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- 27. August 2007 4 Min.
Der Rapper zeigte beim Berliner "Anti-Gewalt-Konzert" deutlich, was er von den Protesten von Homo-Gruppen hielt.
Von Dennis Klein
Zehntausende besuchten am Samstag das von der Jugendzeitschrift "Bravo" und dem Musiksender "Viva" organisierte Anti-Gewalt-Konzert am Brandenburger Tor. Währenddessen protestierte ein kleines Häufchen von 30 bis 50 Menschen an der Straße des 17. Juni gegen den Auftritt von Rapper Bushido, der in seinen Liedern unter anderem ankündigt: "Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel." Der Demonstration ist sich auch Bushido bewusst – und richtet während seines Auftritts seinen Stinkefinger demonstrativ in die Richtung der Aktivisten. "Die Wichser können demonstrieren, sich aufhängen – ich scheiß drauf", erklärte er wenig diplomatisch. Dabei sieht sich der 28-Jährige in der Opferrolle: "Mir würde niemals im Leben einfallen, gegen Homosexuelle zu demonstrieren", sagte Bushido unter dem Applaus der anwesenden Teenager. Und fügte in Richtung der Aktivisten süffisant dazu: "Ich hoffe, ihr habt euren Spaß gehabt".
Das Konzert sollte eigentlich die Gewalt an Berliner Schulen anprangern. Mit dem aggressiven Auftritt Bushidos wurde Gewalt aber eher hoffähig gemacht. Das heizt auch die politische Diskussion weiter an. Bereits vor dem Konzert hatten Politiker von CDU, Grünen und FDP die Ausladung des Krawall-Sängers gefordert, während SPD und Linkspartei eher beschwichtigten. Jetzt hat sich Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD) entsetzt über den Auftritt des Rappers geäußert. Er sagte, die Aktion war "unverantwortlich von Bushido selbst, aber auch von den Veranstaltern ‚Bravo’ und ‚Viva’". Man sei offenbar bereit gewesen, "ein so wichtiges Thema wie Gewalt zu missbrauchen und durch die Entgleisungen ins Gegenteil zu verkehren". Vor dem Konzert klang Zöllner nch ganz anders: Er hatte gesagt, er wolle niemandem den "prinzipiellen guten Willen" absprechen, sich in einer wichtigen Sache wie Antigewalt-Kampagnen zu engagieren.
Beck: "Bushido hat 'Bravo' und Senat gefickt"
Ungewohnt deutliche Kritik äußerte Volker Beck, Parlamentarischer Geschäftsführer der grünen Bundestagsfraktion: "Bushido hat 'Bravo' und den Senat von Berlin gefickt", erklärte er unverblümt in Anlehnung an das "Szenejargon". "Mit dem Dissen der 50 homosexuellen Demonstranten, die gegen Bushidos Aufrufe zu antischwuler Gewalt demonstrierten, hat er gezeigt, dass es ihm nur um PR und nicht um den Kampf gegen Gewalt ging. Berlins Schulsenator Jürgen Zöllner muss sich grenzenlose Naivität vorwerfen lassen."
Auch die Lesben- und Schwulen in der Union (LSU) nennen Zöllners Appeasement "inakzeptabel": "Herr Zöllner täte sehr gut daran, sich um seine eigentlichen Aufgaben zu kümmern. Zu diesen sollten u.a. gehören die Umsetzung der Rahmenlehrpläne und damit die Aufklärung über Homosexualität, sowie den Kampf gegen Homophobie, als festen Bestandteil des Unterrichts an Berliner Schulen durchzusetzen", so der Berliner LSU-Chef Eike Letocha. Er erklärte ferner, dass Bushido unter Umständen nicht so homophob ist wie er in seinen Liedern vorgibt – das ändere aber nichts an den negativen Auswirkungen: "Ich kann und will Bushido nicht absprechen, dass er seine Texte bewusst überspitzt, um damit zu provozieren und eine Diskussion in Gang zu bringen", erklärte Letocha. "Problematisch wird das jedoch, wenn die Empfänger seiner Botschaften, nämlich Jugendliche, gar nicht in der Lage sind, diese zu verstehen; etwa weil sie nie gelernt haben, das ihnen Präsentierte zu hinterfragen."
Homophobe Äußerungen von Bushido-Fans auf dem Konzert
Dieses mangelnde Verständnis von Bushido-Fans äußerte sich schon auf dem Konzert, wie die "Berliner Zeitung" berichtet. So rief im Fan-Block des Rappers der Auftritt der Band Mia Ablehnung hervor. "Die sind doch schwul", grölten die Bushido-Anhänger unablässig während des Auftritts.
Rassistische Gewalt schlimm, Schwuchteln verkloppen okay?
Das Antigewaltprojekt Maneo sieht die Verantwortung für derartige Ausfälle von Künstler und Fans bei "Bravo" und "Viva": "Die Veranstalter haben sich mit dem Auftritt Bushidos selbst disqualifiziert. Bislang hat sich keiner der Verantwortlichen unmissverständlich von homophober Gewalt distanziert", erklärte Maneo-Projektleiter Bastian Finke. Damit werde Jugendlichen die Message gegeben: "Rassistische Gewalt ist schlimm, aber Schwuchteln verkloppen, wie Bushido rappt, ist okay". Einer aktuellen Maneo-Studie zufolge sind jetzt bereits zwei Drittel aller unter-18-jährigen Schwulen von homophober Gewalt betroffen. Und Bushidos Botschaften fänden auf Pausenhöfen vor Schulen Gehör. "Damit haben wir ein ernstes Problem", resümiert Finke.
27. August 2007















Dieser Volksverhetzer und Gewaltprediger muss von allen demokratischen Kräften in diesem Lande zur Rechenschaft gezogen und seine homosexuellenfeindlichen Texte und Gesinnungen öffentlich geächtet werden. Eine gemeinsame Strafanzeige gegen Bushido wegen Volksverhetzung, getragen von einem breiten demokratischen Bündnis, ist ohnehin schon lange und nach dem gestrigen Auftritt erst recht überfällig.
Dieser Typ wird von vielen jungen Menschen als Symbolfigur dafür gesehen, dass es "cool" ist, Schwule zu dissen, zu verprügeln und überhaupt Homosexualität zu verunglimpfen und zu stigmatisieren, und deshalb müssen wir neben seinen perversen Botschaften auch ihn als Person ganz klar ächten und eben als das entlarven, was er ist: ein in Wahrheit völlig "uncooler", krimineller, verlogener und asozialer Gewaltprediger!
Die Homo-Bewegung - sofern noch existent - muss diesen Vorfall zum Anlass nehmen, die radikale Reform der Sexualerziehung mit besonderer Betonung der sexuellen Vielfalt und breit angelegte Anti-Diskriminierungsmaßnahmen zum Schutze junger Homosexueller in deutschen Schulen endlich ganz oben auf ihre Agenda zu setzen.
Wenn wir diesem Kampf gegen die Gewalt verherrlichende, homophobe Pöbel-Unkultur nicht hier und jetzt führen, werden wir es sehr bald noch viel schwerer haben, jemals wirkliche Gleichberechtigung und eine Kultur des Respekts vor der Vielfalt in dieser Gesellschaft zu erlangen!!!!