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- 02. November 2007 3 Min.
Einer neuen Studie zufolge macht das liberalere Klima selbst harte Männer aus Macho-Sportarten offen für Homo-Spielchen.
Von Dennis Klein
In schwulen Pornos wird gerne gemutmaßt, was in der Umkleidekabine und in den Duschen amerikanischer Footballspieler passiert. So unwahr scheinen die Fantasien nicht zu sein: Ein Sportsoziologe hat 47 "typische" heterosexuelle Footballspieler über ihre sexuellen Aktivitäten befragt. 19 von ihnen berichteten, dass sie auch schon sexuelle Erfahrungen mit anderen Männern gesammelt haben – das sind ganze 40 Prozent.
Maskulinität sagt nichts über bevorzugte Sexpartner
"Die Ergebnisse unterstützen meine Annahme, dass Homophobie unter männlichen Mannschaftssportlern in Nordamerika in allen Bereichen auf dem Rückzug ist", erklärte Professor Eric Anderson von der Universität Bath (England). "Maskulin zu sein sagt nichts mehr darüber aus, mit wem man schläft." Anderson selbst war einst der erste offen schwule Football-Trainer an einer US-Highschool.
Die befragten 47 Männer waren alle in Highschool-Mannschaften in der gesamten USA aktiv. Sie sind zwischen 18 und 23 Jahre alt. Jetzt arbeiten sie als Cheerleader. Anderson sagte allerdings, die Ergebnisse würden nicht dadurch beeinflusst, dass die Befragten jetzt als "Anfeuerer" für Footballteams arbeiteten, was als traditionell weibliche Aufgabe gilt. Sie hätten allesamt traditionell maskuline Züge im Verhalten, in der Kleidung und in sexuellen Aktivitäten.
Hetero- und Homosexualität verschwimmt
"Viele der Informanten haben Sex mit Männern. Sie denken nicht, dass gleichgeschlechtlicher Sex ihre heterosexuelle Identität in Frage stellt", erklärte Anderson. "In anderen Worten: Schwulen Sex zu haben macht sie nicht automatisch schwul in ihrem Freundeskreis." Während manche von ihnen Sex lediglich mit anderen Männern hatte, sammelten andere Erfahrungen bei Gruppensex, bei dem auch Frauen teilnahmen. Manche der Footballspieler stuften diese Aktivität als homoerotisch ein, andere nicht. "Die Vielzahl der sexuellen Aktivitäten wird nicht mehr als Tabu gebrandmarkt", so Anderson. Das sei auch in Nachtclubs zu beobachten, in denen Männer vermehrt miteinander tanzten. "Das ist etwas, was vor zehn oder 20 Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Die Zeiten ändern sich sehr schnell", so Anderson.
Drei Gründe für geändertes Verhalten
Der Sportsoziologe führt drei Gründe für das geänderte Verhalten der einstigen Supermachos an. Erstens führe die positive Darstellung von Homosexualität im Fernsehen – zum Beispiel in Serien wie "Will and Grace" – dazu, dass Schwulsein entabuisiert wird. Zweitens sorgt das Internet dafür, dass Neugierige leichter mit schwulen Männern Kontakt aufnehmen können. Drittens bewirkt die Schwächung des religiösen Fundamentalismus in den USA, dass homosexuelle Kontakte nicht mehr verteufelt werden.
Trotz der neuen Offenheit hat sich bislang noch kein Profispieler als schwul geoutet. Dort herrscht scheinbar die Devise vor: Was in der Mannschaftsdusche passiert, bleibt in der Mannschaftsdusche…
2. November 2007
Links zum Thema:
» Website von Eric Anderson













