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- 24. September 2007 2 Min.
Schwul-lesbische Polizisten trafen sich zum 13. Bundesseminar von VelsPol in Helenenau.
Von Lutz Lorenz
Lesbische Polizistinnen und schwule Polizisten passen kaum in das Bild, das die Gesellschaft von Angestellten und Beamten im Polizeidienst haben will. So kommt es nicht selten zu offenen Anfeindungen, auch aus den eigenen Reihen.
Der Verein VelsPol, der kürzlich zu seinem 13. Bundesseminar nach Helenenau in Brandenburg geladen hatte, fördert daher seit 1995 in neun Landesverbänden und dem Bundesverband die Akzeptanz schwul-lesbischer Lebensweisen innerhalb der Polizei durch Fortbildungen, Beratungen von Behörden, Interventionen bei Dienststellen gegen Benachteiligungen und Diskriminierungen oder bei Vorgesetzten, die Homosexuelle bewusst mobben. Arbeitsgruppen hatte es schon zu Beginn der neunziger Jahre gegeben. Auch beim dienstlichen Coming-out steht der Verein vertraulich zur Seite und mindert so seelische Belastungen, die anderenfalls die Aufgabenerfüllung beeinträchtigen könnten. Kooperierende Vereine gibt es für schwule und lesbische Justizdienstbeamte, Feuerwehrleute und Bundeswehrangehörige – sie alle haben rein gar nichts mit einem «Uniformfetisch» zu tun, wie ihnen oft unterstellt wird. Nach außen unterstützt VelsPol Schwule und Lesben bei der Anzeigenerstattung und dem Verfahrensverlauf im Gewaltfall, informiert über Opferentschädigungen oder vermittelt Beratungen, etwa bei Traumatisierungen nach Überfällen.
Schwulenbeauftragte für den Polizeidienst gefordert
Von Akzeptanz sei man noch weit entfernt, erklärte Berlins Polizeipräsident Glietsch auf dem VelsPol-Bundesseminar – selbst in der Hauptstadt, die immerhin einen offen schwulen Regierenden Bürgermeister habe. Aber Respekt und Toleranz könne die Polizei nicht nach außen tragen, wenn sie nicht auch nach innen Respekt als selbstverständlich für sich in Anspruch nähme. Glietsch, dessen Behörde die Durchführung des Seminars materiell und technisch unterstützte, wünschte sich weiterhin eine vertrauensvolle wenn auch nicht unkritische Zusammenarbeit und appellierte bundesweit an seine Amtskollegen, dem Berliner Beispiel zu folgen und einen «Schwulenbeauftragten» für den Polizeidienst zu bestellen.
Das nächste Bundesseminar von VelsPol soll in München stattfinden, trotz einer schwierigen Ausgangssituation: Beim diesjährigen CSD wurden die VelsPol-Teilnehmer von den eigenen Kollegen gefilmt, so sei eine «grausame Stimmung» entstanden. «Ich bin schon viele Jahre bei der Polizei in München, aber so etwas hat es hier noch nicht gegeben», hatte ein Polizist verächtlich und öffentlich geäußert. Dennoch habe es auch viel Zuspruch aus der Bevölkerung und von Kollegen gegeben.
Bei allem Erfolg der Arbeit des Vereins: «Ich wünsche mir sehr, dass die Notwendigkeit der Arbeit von VelsPol in einer fernen Zukunft entfallen möge», so Thomas S., der alte und neue Sprecher des Vorstandes.
Dieser Bericht ist eine (gekürzte) Übernahme aus der "Jüdischen Zeitung"
24. September 2007
Links zum Thema:
» www.velspol.de














