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- 08. Januar 2008 2 Min.
Die Familienministerin hat die Schirmherrschaft von Christival 2008 übernommen. Grüne sind empört.
Von Dennis Klein
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) war bislang die Überraschung in der Großen Koalition: Mit ihrer Forderung nach mehr Krippenplätzen und nach der Kappung des Ehegattensplittings (queer.de berichtete) zog sie sowohl den Hass von konservativen Unionspolitikern auf sich, die ihre Ideale verraten sahen, als auch den der Sozialdemokraten, deren Agenda sie "klaute". Jetzt versucht sie offenbar, ihre schärfsten Kritiker, sprich Fundamentalchristen, zu besänftigen: Sie übernimmt die Schirmherrschaft des Jugendkongresses Christival, der vor allem von evangelikalen Gruppen innerhalb der evangelischen Kirche veranstaltet wird. Bei dem Großevent werden im Mai tausende Teilnehmer in Bremen erwartet. Wie selbstverständlich dabei: Ein Seminar zur Heilung von Homosexualität.
"Viele Menschen leiden unter ihren homosexuellen Neigungen", heißt es dabei in der Seminarbeschreibung. Den Veranstaltern geht es "um Ursachen und konstruktive Wege heraus aus homosexuellen Empfindungen". Diese als "Ex-Gay-Bewegung" bezeichneten "Heilungs"-Ansatz kommt aus den USA. Dort werden bereits Camps zur Umpolung von Schwulen und Lesben angeboten (queer.de berichtete). Kritiker beklagen, dass derlei Aktivitäten Jugendliche in den Selbstmord trieben.
Herbe Kritik an der Schirmherrschaft üben die Grünen, die jetzt eine parlamentarische Anfrage zum Thema im Bundestag gestartet haben: "Frau von der Leyen kann nicht als Bundesfamilienministerin Schirmherrin eines Kongresses sein, bei dem gefährliche Psychokurse und minderheitenfeindliche Angebote gemacht werden", erklärte Volker Beck, menschenrechtspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Die CDU-Politikerin müsse "entweder die Absage dieses ‚Homosexuellenheilungsseminares’ durchsetzen oder ihre Schirmherrschaft zurückgeben", fordert der Kölner Abgeordnete.
In Deutschland wurde die Ex-Gay-Bewegung 1994 vom damals 36-jährigen Günter Baum begründet. Sein "Selbsthilfeinitiative Wüstenstrom" sollte Homosexualität "heilen". Aber nicht einmal ihm selbst konnte "geholfen" werden: Als es nach zwei Jahren zu einem "sexuellen Ausrutscher" kam, wurde er aus der Initiative ausgeschlossen - und landete direkt in der Psychotherapie.
8. Januar 2008
Mehr zum Thema:
» Die Schwulenheiler greifen an (queer.de vom 29.7.04)









