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- 12. Juni 2007 3 Min.
Welchen Einfluss hat die in der schwulen Szene beliebte Schnüffeldroge auf das Immunsystem?
Von Christian Scheuß
Wer sich mit der Fragestellung befasst, ob der Gebrauch von Poppers möglicherweise einen negativen Einfluss auf das Immunsystem hat, der landet unweigerlich bei den so genannten Aids-Leugnern. Eine kleine Gruppe von selbsternannten Experten, die sich auch als "Aids-Dissidenten" oder "Aids-Skeptiker" bezeichnen. Sie glauben nicht an einem Zusammenhang von HIV-Infektion und Aids-Erkrankung und meinen, in ungesunder Lebensweise eine Ursache für die Immunschwächekrankheit gefunden zu haben. Der prominenteste der Aids-Leugner ist Professor Peter Duesberg. In einigen wissenschaftlichen Aufsätzen sagt er, das HI-Virus existiere zwar, aber es sei harmlos. Gefährlich sei dagegen die Einnahme antiretroviraler Aids-Medikamente. Gewarnt wird immer auch vor dem Gebrauch von Poppers.
Verursacht Poppers das Kaposi-Sarkom?
Siegfried Schwarze vom Verein "Projekt Information", der regelmäßig seriös über neue Entwicklungen bei HIV berichtet, hat in einem ausführlichem Artikel auf "hiv.net" über die Aids-Dissidenten auch die Poppers-These aufgegriffen: "Assoziation und Kausalzusammenhang werden immer wieder gerne verwechselt. Schönes Beispiel: Während der geburtenstarken Jahrgänge stieg auch die Zahl der Störche in Deutschland an. Es besteht also ein zeitlicher Zusammenhang (Assoziation) zwischen der Zahl der Störche und der Zahl der Geburten. Daraus aber einen ursächlichen Zusammenhang à la 'Der Storch bringt die kleinen Kinder' ableiten zu wollen, ist natürlich unzulässig. So gab es (vor der Ära der antiretroviralen Therapie) tatsächlich einen Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von Poppers und der Entwicklung des Vollbilds Aids. Daher kam auch bei den etablierten Wissenschaftlern schnell die These auf, Poppers sei für Aids verantwortlich. Doch genauere Untersuchungen ergaben, dass beide Phänomene eine gemeinsame Ursache hatten: Schwule, die sexuell besonders aktiv waren, benutzten überdurchschnittlich oft Poppers und erkrankten überdurchschnittlich häufig an Aids."
Also noch mal im Klartext: Alle Quellen, die man zum Beispiel über eine Suche im Internet findet, in denen behauptet wird, Poppers verursache die Bildung von Kaposi-Sarkomen, einer Hautkrebsart, die bei Aids-Patienten häufiger auftrat, oder Poppers verursache gar Aids, sind veraltet oder verbreiten ein Märchen der Aids-Leugner.
Ob und welche Auswirkungen Poppers auf das Immunsystem des Menschen hat, ist bislang nicht erforscht. Bei Versuchen mit Mäusen konnte eine Verringerung der Anzahl der weißen Blutkörperchen festgestellt werden – doch lassen sich solche Experimente nicht einfach auf den Menschen übertragen.
Poppers kann bei unsafem Sex eine Infektion begünstigen
Klar ist lediglich: Poppers kann eine HIV-Infektion bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einem Positiven zumindest begünstigen. Grund: Die Droge erhöht die Blutzirkulation auch im Po-Bereich. Zugleich unterdrückt das Amylnitrit einige Funktionen des Immunsystems, was eine Infektion auch mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten begünstigen kann.
Keine eindeutigen Antworten gibt es wiederum für HIV-Patienten, die sich gerade einer Kombiherapie unterziehen. Die Pillen haben zum Teil erhebliche Nebenwirkungen, zum anderen gibt es auch Wechselwirkungen, die den Therapieerfolg beeinträchtigen können. Knoblauch- oder Johanniskrautpräparate spielen da plötzlich eine Rolle, auch Viagra kann in Zusammenhang mit der Kombitherapie kritisch werden. Generell alle Drogen können die Wirkung von Medikamenten verändern, und damit wahrscheinlich auch Poppers.
Selbst die Deutsche Aids-Hilfe rät hier nur generell zu einem Gespräch mit dem Arzt und gibt speziell zu Poppers keine besondere Empfehlung.
12. Juni 2007
Links zum Thema:
» ''Wie gefährlich ist Poppers?'' (queer.de vom 03.06.2006)














