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  • 10. August 2007 7 4 Min.

In Los Angeles erläuterten die demokratischen Kandidaten für das Präsidentenamt ihre Position bei Homo-Themen

Von Dennis Klein

Premiere auf dem schwul-lesbischen Fernsehsender Logo: Zum ersten Mal debattierten live zur Hauptsendezeit die demokratischen Präsidentschaftsbewerber ausschließlich zum Thema Homosexualität. Dabei wurden sie einzeln und ungewohnt hart von der Sängerin Melissa Etheridge, dem Homo-Aktivisten Joe Solomonese und anderen Journalisten und Zuschauern befragt. Für jeden der Kandidaten standen ungefähr 15 Minuten zur Verfügung.

Im Mittelpunkt der Fernsehsendung stand das Thema Homo-Ehe. Moderator Joe Solomonese fragte Favoritin Hillary Clinton sehr direkt: "Warum lehnen Sie die Öffnung der Ehe so strikt ab?” Clintons Antwort brachte die Lacher auf ihre Seite: "Nun, Joe, ich denke eher, ich bin sehr positiv gegenüber Eingetragenen Partnerschaften eingestellt." Sie nannte das eine "persönliche Entscheidung", sagte aber gleich darauf, dass Amerika ein Land sei, das Gleichberechtigung einen sehr hohen Stellenwert einräumt. "Ich bin absolut für Eingetragene Partnerschaften mit voller Gleichberechtigung". Alle aussichtsreichen Kandidaten taten sich schwer bei dieser Frage. Sie antworteten möglichst kryptisch, um auch für konservativ eingestellte Amerikaner wählbar zu bleiben.

Favoriten gehen auf Nummer Sicher

Das fiel auch den krassen Außenseitern auf, die die Ehe-Öffnung unterstützen. Der 77-jährige Mike Gravel, Ex-Senator aus Alaska, sagte, er verstehe nicht, warum Schwule und Lesben die Kandidaten Obama oder Clinton unterstützen könnten: "Die spielen auf Nummer Sicher. Sie verlieren keine Stimmen, wenn Sie gegen die Ehe sind. Egal, wie sie sich rausreden. Mich kostet das Stimmen. Aber das macht mir nichts aus. Solche Stimmen will ich gar nicht.", so Gravel, der dafür großen Applaus erntete. Nur er und der ebenfalls chancenlose Kongress-Abgeordnete Dennis Kucinich aus Ohio treten für volle Gleichberechtigung ein. Kucinich wurde gefragt, ob es irgend ein Homo-Thema gebe, das er nicht unterstützen würde: "Alles, was ich sagen kann, ist: Lassen Sie den Quell der Spenden nicht versiegen", so Kucinich. "Dann werden Sie den Präsidenten haben, den sie sich wünschen." Kucinich hatte sich bereits 2004 um die Präsidentschaftskandidatur beworben – hat aber keinen einzigen Bundesstaat gewinnen können.

Barack Obama und John Edwards, hinter Clinton die aussichtsreichsten Kandidaten, erklärten unisono, dass auch sie sich Eingetragene Partnerschaften mit gleichen Rechten wünschten, sich aber gegen die Ehe aussprachen. Obama reagierte etwas wirsch auf die Frage eines Journalisten, der ihn wegen der Ablehnung der Ehe-Öffnung als "Old School" bezeichnete: "Ich habe eine gute Bilanz in diesen Themen", so der Senator aus Illionois. "Ich konzentriere mich darauf, dass die Rechte von der Bundes- sowie den Regionalregierungen allen gegeben werden." Der Ex-Senator John Edwards aus North Carolina versteht die Forderungen von Schwulen und Lesben, teilt sie jedoch nicht: "Natürlich sieht es so aus, als ob wir vor der völligen Gleichberechtigung zurückschrecken", so Edwards. "Alles, was ich Ihnen sagen kann, ist, dass ich mich sehr für Eingetragene Partnerschaften einsetzen werde."

Weitere Themen: Religion und Militär

Des weiteren diskutierten die Politiker den Einfluss der Religion und Homosexuelle in der Armee. Hier waren sich alle Kandidaten einig, dass Homo-Rechte nicht von Christen in Frage gestellt werden sollten und dass Schwule und Lesben in der Armee endlich offen dienen sollten.

Tief ins Fettnäpfchen tappte Bill Richardson, der Gouverneur von New Mexico. Melissa Etheridge fragte: "Ist Homosexualität Ihrer Meinung nach frei wählbar oder ist sie biologisch vorgegeben?". Daraufhin antwortete Richardson: "Das ist frei wahlbär". Etheridge, sichtlich verwirrt, antwortete: "Ich glaube, Sie verstehen meine Frage nicht", was zu leisem Kichern unter den 200 Zuschauern führte. Sie formulierte die Frage um, woraufhin Richardson auswich: "Ich bin kein Wissenschaftler. Ich sehe das nicht als Thema der Wissenschaft oder der Definition an. Ich sehe Schwule und Lesben als Menschen an. Es ist eine Frage des menschlichen Anstandes." Er wolle nicht auf Fragen nach Definitionen antworten, die "ich nicht vestehe". Christliche Fundamentalisten argumentieren in den USA oft, dass Homosexualität eine "freie Wahl” sei – und begründen damit die Existenz von Jugendcamps, in denen jungen Menschen "geholfen" werden soll, wieder auf den "richtigen", den heterosexuellen Weg zu kommen.

Die Republikaner werden keine Debatte auf Logo abhalten, gab der Sender bekannt. Man hätte zwar bei den Kandidaten angefragt – diese haben aber "keinerlei Interesse" an einer Diskussion um Homo-Rechte gezeigt.

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-w-

#1 RabaukeAnonym
  • 10.08.2007, 14:54h
  • Mensch...........Hillary, mache ja Dampf. Ich denke und meine, hier für einen Großteil von uns, Hillary muss das Rennen machen und am Ende natürlich auch gewinnen. Mir gehts dabei nur um eins.Der ganzen, republikanischen "Garde" mal so richtig in den Arsch zu treten.
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#2 PhilAnonym
  • 11.08.2007, 01:21h
  • Also, Hillary C. als große GLBT-Freundin zu verkaufen halte ich ja für ziemlich gewagt. Die Clintons haben schon immer gern um die Stimmen der GLBT Wähler gebuhlt und sie hinterher im Regen stehen lassen - wer's nicht glaubt soll sich mal den Film "After Stonewall" anschaun. Alles, was von Clinton's Homo-Politik übrigblieb, war "don't ask, don't tell" und die "Defense of Marriage Act", und dies ist schon ein ziemlicher Schlag ins Gesicht. Meiner Ansicht nach versuchen die meisten demokratischen Kandidaten einfach nur die "gay votes" zu kriegen indem sie sich für die Eingetragene Partnerschaft aussprechen, andererseits versuchen sie, für die konservativen, christlich-fundamentalistischen Kreise wählbar zu bleiben, indem sie sich gegen eine "Ehe" für GLBT Leute aussprechen. Dies ist schlicht und ergreifend Opportunismus. Das Frau Clinton hier als "Retterin" gesehen wird, überrascht mich sehr.
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#3 stinkiAnonym
  • 11.08.2007, 08:46h
  • naja, so kann man das m.E. nicht sehen. auf advocate.com ist
    im rahmen des 40th anniversary ein altes interview mit hillary.
    sie hat, als sie in new york gewählt wurde, gay pride events
    besucht, als ihr opponent nichtmal auftauchte. und bezüglich
    don't ask, don't tell hat sie während der letzten fernseh-
    debatten erklärt, dass die policy ein zwischenschritt war, den
    sie heute wieder abschaffen möchte. ich halte hillary für
    unsere beste wahl. sie ist immernoch progressiver als barack
    oder john und hat echte chancen, das rennen zu machen.
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