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- 05. Juni 2007 3 Min.
Schlussstrich im Mahnmal-Streit: Künstler, LSVD und Bund einigten sich auf eine Quotenregelung – alle zwei Jahre wechseln sich Lesben und Schwule ab.
Von Dennis Klein
Noch in diesem Jahr soll das Homo-Mahnmal am südlichen Rand des Berliner Tiergartens fertiggestellt werden. Gestern haben sich Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), der Lesben- und Schwulenverband sowie das Künstlerduo Michael Elmgreen und Ingar Dragset auf einen Kompromiss in der Umsetzung des Mahnmals geeinigt, das an die von den Nazis ermordeten Homosexuellen erinnern soll. Zuvor hatte es heftigen Streit gegeben – es ging dabei um ein projiziertes Schwarzweiß-Filmbild, das der Betrachter durch ein schräg eingeschnittenes Loch im Denkmal sehen sollte. Hier sollte eine endlose Kussszene zwischen zwei Männern gezeigt werden. Jetzt wird dieses Bild zwar umgesetzt – allerdings soll es alle zwei Jahre ausgewechselt werden. "Im Nationalsozialismus konzentrierte sich die Verfolgung aufgrund von Homosexualität auf Männer. Dafür steht das Startvideo eines küssenden Männerpaares", schreibt die Bundesregierung dazu in einer Pressemitteilung. Danach sollen die Frauen das Zepter übernehmen – zumindest 24 Monate lang. Damit solle auch eine weitere Funktion des Mahnmals erfüllt werden, nämlich "für die heutige Zeit ein Zeichen gegen Ausgrenzung von Schwulen und Lesben zu setzen."
Rückblick: Der ursprüngliche Entwurf mit dem Männerpaar war im Januar 2006 nach einem langwierigen Auswahlverfahren noch ohne Widerstand beschlossen worden (queer.de berichtete). Sieben Monate später startete "Emma"-Chefin Alice Schwarzer eine Kampagne gegen das Mahnmal und forderte: "Der Entwurf des Denkmals für die homosexuellen Opfer in der NS-Zeit muss ergänzt werden: um die lesbischen Opfer." Die Aktion wurde dabei von hochrangigen Persönlichkeiten unterstützt, unter ihnen Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Volker Beck, dem "grünen Homosexuellen vom Dienst" ("Emma").
"Emma" nicht zufrieden
Mit dem jetzt beschlossenen "faulen Kompromiss" ist die Frauenzeitschrift allerdings nicht einverstanden, wie sie bereits vor dessen offizieller Bekanntgabe klarstellte: "Wer garantiert, dass nach zwei Jahren tatsächlich die Frauen zum Zuge kommen?", fragte "Emma" und fuhr fort: "Verschärfend hinzu kommt: Nach wie vor argumentiert der von den Grünen dominierte Lesben- und Schwulenverband Deutschland (...) wider alle historischen Erkenntnisse damit, dass Lesben von den Nazis nicht verfolgt wurden."
Tatsächlich herrscht derzeit eine geradezu ideologische Debatte zwischen Schwulenaktivisten und Frauenrechtlerinnen, in der er darum geht, wer von den Nationalsozialisten mehr verfolgt wurde. Die Männer verweisen auf den seit 1935 verschärften Paragrafen 175, nach dem schon ein lüsterner Blick zur Strafverfolgung führte – die in Kastration oder im Konzentrationslager enden konnte. Der Paragraf richtete sich allerdings nur gegen Männer. Lesbische Aktivistinnen erklären aber, dass die Verfolgung von Lesben als "Asoziale" auch ohne ein ausdrückliches Gesetz stattgefunden habe. Insgesamt gibt es zu lesbischem Leben im Dritten Reich weniger Untersuchungen. Und auch bei Schwule gehen die Schätzungen der Todesopfer weit auseinander – zwischen 7.000 und 250.000 Männer sollen die Nazis demnach wegen ihrer Homosexualität in Konzentrationslagern ermordet haben.
Das jetzt beschlossene Mahnmal ist ähnlich wie das sich in unmittelbarer Nähe befindende Denkmal für die ermordeteten Juden in Stelen aufgebaut. Diese sollen schräg emporragen und zusammenstehen wie in einer Art Haus. "Mit diesem künstlerischen Entwurf ist eine würdige Form der Erinnerung an diese Opfer gefunden worden", sagte Kulturstaatsminister Neumann über den Kompromiss. Für die Finanzierung hat die Bundesregierung Mittel in Höhe von insgesamt 600.000 Euro zugesagt. Das Land Berlin stellt den Standort für das Denkmal zur Verfügung.
5. Juni 2007













Dass damit die historischen Tatsachen ignoriert und die Idee des Gedenkens ad absurdum geführt wird, interessiert doch niemanden.