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  • 16. Mai 2007, noch kein Kommentar

Kultur im Puffl? Stella Ahangi präsentiert ihr Programm im Kölner Pascha Nightclub. Queer.de sprach mit der Chansonette.

Von Jan Gebauer

Das Sommerblut-Festival in Köln bietet auch 2007 kulturelle Highlights wie Liederabende, Theateraufführungen, Lesungen, aber auch Kunstausstellungen und ein Chorkonzert. Die Ausnahmechansonette Stella Ahangi ist Teil des Festivals – sie präsentiert ihr aktuelles Programm "Lieder im Bordell" am 25. April im Pascha Nightclub, dem bekanntesten Kölner Freudenhaus. Seit Anfang April wird in Köln hitzig darüber diskutiert (queer.de berichtete), ob Kultur in den "Puff" gehört und ob das Pascha Teil eines renommierten Festivals wie Sommerblut sein darf. Queer.de sprach mit Ahangi über die Kontroverse, ihr aktuelles Programm und die Musik im Allgemeinen.

1.) Kultur im Puff – wie passt das zusammen?

Kultur im Bordell hat es schon immer gegeben. Leider scheinen viele Leute das entweder nicht zu wissen, oder zu ignorieren. Selbst Hans Christian Andersen (1805-75) hat seine Märchen schon im Puff gelesen! (Anm. der Redaktion: Andersens Tante führte ein Bordell.)

2.) Was sagst Du zur Aufregung und den Protesten in der Öffentlichkeit?

Jeder hat ein Recht auf seine Meinung - diese Haltung bedingt jedoch Toleranz auf beiden Seiten! Druck ausüben und verurteilen - das sollte nicht die Basis einer konstruktiven Diskussion sein.

3.) "Lieder im Bordell" heißt Dein Programm – was genau wird die Gäste erwarten?

Ein Abend mit drei wunderbaren, selbst bestimmten Frauen (Anm. d. Red.: Ahangi wird begleitet von Adrienne Morgan Hammond und Britta Weyers), die mit Charme und Humor Lieder zum Thema Liebe, Lust und Leidenschaft präsentieren. Der Reiz des Programms liegt, abgesehen vom Auftrittsort, in der Unterschiedlichkeit der Damen.

4.) Viele Werke berühmter Dichter oder Musiker entstanden im Bordell oder behandeln das Thema. Warum?

Weil es sich beim Menschen, wohl naturgegeben, hauptsächlich um Sex dreht. Aber sicherlich auch, um den vermeintlich bürgerlichen Zwängen zu entfliehen. Außerdem gibt es, außer in der Kunst, keine Welt, in der so viele Illusionen blühen.

5.) Wie wählst Du Deine Lieder aus?

Abgesehen von meinen eigenen Liedern, schlichtweg aus dem Bauch. Ich höre ein Lied und weiß: das ist meines! Natürlich bleibe ich bei der Auswahl mehr oder weniger in meinem Genre, aber mich reizen Lieder aus anderen Kulturen. Dafür muss ich nicht mal weit reisen. Hier in Europa gibt es so viele reizvolle musikalische Einflüsse, z. B. aus Griechenland. Die greifen auf traditionelle Instrumentierungen oder klassische Motive des Chansons zurück, ohne das allerdings ein aktueller Bezug verloren geht. Leider gibt es aber auch Sachen, die ich nicht singen kann! An Arabeske oder Blues wage ich mich nicht heran.

6.) Welche Künstler haben Dich am meisten beeinflusst und warum?

Als Kind wurde ich sehr von Edith Piaf beeinflusst. Meine Mutter war ein großer Fan. Später war Alexandra ein wichtiger Orientierungspunkt. Heute ist die Palette vielschichtiger geworden. Großartig finde ich die Griechin Haris Alexiou, die Türkin Sezen Aksu und immer wieder die leider schon verstorbene Nina Simone.

7.) Welche Lieder würdest Du niemals adaptieren, weil Dir die Vorlagen als vollendet erscheinen?

Da fällt mir leider spontan keines ein. Viele Lieder scheinen vollendet und irgendwann wagt sich jemand heran und, siehe da, es war doch zu toppen! Ein gutes Beispiel ist "Ne me quitte pas" in der Live-Interpretation von Haris Alexiou (Original: Jacques Brel). Atemberaubend!

8.) Chanson, Jazz, ruhige und feinsinnige Musik ist dank Künstlern wie Norah Jones, Annett Louisan oder Katie Melua wieder so angesagt wie seit Langem nicht mehr. Woran liegt das?

Die Sehnsucht nach Gefühl, nach Melancholie, nach dem Glück, traurig sein zu dürfen. Immer heiter sein ist auch langweilig!

9.) Im Kontrast dazu, mit welcher Musik kann Stella Ahangi gar nichts anfangen?

Den meisten Musikrichtungen kann ich etwas abgewinnen, auch wenn ich sie mir nicht zu Hause anhören würde. Es gibt zwei Ausnahmen: Techno (macht mich aggressiv) und Musikantenstadl-Volksmusik (macht mich noch aggressiver!).

10.) Was ist dein Wunsch oder Traum für Deine Musik, den Du gerne einmal umsetzen möchtest?

Wie jeder Künstler möchte ich "wachsen". Mein Traum: europaweit Konzerte zu geben!

"Lieder im Bordell", Stella Ahangi mit Adrienne Morgan Hammond und Britta Weyers, Pascha Nightclub, Köln, Freitag, 25. Mai, Beginn: 20:00 Uhr, 25 Euro (inkl. aller Getränke und After-Show-Programm)

16. Mai 2007