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  • 26. Februar 2004, noch kein Kommentar

Wer mit dem Billigflieger in die portugiesische Hauptstadt reist, der wird mit reichhaltigen Eindrücken belohnt. Lissabon ist altmodisch und modern zugleich.

Von Micha Schulze

Wer nach dem ersten Eindruck zu Lissabon befragt wird, dem wird vielleicht dies einfallen: Diese Stadt ist völlig ungeeignet für Regen! Den gibt es zwar nur kurze Zeit im Jahr von Dezember bis März. Aber in dieser Zeit ist die Innenstadt mit dem hellen Pflaster eine einzige Pfütze. Durch die hüpft man, wenn der nächste Schauer heran jagt schnell in das nächste Café, um am Stehtisch einen doppelten Espresso und ein gefülltes Hörnchen zu vernaschen. Während die Touristen über ihre nassen Socken klagen, warten die Portugiesen gelassen, bis der Regenguss vorbei ist. Sie wissen, der wärmende Frühling und der schweißtreibende Sommer sind nicht weit.

Dennoch, die Stadt am Atlantik beeindruckt auch in der kälteren Jahreszeit. Das beginnt schon beim Anflug auf den Flughafen Portela, der mitten in der Stadt liegt. Der Flieger schwebt so tief über die Häuser, dass man unwillkürlich den Atem anhält. Mit dem Taxi gelangt man günstig in die Pension oder ins Hotel. Auch das übrige öffentliche Verkehrsnetz ist gut ausgebaut, und erschließt sich dem Ortsunkundigen schnell. Der Heimatort des schwulen Dichters Fernando Pessoa hat viele der Bauten bewahren können, die der 1886 Geborene mit eigenen Augen hat sehen können. Vielleicht ist er ja sogar in dieselbe kleine hölzerne Straßenbahn gestiegen, die auch heute noch unterwegs ist. Die zum Teil hundert Jahre alten Transportgeräte schnaufen die zahlreichen Hügel Lissabons hinauf und hinunter. Die Touristenattraktion ist ideal, um sich einen ersten Überblick über die Stadt mit den schmalen Gassen und großen Prachtplätzen zu verschaffen. Das moderne Lissabon liegt auf der grünen Wiese im Nordosten, man gelangt mit der Metro dorthin. Die Expo 1998 brachte den architektonischen Innovationsschub mit einem Raumschiff-Bahnhof, der einen Kilometer langen Seilbahn, dem riesigen Ozeanium und vielen weiteren futuristisch anmutenden Gebäuden.

Und die Szene? Ihr das Etikett "beeindruckend" zu verliehen, wäre vermessen, "vielfältig" wäre aber ein Stempel, der passt. Rund 60 Einträge listet der hiesige "Kapital Gay Guide Lisboa", darunter viele gemischte Läden, die sich gay-friendly geben. Allein ein Drittel der Einträge sind homofreundliche Restaurants. Die Portugiesen kommen gern in großen Gruppen in diese einfach gehaltenen kommunikativen Speisetempel, teilen mit ihren Freunden Wein, Brot und was sonst noch so an Speisen auf großen Platten serviert wird. In den vergangenen Jahren sei die Szene erst gewachsen, berichtet der Gay-Guide in seinem Vorwort. Einigen Bars merkt man die Gründerzeitstimmung mit ihren selbstgezimmerten Bars und Theken und dem trutschigen Dekor auch noch deutlich an. Doch das soll niemanden stören, solange Publikum und Bedienung nett sind.

Einzig der homosexuelle Saunagänger wird enttäuscht in dieser quirligen Metropole. Wer die Absicht hat, sich nach der feuchtkalten Pfützenspringerei etwas aufzuwärmen, der wird in der Spartakus-Sauna - die die beste sein soll - mit eiskalten Fliesen und einer lauwarmen Trockensauna bestraft. Am besten läuft man in das nächste Café, bestellt einen Espresso und ein Hörnchen, und wartet gelassen, dass der Regen aufhört…