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Eine Umfrage des Berliner Antigewalt-Projektes Maneo kommt zu schockierenden Ergebnissen.

Von Carsten Weidemann

"Die Ergebnisse der Umfrage sind schlecht ausgefallen", so das Resümee der Gruppe Maneo am Samstag. Nach der Ergebnissen der Befragung, an der sich fast 24.000 Personen beteiligt hatten, werden 90 Prozent von homophoben Vorfällen bei der Polizei nicht angezeigt. Bislang war man nach Studien von Michael Bochow und den bei Maneo gemeldeten Fällen "nur" von einer Dunkelziffer von 80 Prozent ausgegangen.

Jeder Dritte war im letzten Jahr betroffen

Mehr als jeder Dritte (35 Prozent) gab an, in den letzten zwölf Monaten Gewalterfahrung gemacht zu haben. Besonders erschreckend: Unter den jungen Schwulen und Bisexuellen (unter 18 Jahren) haben fast zwei Drittel (63 Prozent) innerhalb des letzten Jahres Gewalt erfahren. Dabei würden Jüngere nach Erfahrung von Maneo weniger tendenziell Gewalttaten anzeigen. "Man kann als junger Schwuler in Deutschland offenbar nicht in Ruhe aufwachsen", erklärte Bastian Finke von Maneo. "Und die Betroffenen bagatellisieren die Taten." So wurde in der Umfrage abgefragt, ob körperliche Gewalt bei der Tat im Spiel war. 92 Prozent verneinten das zwar, erklärten aber: "Ich habe zwar ein 'blaues Auge', aber es war Gott sei Dank nicht so schlimm."

Die Taten sind zu fast zwei Dritteln von Gruppen begangen worden. In fast neun von zehn Fällen sind die Täter nur Männer gewesen. Drei Viertel von ihnen waren geschätzt jünger als 25 Jahre. Bei der Frage nach den Tätergruppen haben 49 Prozent der Opfer die Kategorie "nicht weiter auffällig" angekreuzt. 7 Prozent nannten "rechtsradikale Deutsche", 2 Prozent "Fußballhooligans". In einem offenen Feld haben 16 Prozent als Täter Personen "nichtdeutscher Herkunft" vermekrt.

Viele Täter "nichtdeutscher Herkunft"

"Ohne, dass wir danach gefragt haben, haben uns 16 Prozent von Tätern nichtdeutscher Herkunft berichtet", erklärte Finke. "Hätten wir nach dieser Tätergruppe gefragt, hätten wir noch mehr Nennungen gehabt". Allerdings sei das Thema "Migranten als Täter" angstbesetzt, da sich niemand gemein machen wolle mit der von Unverbesserlichen verbreiteten Parole "die Ausländer sind schuld".

Allerdings sei eines klar: "Nicht die Schwulen, die die Rückmeldung 'nichtdeutsche Täter' gegeben haben, sind das Problem oder diejenigen, die diese Studie initiiert haben. Sondern die Täter, die Schwule zu Opfern machen und die wiederum vermehrt mit Wut und Unverständnis reagieren. Wir wollen hier mit allen in Frieden leben, egal welcher Herkunft. Wer aber die Würde von Homosexuellen nicht anerkennt, der stellt sich selbst ins Abseits."

Maneo fordert daher, dass Täter mit der vollen Härte des Gesetzes sanktioniert werden müssten. Die Polizei dürfe außerdem Gewalt gegen Schwule nicht länger bagatellisieren. Viele Opfer hätten berichtet, dass sie von den Beamten nicht ernst genommen worden seien, als sie Anzeige erstatteten. Die Polizei sorge zudem oft "durch ihre Untätigkeit dafür, dass rechtsfreie Räume entstehen". So müsse verhindert werden, dass "verbale Gewalt als harmlose 'Jugendkultur' salonfähig wird". Vorbildlich sei in diesem Zusammenhang, dass es bei der Berliner Polizei einen Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen gebe. Allerdings sei die Bundeshauptstadt hier eine "herausragende Ausnahme".

14. Mai 2007



19 Kommentare

#1 hwAnonym
  • 14.05.2007, 16:44h
  • saublöder text, differenziert und faktennah ausgewogen, sogar mit ansatzpunkten
    für weitere arbeit. letzteres macht den text so gemein.
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#2 BerlinerAnonym
  • 14.05.2007, 17:19h
  • Danke für diese Zahlen, Maneo. Vielleicht wacht die Politik und die Party-Schwulen mal auf und tun was gegen die Gewalt. Ich wurde auch schon mal in Berlin zusammengeschlagen und es waren auch nichtdeutsche Männer.
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#3 Franz BiberkopfAnonym
  • 14.05.2007, 18:17h
  • Was soll eigentlich dieser quatsch, mit dem Hinweis auf die "Nichtdeutschen Täter". 16 % ist weit unter dem realem Anteil in der Berliner Bevölkerung. Wenn man sich dann noch die Altergruppe der meisten Täter anschaut (15-30 Jahre) wären 16% sogar weit unterproportional, selbst wenn man bedenkt, dass nach der Nationalität bzw. Herkunft der Täter nicht gefragt wurde.

    Diese ekelige Betonung erinnert mich an die hannebüchenen Ausländerkriminalitätsstatistiken, die jeden Empirikerzum Verzweifeln bringen, weil sie allen Standards widersprechen.

    Wie wäre es demnächst nach der Haarfarbe der Täter zu fragen, dies könnte ebenso ergiebig sein.
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#4 Wir sind Deutschland:-)!Anonym
  • 14.05.2007, 19:47h
  • So erschrecken diese Studie freilich ist, muß man doch sehen in welchem Umfeld sie stattfand. Die meisten Befragten kommen aus den Großstädten, in denen schwules Leben anders stattfindet. Und bevor jetzt die Schreihälse kommen, ich weiß das entschuldigt die Taten nicht! Aber bei geschätzt 2-6 Millionen Schwulen ist die Umfrage mit 24000 Antwortern sicherlich weder repräsentativ noch aussagekräftig!

    Ähnlich würde es aussehen, wenn man Ausländer/Migranten nach Erfahrungen mit gewalt befragen würde.

    Jede Gewalt ist zuviel, auch wenn einige scheinbar öfters Opfer sind, sollte man sie allgemein bekämpfen. Da die Täter meist jung und männlich sind; übriegns bei fast allen Gewalttaten sollte hier die Aufklärung besser und gründlicher einsetzen!
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#5 tuxAnonym
  • 14.05.2007, 20:15h
  • Gewalt ist im allgemeinen ein Problem. Nun aber nach "Deutschen" und "Nichtdeutschen" zu unterscheiden, finde ich ein wenig weit hergeholt. Denn Gewalt ist Gewalt. Oder ist der Kopfschuss von einem "Doitschen" anders als das Messer eines "Nichtdeutschen"?

    Komischerweise scheint dieses Problem aufgrund wachsender Sozialer Unterschiede vor allem in den Großstädten zuzunehmen.

    Wir wohnen in einem eher dörflichen OT & haben hier ansich sehr viele gute Freunde gewonnen. In jedem Fall durch soziale Ehrenamtliche Arbeit sehr viele "Nichtdeutsche";-)
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#6 seb1983
  • 14.05.2007, 22:30h
  • schwieriges Thema.

    Grundsätzlich ist diese Umfrage in Großstädten aber nicht repräsentativ für ganz Deutschland!! Berlin liegt mit Hamburg und Frankfurt eben weit vorne bei Gewalttaten (München im bösen Bayern steht übrigens recht gut da)
    In ländlichen Regionen liegen die Raten um Welten niedriger.
    Klar dass der überwiegende Teil der Täter junge Männer sind, da ist die Gewaltbereitschaft halt einfach höher, in der Gruppe fühlt man sich stark.

    Nun ist Gewalt immer zu veruteilen!! Allerdings sind viele Schwule eine "leichte" Opfergruppe. Nachts alleine in Parks an dunklen Plätzen. Frauen bringt man schon in jungen Jahren bei solche Plätze zu meiden...
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#7 SaschaAnonym
  • 14.05.2007, 22:38h
  • Es ist einfach nur skandalös, dass sich für diese unerträglichen Zustände offenbar niemand interessiert. Maneo gebührt besondere Anerkennung für diese immens wichtige Studie.

    Was muss eigentlich noch passieren, bis insbesondere in unserem gesellschaftspolitisch reaktionären Bildungs- und Schulsystem Themen der sexuellen Vielfalt umfassend behandelt und konkrete Maßnahmen zum Schutz gerade junger Homosexueller vor Gewalt und Diskriminierung implementiert werden???
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#8 wernerAnonym
  • 15.05.2007, 08:59h
  • Es stimmt scheinbar, das in den Großstädten die Gewalt gegen Schwule am größten ist.
    Auch wenn es einige nicht glauben möchten. Und das der Anteil der s.g. Jugendbanden mit hohem "Nichtdeutschen" Anteil zunimmt, kann ich "leider" nur für mich selbst und für München bestättigen.
    Vielleicht liegt es aber auch daran, dass in kleinen Gemeinden, sich Schwule weniger öffentlich machen bzw./oder meist in die Großstädte fahren.
    In den "Dörfern" wird das "Schwulsein" oft schon im Kindergarten verpönnt und erstickt.
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#9 SaschaAnonym
  • 15.05.2007, 10:40h
  • >>So wurde in der Umfrage abgefragt, ob körperliche Gewalt bei der Tat im Spiel war. 92 Prozent verneinten das zwar, erklärten aber: "Ich habe zwar ein 'blaues Auge', aber es war Gott sei Dank nicht so schlimm."

    Verstehe ich nicht. Haben nun 92 Prozent KEINE körperliche Gewalt erfahren, können also kein blaues Auge haben, oder haben gar 92 Prozent ein blaues Auge abbekommen? Man sollte mit Statistiken etwas vorsichtiger umgehen. Und gibt es diese Umfrageergebnisse irgendwo online?
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#10 Sascha (der hier bekannte)Anonym
  • 15.05.2007, 12:28h
  • @den zweiten Sascha (#9):

    Wenn man sieht, dass bereits jemand unter einem bestimmten Namen im Forum aktiv ist, könnte man seinen Namen ja etwas verändern, um Verwechslungen zu vermeiden...

    Hättest du zudem den Artikel richtig gelesen, dann wäre deine Frage bereits beantwortet: Im Zusammenhang mit der von dir zitierten Zahl hat eine Kontrollfrage offenbar ergeben, dass viele Opfer von Körperlicher Gewalt die Tat bagatellisieren und zunächst einmal "Nein" antworten, wenn man sie nach dieser fragt. Bei genauerer Nachfrage stellt sich dann aber oftmals heraus, dass doch auch körperliche Gewalt ausgeübt wurde.

    Deiner Aufforderung, mit "Zahlen" vorsichtig umzugehen, ist die Umfrage von Maneo in jedem Falle gerecht geworden, denn der Fragebogen war aus Sicht der empirischen Sozialforschung hervorragend strukturiert, und die Ergebnisse sind ohne Einschränkung als valide anzusehen.
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