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Camfrog ermöglicht virtuellen Gruppensex – mit beliebig vielen Teilnehmern.

Von Christian Scheuß

"Kan_bo_pha" hat ganz schön viel zu tun. Nackt bis auf die Unterhose sitzt der schlanke junge Mann vor seinem Laptop, das Headset auf dem Kopf, in das er die ganze Zeit hinein säuselt und ab und an ein bisschen stöhnt. Mit der rechten Hand, tippt er etwas in seinen Rechner. Die linke wandert immer wieder zu der Beule, die sich unter dem weißen Stoff der Briefs abzeichnet. Er knetet seinen Dödel, ab und an greift er auch in die Unterwäsche und spielt direkt an sich herum. Vom Gesicht sieht man nur die Hälfte, aber das interessiert wohl auch nicht so viele. Was da unten abgeht, fesselt die Blicke. "Kan_bo_pha" ist ein sogenannter DJ in einem Chatraum des neuen Chathits Camfrog. Er spielt Musik vom seinem Computer und animiert zugleich die Leute mit seinem Unterhosengefummel.

Camfrog ist eine kleine Software, die ähnlich funktioniert wie die anderen Messenger, die aber einen eindeutigen Schwerpunkt auf die Kommunikation per Webcam setzt. Die User sollen sich sehen können, und nicht nur per Text und Audio miteinander plaudern. Neben vielen Räumen, in denen man sich einfach nur zum gepflegten Gespräch treffen kann, gibt es auch die "Schmuddelecken", die zu eindeutigen Handlungen wie "Cam-Masturbation" aufrufen. Die Räume sind grob nach Kontinenten aufgeteilt. Somit findet man stets Leute aus so ziemlich allen Ecken der Welt, denen man in die Augenschauen kann.

Als Windows 95 vor über zehn Jahren auf den Markt kam, lieferte Microsoft standardmäßig ein Programm namens Netmeeting mit. Mit dem konnte man sich auf einem zentralen Server einklinken, und dann mit allen, die ebenfalls auf diesem Server angemeldet waren, chatten. Richtig populär wurde das Tool erst mit der Einführung von Windows 98, denn dann waren mittlerweile auch die Modemverbindungen schnell genug und die Webcams erschwinglich, um den Menschen auch zu sehen, mit dem man sich unterhielt. Das lockte Heerscharen von Voyeuren und Exhibitionisten an, die eine steinzeitliche Form des Cybersex versuchten. Briefmarkengroße, ruckelnde Bilder, auf denen verrauscht und verwaschen etwas zu sehen war, das man mit viel Fantasie als Onanieren erkennen konnte, diente der Triebbefriedigung vornehmlich von Männern. In der Regel fror das Bild im entscheidenden Moment ein, oder die Server lieferten wegen der orgiastischen Überlastung gar keine Daten mehr. Das war alles andere als geil, aber irgendwie doch aufregend. Denn wann kommt man schon mal dazu, Sex mit jemandem aus Timbuktu zu haben, auch wenn es nur virtuell war. Außerdem passte es so gut in den Zeitgeist, der wegen der Gefahr durch AIDS den Cybersex-Trend entdeckte. Wer sich Befriedigung aus dem Netz holt, hat kein Risiko, sich sexuell übertragbaren Krankheiten einzufangen.

MSN machte dem Rudelbums einen Strich durch die Rechnung

Microsoft schaltete wegen der Jugendschutzproblematik, die sie sich mit Netmeeting ans Bein gebunden hatten, irgendwann die Server ab, stattdessen kam der MSN-Messenger, der nur noch Verbindungen von einer zur anderen Person erlaubte, die zuvor ihre Nicknames ausgetauscht hatten. Mit dem Rudelrödeln war Schluss. Und auch die Alternativen wie ICQ, Yahoo-Messenger oder Skype folgten dem Prinzip der sauberen Verbindung. Wer Netmeeting vermisst hat, der könnte mit Camfrog wieder glücklich werden.

"Kan_bo_pha" knetet sich bereits seit einer halben Stunde, doch mehr passiert einfach nicht. Offensichtlich will er nur ein bisschen anheizen und die Leute damit im Chatraum halten Für weitergehendes Vergnügen ist dann jeder selber verantwortlich. Die Liste der Leute, die sich gerade im Raum aufhalten, ist mit kleinen Symbolen versehen, mal männlich, mal weiblich, je nach eigenem Geschlecht. Zwischendurch bekommen diese Figuren große grüne Glotzaugen. Das ist das Zeichen dafür, dass sich jemand gerade dein Webcambild ansieht. Ein Klick auf das glubschende Figürchen zaubert den Videostream des anderen auf den Bildschirm. Camfrog ist so programmiert, das es mit wenig Internetbandbreite ein recht gutes Bild produziert. Und es gewährt von der Grundeinstellung erstmal einen offenen Zugang. Jeder kann bei jedem schauen, was er gerade so treibt.

In der kostenlosen Version ist der Kontakt immer nur mit einem anderen User möglich, in der kostenpflichtigen Pro-Version kann man dagegen beliebig viele Camfenster öffnen. Das eröffnet eine neue Dimension des Cybersex. Denn nun sind virtuelle Sexparties mit beliebig vielen Leuten möglich. Das wird auch bereits gerne genutzt dort. Scheu darf man dabei nicht sein. Denn es kann halt nun mal jeder als Voyeur dazu stoßen, und einfach zusehen.

Im eigenen Chatraum bist du vor Spannern sicher

Es gibt allerdings auch eine Möglichkeit, sich seine Partygäste auszusuchen. Man eröffnet einfach einen eigenen Chatraum. Dazu lädt man sich die Servervariante von Camfrog herunter und installiert sie auf dem heimischen Rechner. Damit klinkt man sich in den Camfrog-Verbund ein, und kann dann gezielt Leute aus anderen Chaträumen in die passwortgeschützten Privatgemächer einladen. Als technische Voraussetzung muss genug Bandbreite beim Internetanschluss vorhanden sein. Je schneller das eigene DSL, desto mehr können mitmachen. Und es darf keine Firewall dazwischengeschaltet sein. Die würde die Kontaktversuche von außen abblocken. Es empfiehlt sich also, den Camfrog-Server auf einer virtuellen PC-Umgebung laufen zu lassen, um trotzdem weiterhin sicher im Internet surfen zu können.

Wem das alles technisch zu aufwändig ist, der kann sich auch außerhalb von Camfrog mit den klassischen Messengern zumindest zu dritt vergnügen. MSN zum Beispiel erlaubt die gleichzeitige Freigabe der Webcam zu mehreren Usern. Das macht aber nur mit zwei anderen Usern Spaß. Sonst häufen sich wieder die Abbrüche und Systemabstürze.

30. Juni 2007



#1 simonAnonym
  • 01.07.2007, 01:44h
  • Ist doch nix neues, gibt schon längst auch andere programme wie ICUII oder Dwyco mit ebenfalls schwulen chaträumen und der möglichkeit von Multi-Cam Sessions. *G*
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#2 BenedictusAnonym
  • 01.07.2007, 19:38h
  • Wen wunderts, dass man heutzutage übers Internet kaum noch Livedate-Kontakte hinbekommt. Ist ja so bequem am PC zu rödeln
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#3 MarkHBAnonym
#4 ThommenAnonym
  • 02.07.2007, 17:07h
  • Christina von Braun über den Cybersex: " ... dass es beim Cybersex nicht um den Geschlechtsverkehr mit einem (wie auch immer gearteten) Anderen geht, sondern um die Vorstellung des Verkehrs mit DEN Anderen. Die Anziehungskraft dieses Eros besteht nicht darin, dass ich es mit allen machen kann, sondern mit allen auf EINMAL."
    Der neue Begriff des Körpers: "Er bezieht sich immer weniger auf den einzelnen, ach so fragilen und langweiligen menschlichen Körper und immer mehr auf einen grossen Körper, durch dessen Adern die Lust an sich strömt und der die vielen kleinen Körper zu einer Einheit verschmelzen lässt."
    (Versuch über den Schwindel, S. 277/78)
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