Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?720
  • 04. März 2004 9 3 Min.

Altötting Die Pläne eines Grünenpolitikers, in dem bayrischen Marien-Wallfahrtsort Altötting einen CSD zu veranstalten, hat in den rund 12.500 Einwohner zählenden Ort zu Protesten geführt.

Zu dem CSD am 3. Juli hatte der Grünen-Kreisvorsitzende Thomas Grahammer eingeladen, die grüne Menschenrechtsbeauftragte Claudia Roth hat ihr Kommen bereits zugesagt. Neben einer Kundgebung auf dem Dultplatz ist auch eine Parade geplant. Die Parade solle "den Menschen in Bayern und in der Welt zeigen, dass Altötting auch andere Gesichter zu bieten hat als die Wallfahrtskirche, dass sie eine freie Stadt mit weltoffenen, aufgeklärten Bürgern ist", sagte Grahammer in einer örtlichen Zeitung.

Seitdem ist von der Weltoffenheit viel verloren gegangen. Stadtpfarrer Günther Mandl sieht in dem Vorhaben eine bewusste Provokation. "Eigentlich schade. Denn die eingeforderte Toleranz wäre auch hier gegenüber den Wallfahrern und den Bürgern der Stadt gefragt", so Mandl gegenüber der "Passauer Neuen Presse". "Es gibt Dinge, die tut man einfach nicht. Dieses Spektakel gehört sicher dazu. Man kann das mit 'religious correctness' bezeichnen". Er griff Grahammer auch persönlich an: "Es bleibt der Beigeschmack, dass sich hier jemand auf Kosten vieler anderer profilieren will."

Der Passauer Bischof Wilhelm Schraml nannte das Vorhaben eine "ungeheure Provokation" und "Verhöhnung des Glaubens". Der evangelische Pfarrer Dr. Werner Thiessen sagte der "Passauer Neuen Presse", er stehe dem CSD im Grunde tolerant gegenüber, die Demonstranten hätten aber besser das Gespräch suchen sollen.

Auch Bürgermeister Herbert Hofauer zeigte sich nicht begeistert über den geplanten CSD: "Wir haben uns darum nicht beworben." Zwei Demonstrationswege, die an Glaubensstätten vorbeiführten, lehnte die Stadt ab, den jetzt geplanten will sie jedoch genehmigen. Einen vier Stunden langen Demozug werde man jedoch ebenfalls nicht genehmigen, so Hofauer im "Alt-Neuöttiger Anzeiger".

Dort machten auch die Bewohner Altöttings ihrem Unmut in Leserbriefen Luft. "Immer öfter müssen wir Christen miterleben, dass Satan, der Durcheinanderbringer, umherschleicht, ja heutzutage tanzt und tollt, da man ihn verleugnet, um die Menschen durch die vielen Vergnügungen und Süchte zu verführen und zu verschlingen in sein finsteres Reich – das ewig existiert", so Maria Bucher, die dem Stadtpfarrer für sein Veto dankte und zu einem "mutigen Kampf" für ein Verbot aufforderte. Eine andere Leserin sprach davon, niemanden veruteilen zu wollen, um dann dann über Sünder hezuziehen, die büßen sollten. Eine Therese Küster erregte sich, es gebe ein Gesetz, man solle "Gott Deinen Herrn nicht mehr beleidigen". "Bürger guten Willens, wehrt euch gegen die Schwulenparade, oder will man den Fluch Gottes herabziehen?", so die Leserin weiter, und: "Der Ruf der Wallfahrtsstadt müsste geschützt werden, und auch die religiösen Gefühle der Wallfahrer."

Beistand kommt auch von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), die sich in einem bitterbösen Kommentar (Überschrift: "Wir sind Altöttinger") auf die Seite der Stadt stellte. "Der 3. Juli wird in Altötting bislang nicht als verspäteter Faschingszug von dreiviertelnackten Lesben und Schwulen begangen, sondern als Fest des Apostels Thomas, der als der große Zweifler an der Auferstehung Jesu in die Evangelien einging. Das hätte der Paradenorganisator Grahammer eigentlich wissen können, heißt er doch Thomas mit Vornamen. Aber weil er ein Zugereister aus München ist und erst seit eineinhalb Jahren in Altötting wohnt, ist das vielleicht zuviel verlangt." Zusammen mit dem Besuch der "in solchen Fällen epidemisch auftretenden Claudia Roth" habe das zu "entsprechend harschen" Reaktionen der Bevölkerung geführt. Die "taz" stellte sich hingegen mit der ironischen Schlagzeile "Altötting droht der Tanz der Teufel" auf die Seite der Schwulen. (nb)

5. März 2004

30.06.04 | Szene - Deutschland
Köln fiebert Cologne Pride-Parade entgegen
16.06.04 | Szene - Deutschland
Berlin rüstet sich für Homo-Events
14.06.04 | Szene - Deutschland
Europride in Hamburg
07.06.04 | Szene - Deutschland
Fischer kommt zum Europride
06.06.04 | Reise - Tipps & Trends
Deutschland im CSD-Fieber
04.06.04 | Szene - Deutschland
CSD-Saison beginnt
-w-

#1 UweAnonym
  • 22.03.2004, 01:05h
  • MEINE GÜTE!
    Ich denke wenn wir nicht mehr den CSD feiern entwickeln wir uns zurück! Lasst Euch nicht entmutigen! Ich habe Altötting schon als Kind besucht und werde das heuer (mit anderem Vorsatz) auch tun - wer will es mir/UNS verbieten?
    Ich bin getaufter Christ und schwul!
    Herr Bürgermeister, liebe Altöttinger, Herr Bischof ... sollte ich mich denn nun vom Glauben abwenden - angesichts dieser Hetzkampagne?
  • Direktlink »
#2 legolasAnonym
  • 22.03.2004, 19:26h
  • Wieder ein beweiß dafür das die Kirche immer noch im Mittelalter lebt und da gehört sie meines erachtens auch hin !!Schafft endlich den Glauben ab und schon gibt es 1000 Probleme weniger auf dieser Welt.
  • Direktlink »
#3 WolfAnonym
  • 24.03.2004, 09:43h
  • Hallo,
    Schwule sind Teufelswerk und haben keinen Anspruch auf einen Gott !!!!!!!
    Wo hatten blos die Gesellschaftsformen
    vor mehr als tausend Jahren ihre Toleranz
    und ihr Selbstverständnis her ?
    Offensichtlich werden wir doch alle als Kinder von den Kirchen missbraucht und müssten eigentlich Schadensersatz einfordern für unser verkorkstes gesellschaftliches und sexuelles Verhalten.
    Was mich immer wieder verwundert, dass sogenannte studierte Leut nicht in der Lage sind über den Tellerrand zu schauen.

    Ich glaube an meinen Gott, auch wenn ich ihn mir so zurechtbiege wie ich ihn für mich
    gebrauchen kann. Wenn ihm das nicht passt, hat er ein problem, denn er hat mich so gemacht!

    Grüsse!
  • Direktlink »