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Festnahmen und Schlägereien - das ist die Bilanz des CSD Moskau.

Von Dennis Klein

Wie im letzten Jahr warteten schon rechtsradikale und religiöse Schläger auf die Medienberichten zufolge 120 schwul-lesbischen Aktivisten, die trotz des Verbots für ihre Rechte auf die Straße gegangen sind. Sie wollten im Rathaus eine Petition zur Versammlungsfreiheit übergeben, die von 40 EU-Abgeordneten unterzeichnet worden war - unter den Aktivisten war auch der Grünenabgeordnete Volker Beck. Doch sobald sie sich dem Gebäude näherten, wurden sie von einer aufgebrachten Menschenmenge mit Eiern und Tomaten beworfen und beschimpft - Skinheads griffen die Demonstranten auch unter den Augen der Polizei handgreiflich an. Die Beamten nahmen schließlich eine Handvoll Aktivisten fest, unter ihnen auch Beck. Sie nahmen dem Politiker den Pass ab - das alles angeblich zum eigenen Schutz - und ließen ihn kurze Zeit später wieder frei.

"Gravierender internationaler Zwischenfall"

Die Grünen in Berlin waren aufgebracht. Sie werteten die "willkürliche Festnahme" als "gravierenden internationalen Zwischenfall, der nicht akzeptiert werden kann". Parteichefin Claudia Roth sprach von "gravierenden Menschenrechtsverletzungen" in Russland.

Scharfe Kritik übte auch der FDP-Parlamentarier Michael Kauch. Russland sei "meilenweit von demokratischen Verhältnissen entfernt", so Kauch. Für die Linkspartei kritisierte die Abgeordnete Barbara Höll, dass Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow mit dem CSD-Verbot "den Kräften der Vergangenheit das Recht auf Bruch mit der Europäischen Menschenrechtskonvention erneut eingeräumt" habe.

Neben Beck wurden auch zwei italienische Europa-Abgeordnete festgenommen. Auch CSD-Veranstalter Nikolai Aleksejew und zwei Mitstreiter wurden verhaftet und mussten eine Nacht im Gefängnis verbringen. Sie müssen sich am 9. Juni vor Gericht verantworten. Anklage: Anstiftung zum Abhalten einer illegalen Demonstration.

Der international bekannte Homo-Aktivist Peter Tatchell ist von einem Rechtsradikalen brutal zusammengeschlagen worden. Er erklärte, nach der Festnahme Becks hätten sich Krawallmacher unter die CSD-Teilnehmer gemischt und ohne Vorwarnung auf Demonstranten eingeschlagen. Er sei zunächst gewürgt, dann ins Gesicht geschlagen worden. Selbst als er am Boden lag, sei er noch mit Füßen getreten worden. "Obwohl wir verprügelt wurden, hat die Polizei nichts unternommen. Manche haben sogar mit den Rechtsradikalen Scherze gemacht. Verhaftungen auf deren Seite hat es kaum gegeben", sagte Tatchell, nachdem er medizinisch versorgt worden war.

Auch "Right Said Fred"-Sänger verletzt

Neben Tatchell wurde auch Richard Fairbrass, Sänger der Band "Right Said Fred", beim CSD verletzt. Er war von einem Neonazi angegriffen worden, als er gerade ein Interview gab. Als er fliehen wollte, verstellten ihm Polizeibeamte den Weg. Er erlitt nach Medienberichten einen Schnitt unterhalb des linken Auges.

Im vergangenen Jahr war Volker Beck von rechtsradikalen Homo-Gegnern beim CSD Moskau blutig geschlagen worden (queer.de berichtete). Damals hatte Andreas Schockenhoff, Russland-Experte der CDU, dem Grünenpolitiker noch vorgeworfen, er trage eine Mitschuld an der Gewalt und habe nur Schlagzeilen machen wolle (queer.de berichtete). Kanzlerin Angela Merkel bedauerte hingegen die Übergriffe auf Beck. Die Internationale Helsinki-Föderation, die Dachorganisation von 45 Menschenrechtsgruppen, warnte unlängst noch davor, dass sich die Menschenrechtssituation in Russland wieder auf den Stand des Kommunismus zurückentwickele (queer.de berichtete).

29. Mai 2007



32 Kommentare

#1 JanoshAnonym
  • 29.05.2007, 17:14h
  • Volke(r)s Stimme hat sich erhoben und gegen die Missstände in Russland geklagt.
    Aber mal ehrlich wem außer den bühnengeilen Rampensäuen Beck & Co hat das genutzt ?
    Solche Aktionen schaden doch eher der Bewegung in Russland als das sie nutzen. Wer halbwegs bei Verstand ist wird sich doch denken können das sich 75 Jahre Vakuum nicht binnen 10 Jahren aufarbeite lassen. Wozu der Westen 40 Jahre gebraucht hat erreiche ich nicht wenn ich in Russland auftauche und salbungsvoll blicke und dem Bürgermeister irgendwelche Manifeste überreiche. Russland hat halt seine eigene Auslegung der Demokratie und die ändert auch ein Herr Beck nicht.
    Vielmehr sollte man den Menschen dort zeigen das Schwule normale Menschen sind und nicht permanent im Fummel durch die Lande laufen. Veränderung braucht Zeit fragt doch hierzulande mal einen 80 -jährigen und einen 18-jährigen nach Schwulen 2 unterschiedliche Antworten und doch sind beide Bürger des selben Landes.
    Ich bin sofort dabei wenn es heißt Aufklärung zu betreiben und Schwulen in Russland einen sichereren Raum zu garantieren wo sie sie selbst sein können aber bestimmt nicht um das Volk mit absurden Provokationen zu verärgern.
    Zum Abschluss möchte ich meinen Freund Juri zitieren " Die meisten wollen das gar nicht das die Westler protestieren das zerstört doch nur mehr als es nutzt es mag zwar gut gemeint sein aber der Russe ist nun mal sehr eigen was Einmischung von außen angeht"
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#2 hwAnonym
  • 29.05.2007, 17:27h
  • also, die bilder in moskau erinnern
    mich nach form, ablauf , verhalten gerade der staatsmacht und der gesellschaft,
    mal so ohne ideologiegedöhns,
    an bilder der bürgerrechtsbewegung
    wie man sie zu birmingham, alabama,
    massig findet.
    in diesem zusammenhang sehe ich auch das richtige klug kalkulierte verhalten becks, der mit angemessenem überschreiten der einschüchterung entgegentritt. nicht für schwule ist wie nicht für schwarze.
    es werden auch noch eine weile nur die kampfformen der US-bürgerrechtsbewegung zu verfügung stehen.
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#3 MariusAnonym
  • 29.05.2007, 17:41h
  • @Janosh:

    Wieso nicht gleich Rede- und Versammlungsfreiheit abschaffen, wenn jeder, der sich da einsetzt gleich eine "bühnengeile Rampensau" ist?

    Die Feigen haben mit ihrem Abwarten noch nie was geändert - erst wenn man für seine Rechte offen eintritt, ändert sich auch was.

    Nicht wie Westerwelle, der zwar ständig aus seiner sicheren Parteizentrale raus an allen anderen Parteien was auszusetzen hat, aber wenn es drauf ankommt, sieht man ihn nicht. (Und er schweigt auch zum Verhalten der FDP in den Länderparlamenten, etc.)

    Ich bin froh, dass es auch deutsche Politiker gibt, die sich wirklich für unsere Rechte einsetzen - auch dort, wo es brenzlig werden kann. Nur solche Menschen mit Rückgrat haben in der Vergangenheit Dinge geändert. Oder haben Nelson Mandela, Martin Luther King, Rosa Parks, etc. etwas geändert, indem sie geschwiegen haben?

    Bei solchen Äußerungen wie Deinen muss ich immer an Tucholskys Gedicht "An das Publikum" denken:
    Dann, ja dann verdienst du's nicht besser
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#4 tuxAnonym
#5 Böse MöseAnonym
  • 29.05.2007, 18:06h
  • @ Janosch - Genau - lass uns alle schön hetero spielen und dann tun die bösen Skins uns schon nicht weh... Erstmal: Hut ab vor Volker Beck. Ich bin oft gar nicht seiner politischen Meinung (mann muss nicht heiraten...) aber - dass er sich so konsequent mit Einsatz seiner Gesundheit mit den Schwulen in Russland solidarisert gefällt mir gut. Noch mehr Respekt vor den Schwulen aus Russland, die beim CSD waren. Und wenn Du dran erstickst Janosch - ich hoffe, viele waren auf Pumps und im Fummel unterwegs - lies mal die schwulen Geschichtsbücher, Schwester!
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#6 Böse MöseAnonym
  • 29.05.2007, 18:08h
  • @ Janosch - Genau - lass uns alle schön hetero spielen und dann tun die bösen Skins uns schon nicht weh... Erstmal: Hut ab vor Volker Beck. Ich bin oft gar nicht seiner politischen Meinung (mann muss nicht heiraten...) aber - dass er sich so konsequent mit Einsatz seiner Gesundheit mit den Schwulen in Russland solidarisert gefällt mir gut. Noch mehr Respekt vor den Schwulen aus Russland, die beim CSD waren. Und wenn Du dran erstickst Janosch - ich hoffe, viele waren auf Pumps und im Fummel unterwegs - lies mal die schwulen Geschichtsbücher, Schwester!
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#7 gerdAnonym
  • 29.05.2007, 18:29h
  • Russland rutscht leider immer weiter ab von den Fortschritten, die Gorbatschow dem Land im Wege der Demokratisierung gebracht hat.

    Putin und seine Geheimdienstregierung sind Gift für die Demokratie in Russland.
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#8 rudolfAnonym
  • 29.05.2007, 18:34h
  • @Janosh

    Warum sollte es Sonderkonditionen in Sachen reaktionärem Klerikal-Faschismus für Rußland geben? Rußland ist ein ganz normales europäisches Land, das unter Alexandra Kollontai zeitweise mal die modernste Sexual- und Familienpolitik in ganz Europa hatte. Und gerade weil die russische Geschichte nicht nur aus Popen und Stalin besteht, kann man an dieses Land die gleichen Standards anlegen wie an andere Länder Europas auch.
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#9 JanoshAnonym
  • 29.05.2007, 21:09h
  • Ich will mich ja nicht als Hetro darstellen der reinzufälliger Weise mit Kerlen poppt ich bin schon schwul und ich find das gut so wie es ist.

    Worum es hier doch geht ist die Mentalität des russischen Volkes. Gorbatschow wusste was er tat als er von Perostroika sprach (Veränderung der kleinen Schritte)
    Ich investiere doch lieber meine Energie sinnvoll indem ich in meinem Umfeld zeige das ich ein ganz normaler Mensch bin und dieses Umfeld überzeuge .Diese Menschen geben ihre Erfahrungen weiter und die überzeugen wieder andere das Schwule ganz normale Menschen sind. Ich muss doch erst eine Basis schaffen auf der ich aufbauen kann erst dann wenn der Rückhalt unten groß genug ist kann ich Oben anfangen aufzumischen.
    Die zitierte amerikanische Bürgerrechtsbewegung
    funktionierte auf dem gleichen Prinzip. Weil es weiße Menschen gab die meinten das die schwarzen Menschen die gleichen Rechte wie weiße hätten und Apartheit keine Lösung ist. M.L.King hätte nie den Erfolg gehabt wenn er nicht auch von Weißen unterstützt worden wäre.

    @ Böse Möse wieviele Leute kennst du die permanent im Fummel rumlaufen ? Mir fallen gleich 4 Leute ein die nach Köln oder Muc zum CSD fahren um dort Fummel zu tragen weil man sie hierzulande sehen könnte.
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#10 Alexey TarakanovAnonym
  • 29.05.2007, 21:20h
  • Internazionaller Politischer skandall?
    Menschenrechtverletzung?
    Keine Demokrati in Russlan
    Was wollt Ihr mit diesen Wörtern erreichen?
    und unter Demokrati verstehe ich den Willen des Volkes, was wenn das meiste Volk Keine Homos duldet - ist es dann Demokrati
    wisst ihr eigentliech dass es mich anwiedert wenn sich 2 (männer) küssen
    auf sowas wird keine Rücksicht genommen.
    es ist ja nicht die Regierung in Moskau, die diese Gewalt fördert - es ist das Volk
    es ist die Kultur und das geht nicht so schnell weg.
    sollen doch die Homis machen was sie wollen aber warum müssen die auf die Straße und rum prallen!
    ich finde das ist richtig so
    Russland weiter so!
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