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- 06. November 2007 5 Min.
Der Gay David Award sollte der europäische schwule Porno-Preis werden – jetzt wird von "Betrug" gesprochen. Rechtliche Schritte drohen.
Von Dennis Klein
"Die Preise sind allesamt erkauft. Wer zahlt, gewinnt", erklärte die rheinland-pfälzische Pornoproduktion EroCreations. Gemeint ist der Gay David Award, der als europäisches Pendant zum amerikanischen GayVN Award geplant war und vor gut zwei Wochen in Berlin vergeben wurde. Ausgelöst wurde der Streit vom Kölner Label XXX-Project, das seinen Preis als "bester europäischer Darsteller" bereits zurückgegeben hat. Das Studio habe den Award nur erhalten, weil es einer der Sponsoren war. "So wollten wir nicht gewinnen", erklärte Ulrich Jung von XXX-Project gegenüber queer.de.
Verantwortlich für das Event ist die Mediatainment Verlagsgesellschaft aus dem niedersächsischen Sehnde. Die kleine Firma organisiert seit Jahren erfolgreich das Hetero-Pendant, den eLine-Preis. Da die Firma bislang keine Erfahrung im schwulen Bereich hatte, holte sie sich die Düsseldorfer XY-Studios ("Man’s Art", "Turkish Boys") ins Boot. Dieses Studio war am Abend der Preisverleihung unter anderem für Technik und Gästeliste zuständig, führte eine Präsentation durch und stellte den Co-Moderator. Und just dieses Studio gewann auch die meisten Preise – obwohl in der Branche die Qualität ihrer Produktionen umstritten ist.
Unklar blieb bis jetzt, wie die Preisträger ausgewählt wurden. Ein direkter Ansprechpartner des Veranstalters war nach mehrmaliger Anfrage in über einer Woche nicht zu erreichen. Man erklärte lediglich, dass der Fachhandel den Gewinner bestimmt habe – was von Insidern angezweifelt wird. So erhielt "Pissing" den Preis, obwohl der Fetisch-Film erst gut eine Woche im Handel war und so nach Meinung von Insidern unmöglich gewählt werden konnte.
Die Veranstalter verteidigen allerdings in Pressemitteilungen den Award: "Der David ist ein … eher businessorientierter Preis für Unternehmen und Produkte im Segment Gay-Adult-Entertainment und spiegelt vor allem die Wirtschaftlichkeit der Produkte in dieser Branche wider", so die Niedersachsen knapp.
XY-Studios: Wir haben die bestverkauften Filme
Bei XY-Studios hält man sich ebenfalls bedeckt. Man werde auf Anraten des Rechtsbeistandes keinen Kommentar zu dem Streit abgeben, erklärte Junior-Manager René Bolinski. Rechtliche Schritte würden geprüft werden. Er verstehe die Auseinandersetzung aber selbst nicht: "Wir haben die fünf bestverkauften Filme in Europa", sagte Bolinski. Er fuhr fort, dass das Studio natürlich Qualitätsprodukte herstelle. Allerdings scheint es bei XY-Studios auch andere Meinungen darüber zu geben. Ein hochrangiger Vertreter der Firma, der vor und hinter der Kamera aktiv ist, erklärte in einem queer.de zugespielten Chat-Protokoll: "diese türkenfilme (vom XY-Studios-Label "Turkish Boys", Red.) sind das schrecklichste was man gesehen hat und spottbillig." Auch andere Filme seien qualitativ nicht hochwertig, was sogar der Regisseur zugebe. Sie verkauften sich aber dennoch anständig. Tatsächlich gehört "Pissing" beim größten britischen Internet-Pornoversand zu den meistverkauften DVDs.
EroCreations: Preis ist "Betrug" am Kunden
Trotzdem sieht Daniel Schirm von EroCreations den Award angesichts der Unregelmäßigkeiten als "Betrug am Endkunden". Ihm würde so Qualität vorgegaukelt, wo es keine gebe. Auch Händler würden getäuscht, die natürlich genau die mit dem Preis ausgezeichneten Filme nachfragten. Schirm selbst sei am Tag nach der Veranstaltung angeboten worden, mit Sponsoring einen Award für die nächste Preisverleihung zu kaufen. "Ihr schaltet im kommenden Jahr einige Anzeigen in unserem Magazin und dann schauen wir mal im nächsten Jahr", soll ein Geschäftsführer von Mediatainment dem kleinen Familien-Label sinngemäß angeboten haben. "Leider hat Herr H. nicht verstanden, dass es uns primär um die fehlende Fairness geht und nicht darum, einfach einen Preis erkaufen zu können", erklärte Schirm. "Wirklich verdient hätte ihn Cazzo mit seinen hochwertigen Produktionen. Oder auch Cadinot, mit dem ich mich nicht messen will. Das ist ein wahrer Künstler in unserem Geschäft." Der allerdings bei den David-Awards leer ausging.
Zukunft des Awards unklar
Für nächstes Jahr gelobt Mediatainment Besserung: Man werde die David-Verleihung "nicht mehr extern von einer Agentur" durchführen lassen, sondern "in Eigenregie durchführen". Ob das das Ende der Zusammenarbeit mit den XY-Studios bedeutet, hat Mediatainment auf Anfrage weder bestätigt noch dementiert. Man wollte auch keine Auskunft darüber geben, ob dieses Jahr noch eine andere Agentur involviert war. Im Gespräch mit Porno-Produzenten will Mediatainment auch zudem die Frage behandeln, ob wieder Bareback-Filme nominiert werden sollen. Denn hier hat sich der deutsche Award mit US-amerikanische Labels überworfen, die dem Phänomen Bareback viel negativer gegenüber stehen als europäische Produzenten.
Noch ist unklar, inwieweit deutsche Firmen den Preis noch unterstützen werden. EroCreations schließt eine weitere Teilnahme aus und untersagte Mediatainment unter Androhung einer Einstweiligen Verfügung, Material aus Produktionen der Firma zu übernehmen.
Dagegen glaubt XXX-Project weiterhin an den Award: "So ein Preis wäre von unsere Branche sehr wichtig, wenn er objektiv vergeben würde", erklärte Jung vom XXX-Project. Er sieht Chancen, dass Mediatainment in Zukunft einen prestigeträchtigen Award auf die Beine stellen kann: "Das Know-how ist da. Weil sie sich im Gay-Bereich nicht auskennen, haben die nur zu viel aus der Hand gegeben." Würde in Zukunft "Qualität" ausgezeichnet werden und nicht "minderwertige Produktionen", wäre Jung sofort wieder im Boot. Mediatainment sei mit dem Preis schlicht überfordert gewesen: "Die sind dort alle hetero, die wussten nichts über Gay-Produktionen. Jetzt sind sie hoffentlich schlauer", so Jung.
6. November 2007
Links zum Thema:
» XY-Studios
» EroCreations
Mehr zum Thema:
» Kritik an 'Bareback-Awards' (queer.de vom 26.10.07)














