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- 25. November 2007 2 Min.
Ralf Königs neuer Comic "Hempels Sofa" kommt ziemlich hetero daher – gelungen ist er trotzdem.
Von Carsten Weidemann
Ralf Königs neuer Comic irritiert in vielerlei Hinsicht. Zum einen hat der Inhalt des gezeichneten Romans sehr wenig mit dem Ankündigungstext des Verlages zu tun. Zum anderen wird erst auf Seite 90 zum ersten Mal gevögelt.
Die erste Irritation ist schnell erklärt. Die von Rowohlt angekündigten Liebesabenteuer in einer Drei-Generationen-Familie waren Ralf Königs ursprüngliche Idee bei Vertragsabschluss für das Buch. Doch beim Zeichnen ist die Story dann einfach in eine komplett andere Richtung gegangen. An die Vorgabe des Großverlags, bitte möglichst jugendfreie Geschichten zu erzählen, hat sich König dagegen gehalten. Was die 90 ersten geschlechtsverkehrfreien Seiten erklärt…
Überhaupt kommt "Hempels Sofa" recht heterosexuell daher: Die verkopfte und gechiedene Psychotherapeutin Silke Hempel verknallt sich in der Geschichte in den notgeilen Jungbauern Martin, bekommt das mit der Liebe und dem Sex aber nicht auf die Reihe.
Gottseidank bekommt Frau Doktor Hilfe von ihrer schwulen Bürokraft Bert, der sie schließlich geschickt verkuppelt. In Ralf Königs 25-jähriger Comicgeschichte kommt es so auch zum allerersten Knollennasen-Cunnilingus.
"Vollziehen Sie mit ‚Hempels Sofa‘ eine sanfte Abkehr von Themen der Homosexualität?", fragte denn auch schon die Neue Zürcher Zeitung den Comicautor in einem Interview. Ralf Königs Anrwort: "Genau, nach 25 Jahren hab ich zu jeder schwulen Marotte etwa dreißig Comics gezeichnet- Ich sehe mich ja im Leben auch nicht auf einer schwulen Insel und mag mich auch in meinen Inhalten nicht mehr nur darauf beschränken."
Doch keine Angst: "Hempels Sofa" ist trotz der Hetero-Haupthandlung ein echter Ralf König mit ironischen und urkomischen Seitenhieben auf die Absurditäten des Alltags. Schwule Inhalte kommen nicht zu kurz: Genial ist etwa seine Erfindung eines Brokeback-Mountain-Musicals mit singenden Schafen. Jungbauer Martin erinnert zudem nicht zufällig an den legendären Bauarbeiter Ramon. Und den meisten Sex im Buch hat nicht das Heteropaar, sondern der schwule Bert mit seinen wechselnden Lovern.
Ralf König: Hempels Sofa, Rowohlt Taschenbuch, 160 Seiten, 9,95€
25. November 2007
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Statt homosexuellem Selbstbewusstsein und unabhängiger Darstellung homosexueller Identität kreist alles wieder nur um die heterosexuelle "Norm", und Schwule werden allenfalls als Berater und (Mit-) Reproduzenten eben dieser aggressiven Heteronormativität geduldet (und sehen sich offenbar - wie der "neue" Ralf König - auch selbst so).
Wann endlich wird Homosexualität wenigstens von "uns" als so vollständig gleichwertig vorgelebt, wie sie von Natur aus eigentlich ist und in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft auch zu sein hat???
Solange Homosexuelle selbst meinen, sich vor der Mehrheitsgesellschaft anbiedern und jedem dummen gesellschaftlichen Klischee entsprechen zu müssen, brauchen wir uns über die Rückschritte in punkto sexueller Selbstbestimmung der letzten Jahre - gerade bei jungen Menschen - wahrlich nicht zu wundern!