Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?6968
  • 23. Mai 2007, noch kein Kommentar

Verrückt! Manfred Krug, Roy Black und Peter Kraus liebten es einst ebenso französisch wie Mary Roos oder Freddy Quinn.

Von Jan Gebauer

Man traut seinen Ohren kaum, wenn man den keck fragenden Sampler "Parlez vous Pop?" auflegt: Roy Black, Manfred Krug und Peter Kraus? Und das auch noch auf Französisch? Tja, die Vergangenheit mancher Interpreten ist viel bunter, als gemeinhin angenommen. 16 berühmte Sängerinnen und Sänger und ihre musikalischen Ausflüge in die Heimat von Wein und Chanson wurden für die Veröffentlichung zusammengetragen, teilweise außerordentlich rar. Witzig sind die Akzente, erstaunlich die Ernsthaftigkeit mit der die meisten Interpreten bei der Sache sind. Doch durchleuchten wir die großen Namen Song für Song: Sandie Shaws französische Aufnahmen sind dem geneigten Fan hinlänglich bekannt, füllten sie doch vor wenigen Jahren eine ganze CD-Sammlung (es erschienen weitere mit spanischen, deutschen und italienischen Aufnahmen). Roy Black singt mal ohne seinen typischen Schmalz von einer Strandbekanntschaft, während Marlene Dietrich mit der französischen Version von "Sag mir wo die Blumen sind" ("Où vont les fleurs?") vertreten ist.

Reinhard Mey veröffentlichte zwischen 1968 und 1982 insgesamt sechs französische Alben, von 1973 stammt die wunderbare Ode an seinen Garten, "Dans mon jardin". Auch das Teenie-Idol aus grauer Vorzeit Conny Froboess ist mit dem sanften "Chez nous" kaum wieder zu erkennen. Ebenso überraschend: Manfred Krugs jazzige Interpretation des Chanson-Klassiker "Parlez-moi d'amour" von Lucienne Boyer. Die Valente singt grandios wie immer ("Sait-on jamais"), während Marianne Faithfull "Coquillages" eigen wie eh und je zum Besten gibt. Mary Roos' luftig-leichte "L'Autoroute" wurde bereits für die dritte Folge der "Get-Easy"-CD-Reihe verbraten – die Booklet-Aufmachung von "Parlez vous Pop?" wurde ebenfalls dort entliehen. Mit Peter Kraus und Freddy gibt es wieder zwei skurrile Hörerlebnisse aus der Rubrik "unglaublich, aber wahr". Dabei machen die immer noch rüstigen Herren mit ihren Aufnahmen von 1960 und 1957 eine entzückende Figur.

Lys Assia versüßt die CD mit ihrem trashigen "Mama Cha Cha Cha" und verwechselt gekonnt den gefürchteten "subjonctif" mit dem "imparfait". Der ziemlich üblen englischen Akzent bei Ireen Sheers Aufnahme "Tous les grands sentiments" erinnert uns an ihre 74er Eurovisionsteilnahme, bei der sie für Luxemburg (!) einen vierten Platz ersang. "Tous" war die B-Seite der dazugehörigen Single. Dusty Springfield ist auf der CD mit einer eleganten französischen Version von "Losing You" ("Je ne peux pas t'en vouloir") vertreten. Akzentreich geht es mit der unvergessenen Alexandra und "Solenzara" weiter. Aber die hätte auch das Telefonbuch von Litauen hoch und runter singen können und es hätte einen immer noch berührt. Zum Abschluss gibt die sprachbegabte Vicky Leandros ein tragisches "Entre les lignes" zum Besten. Ein runder Abschluss zu einer wunderbaren Compilation mit lauter Aha-Erlebnissen zwischen Chanson, Kitsch und ganz viel Easy-Listening.

23. Mai 2007