Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?6587
  • 17. März 2007 10 4 Min.

Im US-Bundesstaat Indiana liegt das Hauptquartier des Schnüffelstoff-Multis PWD.

Von Christian Scheuß

"Wir haben kein Interesse an einer Zusammenarbeit. Sie wollen uns nur ausspionieren", war sinngemäß eine der ersten Reaktionen, nachdem die ersten E-Mails an Pac West Distributing Corp. (PWD), den Hersteller von Rush, überhaupt nicht beantwortet worden waren. Die Antwort überraschte, da das Unternehmen ansonsten einen professionellen Eindruck in seiner Selbstdarstellung im Internet macht. Doch man ließ sich überzeugen, dass da keine Spione, sondern Journalisten anklopften.

Die Gründe für diese übergroße Vorsicht sind vielschichtig. Es liegt zum einen an dem großen Konkurrenzkampf zwischen wenigen Hersteller und Vertreiberfirmen, die in den USA, Kanada und Europa sitzen. Es gibt jede Menge Plagiate bei den Verpackungen, zum Verwechseln ähnliche Markennamen und einen Haufen Fälschungen auf dem Markt.

PWD will am Image des schwulen Lifestyleprodukts festhalten

Zum anderen ist mit der Aids-Krise Mitte der achtziger Jahre auch eine wirtschaftliche Krise bei den Riechwasser-Herstellern ausgebrochen. Poppers stand plötzlich im Verdacht, Auslöser von Hautkrebs bei HIV-Positiven zu sein. Mit großen Werbeanstrengungen versuchte man, am Image des schwulen Lifestyleproduktes festzuhalten. Amylnitrit wurde trotz unterschiedlicher Studienergebnisse in den USA verboten. Man musste auf andere Nitritsorten ausweichen, die erlaubt waren. Diese Erfahrungen haben vorsichtig gemacht.

Hinzu kommt: Mit der unterschiedlichen Rechtslage in den diversen Ländern kann, wie etwa in Deutschland, nicht überall offen mit dem Produkt gehandelt werden. Viele geheime, verschlungene Umwege sind notwendig, damit die kleinen Fläschchen in den Handel kommen. Das sind Strukturen, die, wenn die Konkurrenz sie kennt, gerne mal durch Meldung an offizielle Stellen zerstört werden.

Indianapolis im US-Bundesstaat Indiana. Mitten in Downtown liegt das Hauptquartier des Schnüffelstoffgiganten. Vier Etagen belegt PWD, die Mitarbeiter genießen einen wunderbaren Ausblick auf den parkähnlichen Campus der medizinischen Universität. Hier läuft die Kommunikation zusammen, hier werden Verträge mit Händlern in aller Welt geschlossen, Buchhaltung und Geschäftsführung sitzen hier. Früher hatte man auch noch Büros in San Francisco, Kalifornien und in London. Seit 20 Jahren sitzt man nun in Indianapolis. Mit der Einführung des Internets wurden die Lokalbüros überflüssig und geschlossen.

Die Produktionsstätte befindet sich an anderer Stelle. Wo genau? Betriebsgeheimnis. Würde es aber offizielle Führungen durch diesen Betrieb geben, sähe man Abteilungen für die Produktentwicklung und -forschung sowie für Biowissenschaft. Man käme an Destillier- und Filteranlagen vorbei, um am Ende des Gebäudes auf die Abfüllmaschinen zu stoßen, die kleine braune Flaschen in langen Reihen betanken. Alles ist ein bisschen so, wie in einer Bierbrauerei, nur halt en miniature. Wie viele Mitarbeiter PWD hat? Wie viele Flaschen täglich vom Band kommen? Wie viele Produktionsstätten es gibt? Alles Betriebsgeheimnis. Aber, so unser PWD-Kontaktmann Chris Stephens: "Man ist sehr beschäftigt."

Über zehn Millionen Flaschen Rush verkauft

Die sexuelle und damit auch die schwule Revolution hat in den USA vor fast 40 Jahren in San Francisco begonnen. Entsprechend gründeten damals drei Männer dort eine kleine Garagenfirma und begannen mit der Produktion und dem Vertrieb des Schnüffelstoffs. Inzwischen, soviel wird zumindest verraten, seien über zehn Millionen Flaschen Rush auf der ganzen Welt an den Mann gebracht worden. Und jeden Tag würden über 25.000 Menschen eine neue Flasche Rush kaufen.

Die anderen Sorten wie zum Beispiel Quicksilver, Ram oder Hardware sind längst nicht so beliebt wie der kleine gelbe Bestseller. Die hohe Verkaufszahl gibt eine kleine Ahnung davon, wie schnell die Abfüllanlage arbeiten muss. Und die Zahl lässt ahnen, welch lukratives, millionenschweres Geschäft dahinter steckt. Das Internet mit seinem Onlinehandel sorgt inzwischen dafür, dass die Produktionsbänder heiß laufen.

Von den Gründungsvätern lebt heute nur noch einer. Das Poppers-Business hat aus Joseph F. Miller offensichtlich einen wohlhabenden und unabhängigen Mann gemacht. Er ist Eigentümer und Entwickler aller Marken und Rezepturen, die er an PWD lizenziert hat. Der 1951 in Quebec City geborene Miller ist nun ein honoriger Bürger von Indianapolis. Er ist Gründer der lokalen "Indiana Stonewall Democats" einer schwul-lesbischen Vereinigung innerhalb der Demokraten. Bekannter ist er aber durch seine langjährige Präventionsarbeit zu HIV und Aids. Seine Joseph F. Miller-Foundation ist eine Stiftung, die weltweit Aidsprojekte für obdachlose Jugendliche und Waisenkinder unterstützt.

2. April 2007

Informationen zu Amazon-Affiliate-Links:
Dieser Artikel enthält Links zu amazon. Mit diesen sogenannten Affiliate-Links kannst du queer.de unterstützen: Kommt über einen Klick auf den Link ein Einkauf zustande, erhalten wir eine Provision. Der Kaufpreis erhöht sich dadurch nicht.

09.06.24 | Schnüffeldroge
Die kleine braune Flasche zum Lesen
09.07.21 | "Negative Auswirkungen auf Gesundheit, inklusive Tod"
US-Gesundheits­behörde warnt vor Poppers
03.11.19 | Video des Tages
Frank Ocean rappt über Poppers
18.04.17 | Forscher raten zur Vorsicht
Studie: Poppers schädigt Augen möglicherweise dauerhaft
-w-

#1 seb1983
  • 02.04.2007, 18:37h
  • Schon wieder Werbung für dieses Scheißzeug...
  • Direktlink »
#2 tuxAnonym
  • 02.04.2007, 20:09h
  • Ups! Sind die US-Amerikaner also nicht nur die größten Pornoproduzenten, sondern auch die größten Drogenproduzenten??

    Also, bei meiner Branche sieht es so aus, das man beim Arbeiten mit lösemitteln die MAK-Werte beachten oder entsprechenden Atemschutz tragen muss, da sonst im Fall der Fälle die BG nicht für den gesundheitlichen Schaden aufkommt...
  • Direktlink »
#3 tuxAnonym
  • 02.04.2007, 21:18h
  • @seb1983: Ungefähr das selbe wie bei MP C. Wulff & der Tabakindustrie...
  • Direktlink »