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- 03. September 2007 2 Min.
Seine Parteifreunde haben Larry Craig überraschend schnell fallen gelassen – sie haben Angst um ihre Wiederwahl.
Von Dennis Klein
Erleichterung unter den Republikanern: Senator Larry Craig hat seinen Rückzug bekannt gegeben – und beharrt gleichzeitig darauf, dass er sich auf der Flughafentoilette von Minneapolis nicht falsch verhalten hat. Senator Craig war – wie erst vor kurzem bekannt wurde – bereits im Juni von einem Undercover-Polizisten verhaftet worden, weil der offenbar Politiker Klappensex angestrebt hatte (queer.de berichtete).
Seine Kollegen im Kongress haben sich bereits im Vorfeld schnell von ihrem Parteifreund distanziert. In einem selbst für die rauen US-Sitten ungewöhnlichen Schritt haben die Republikaner Craig sofort aus den Parlamentsausschüssen ausgeschlossen – aus den Gremien also, in dem wirklich Politik gemacht wird. Denn zu groß ist die Angst, in den Skandal-Strudel hineingezogen zu werden und damit die Wiederwahl zu vermasseln.
Immerhin werden Abgeordnete des Repräsentantenhauses alle zwei Jahre gewählt – damit ist für sie immer Wahlkampfzeit (Senatoren werden dagegen nur alle sechs Jahre wiedergewählt). Und zu gut erinnern sich die Politiker an den Foley-Skandal im vergangenen Jahr, der mitverantwortlich dafür war, dass die Republikaner zum ersten Mal seit 1994 die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses verloren haben. Der republikanische Abgeordnete Mark Foley hatte kurz vor den Wahlen zugegeben, dass er Sex-Chats mit jungen Kongress-Praktikanten hatte (queer.de berichtete).
Sogar Präsident George W. Bush, dessen Popularitätswerte derzeit nie gekannte Tiefen erreicht haben, freute sich über das politische Ableben des Senators, so ein Sprecher des Weißen Hauses. Bush habe den Senator angerufen und ihm alles Gute für sein weiteres Leben gewünscht, hieß es.
Für die Republikaner wird die Rückeroberung des Kongresses damit umso schwieriger. Zwar darf der republikanische Gouverneur einen Ersatz für die Amtszeit Craigs bestimmen – und wahrscheinlich werden die konservativen Wähler Idahos die "Grand Old Party" bevorzugen, komme was wolle. Aber in den sogenannten "Swing States", dem umkämpften Bundesstaaten, haben die Republikaner derzeit wenig Chancen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bush-Partei im kommenden Jahr 22 Senatorensitze für verteidigen muss – die Demokraten aber nur zwölf. Derzeit verfügt die demokratische Fraktion über 51 Senatoren (inklusive zweier assoziierter Parteiloser), die Republikaner stellen 49 Senatoren. Im Repräsentantenhaus stehen 233 Demokraten 202 Republikanern gegenüber.
Craig war Vollzeitpolitiker und hat derzeit keinen Job, auf den er zurückfallen kann. Der ehemalige Rancher war seit 1981 ununterbrochen Abgeordneter im Repräsentantenhaus und im Senat. Finanziell fällt er aber nicht ins Bodenlose: Seine staatliche Rente beläuft sich auf 11.000 Dollar pro Monat.
3. September 2007









