https://queer.de/?7945
- 20. November 2007 5 Min.
Malaria, Hepatitis, Gelbfieber – da möchte man am liebsten zu Hause in Buxtehude bleiben. Wir sagen, wie man sich bei Reisen schützen kann.
Von Dennis Klein
Tropenkliniken sind voll von Patienten, die sich auf einem Abenteuerurlaub oder selbst bei einer Städtereise ein böses Andenken aus dem Urlaub mitgebracht haben. So wurde 2006 bei rund 600 Menschen nach der Rückkehr nach Deutschland Malaria diagnostiziert. Allerdings muss niemand aus Angst vor Krankheiten den Urlaub panisch absagen: Gegen viele gefährliche Erreger kann man sich mit Impfungen (und mit gesundem Menschenverstand) schützen.
Hepatitis-Impfung für Schwule kostenlos
Vielleicht die wichtigste Impfung, gerade für sexuell aktive Schwule: Hepatitis. Darunter versteht man eine Entzündung der Leber, die bei Nichtbehandlung in den meisten Fällen zum Tode führen kann. Weltweit sind hunderte Millionen Menschen infiziert, besonders in Afrika und Asien. Es gibt verschiedene Varianten, besonders häufig kommen Hepatitis A und B vor. Hepatitis B wird durch Sexualkontakt übertragen – leider um einiges einfacher als HIV. Jährlich werden in Deutschland 5.000 Fälle gemeldet – die Dunkelziffer dürfte allerdings weit höher liegen. Safer Sex alleine reicht in diesem Fall nicht aus. Glücklicherweise gibt es eine Impfung gegen das Virus – allerdings eine komplizierte. Man muss sich drei Mal vom Doktor pieksen lassen. Die zweite Injektion muss einen Monat nach der ersten erfolgen, die dritte ein halbes Jahr später. Die gute Nachricht für Schwule: Als Risikogruppe bezahlt die gesetzliche Krankenkasse die Impfung.
Für die meisten anderen Impfungen muss man allerdings selbst in die Tasche greifen. So kostet die Typhus-Impfung um die 40 Euro. Dafür bekommt man hier keine Pieks, sondern kann ganz bequem ein paar Tage Pillen schlucken.
Das Auswärtige Amt informiert
Doch für welches Land brauche ich welche Impfung? Hier gibt es keine klare Faustregel. Generell sollte man sich bei Reisen nach Afrika oder Asien Gedanken machen – dabei ist der Aufenthalt auf dem Land unsicherer als in Städten. Am besten den Hausarzt fragen oder ganz aktuell auf der Website des deutschen Außenministeriums informieren. Neben allgemeinen Reiseinformationen – etwa zur Sicherheitslage im Land – finden sich auch detaillierte medizinische Hinweise.
Besonders für Menschen mit eingeschränktem Immunsystem – wie HIV-Positive – ist eine Impfung wichtig, da sie anfälliger für Krankheiten sind. Allerdings muss hier mit dem Arzt abgesprochen werden, was sinnvoll ist. Denn durch das geschwächte Immunsystem kann auch der Impfschutz geringer ausfallen. Zwar werden die meisten Impfungen wie Tollwut als sicher angesehen. Allerdings können manchmal Wechselwirkungen mit dem HI-Virus auftreten. Insbesondere das Gelbfieber-Vakzin ist umstritten, weil es bei unterdrücktem Immunsystem unter Umständen eine Gehirnentzündung auslösen könnte.
Auch mit Impfschutz ist es wichtig, Vorsichtsregeln vor Ort einzuhalten. In Malaria-Gebieten ist beispielsweise ein guter Insektenschutz wichtig. Neben Sprays und Cremen sollte darauf geachtet werden, möglichst helle und lange Kleidung zu tragen und nur in insektenfreien Räumen oder unter dem Moskitonetz zu schlafen. Auch gegen von Salmonellen hervorgerufenen Typhus kann man sich schützen. Die in Afrika und Asien verbreitete Infektion wird insbesondere durch verunreinigtes Wasser und Fleisch übertragen. Das kühle Nass sollte daher stets abgekocht werden (auch beim Zähneputzen). Zudem sollte man im Zweifelsfall auf sein blutiges Steak verzichten.
Ein Restrisiko bleibt natürlich immer. Aber das gibt es auch in Deutschland. Denn viele Teile des Landes gelten beispielsweise als tollwutgefährdet. Und auch Zecken können eine große Anzahl von unappetitlichen Erregern übertragen. Außerdem ist die althergebrachte Grippe in Buxtehude genauso zu Hause wie in Bangkok und Johannesburg.
Wichtigste Impfungen auf Reisen:
Hepatitis A+B
Eine Infektionskrankheit der Leber, die u.a. durch Urin oder Kot (Hepatitis A) oder sexuelle Kontakte (Hepatitis B) übertragen werden kann. Vorkommen: Vor allem in Afrika und Asien. Hepatitis B zudem auch in Südeuropa und Südamerika. Impfung empfohlen, für Schwule als Risikogruppe ist sie kostenlos. Zur vollständigen Immunisierung gehören drei Impfungen (innerhalb von sechs Monaten). Vorzeitig planen!
Malaria
Eine Tropenkrankheit, die zu Schüttelfrost, Fieber, Magen-Darm-Beschwerden und bei Nichtbehandlung zum Tode führt. Übertragung meist durch Stechmücken. Besonders häufig in Schwarzafrika anzutreffen, aber auch im südlichen Asien und im nördlichen Südamerika. Es gibt noch keinen Impfstoff, aber bei Reisen in Hochrisikogebiete wird die prophylaktische Gabe eines Antibiotikums empfohlen. Ansprechpartner: Tropenmediziner.
Typhus
Eine Infektionskrankheit, die meist zu extremen Durchfällen bis zum Tode führt. Vorkommen: Vor allem Afrika, aber auch Mittel- und Südamerika sowie das südliche Asien. Schluckimpfung möglich, sie bietet aber nur einen ca. 70-prozentigen Schutz. Vier Tage lang müssen Pillen eingenommen werden, nach einer Woche beginnt der Schutz.
Gelbfieber
Eine Viruserkrankung, die sich in Fieber, Schüttelfrost und Übelkeit äußert. In vielen Fällen führt sie zu erheblichen Leberschäden und zum Tode. Übertragung durch Stechmücken. Vorkommen: Tropische und subtropische Gebiete in Südamerika und Afrika. Impfung empfohlen (in manchen asiatischen Ländern Pflicht, falls man sich vorher in Risikogebieten aufgehalten hat. Damit soll die Ausbreitung verhindert werden). Einmaliges Impfen durch Injektion, zehn Tage später wirksam, hält mindestens zehn Jahre.
Tollwut
Weltweit vorkommende Virusinfektion, die meist durch den Biss eines infizierten Tieres übertragen wird. 80 Prozent der Todesfälle in Osteuropa und Asien. Impfung möglich, sogar noch Stunden nach einem Biss. Empfohlen bei Reisen in besonders befallene Gebiete, u.a. nach Indien und China.
21. November 2007
Mehr zum Thema:
» Gay and gayfriendly Hotels buchen



















www.ondamaris.de