, erinnerte in einer einstündigen Rede an die damalige Zeit und forderte eine Reaktivierung des alten Kampfgeistes. Eine "ACT UP-Armee" müsse her, um die Feinde besiegen zu können.
"Ich glaube, dass Ronald Reagan für mehr Tote verantwortlich ist als Adolf Hitler!"
Kramer, der bekannt dafür ist, scharfzüngig zu sein, scheute sich nicht, ungeheuerliche Vorwürfe zu formulieren. "Ich glaube, dass Ronald Reagan für mehr Tote verantwortlich ist als Adolf Hitler!" erinnerte er an das Schweigen der damaligen US-Regierung während der Aids-Krise.
ACT UP gab sich immer kämpferisch: "Schweigen = Tod" lautete eine der Parolen. Das Logo der Gruppe war der – allerdings um 180 Grad gedrehte - Rosa Winkel, ursprünglich das Zeichen, mit dem Homosexuelle in den Konzentrationslagern gekennzeichnet wurden. Die Anhänger der Gruppe waren neben Schwulen auch Lesben, Feministinnen und Liberale aus verschiedenen sozialen Gruppen. Die Bewegung entstand aus Mitgliedern der Gruppe "Gay Men's Health Crisis", die hauptsächlich in den Bereichen Prävention und Pflege engagiert war. Sie wollten offensiver in der Öffentlichkeit für mehr Mittel für Forschung und für kostengünstigere und effektivere Medikamente gegen den HI-Virus werben.
Dafür stürmten sie Veranstaltungen von Pharmakonzernen, organisierten sogenannte "Die-Ins" vor Regierungsgebäuden, platzten in Messen, die von homophoben Geistlichen durchgeführt wurden, oder verstreuten die Asche ihrer verstorbenen Freunde vor Rathäusern. In Deutschland promotete ACT UP den Boykott gegen Produkte des Phillip-Morris-Konzerns (Marlboro), weil das Unternehmen den konservativen Politiker Jesse Helms während Wahlen mit Geldspenden unterstützt hatte. Helms war ein erklärter Gegner der schwul-lesbischen Community und der sich selbst organisierenden Aids-Bewegung. Auch der CSU-Politiker Peter Gauweiler geriet hierzulande unter Beschuss durch ACT UP, weil er nach Zwangstestungen und Isolierung von Aids-Erkrankten verlangte.
Für Larry Kramer kaum vorstellbar, dass dies alles schon 20 Jahre her ist: "Es ist schwer zu feiern, wenn man solch mächtig schmerzvolle Erinnerungen in sich trägt. Wir haben so viele von uns in den Armen gehalten. Niemand wird solche Liebe vergessen. Aids war und ist eine schreckliche Tragödie, die nicht in einer weltweiten Plage hätte enden müssen. Es gab 41 Fälle, als wir anfingen zu arbeiten. Jetzt sind es mehr als 75 Millionen. Es brauchte eine Menge Hilfe von einer Menge unserer Feinde, um es auf eine solche Zahl zu bringen."
15.03.2007
Links zum Thema:
» Die komplette englische Rede gibt es hier als PDF (120 Kb) zum Download.
» ACT UP New York














