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- 30. Januar 2008 3 Min.
Einer neuen Umfrage zufolge spricht sich knapp die Hälfte für ein Verbot von gummifreien Pornos aus.
Von Dennis Klein
67 Prozent der Frauen, 53 Prozent der Heterosexuellen, aber nur 38 Prozent der Schwulen sprechen sich für ein Verbot von Pornos aus, bei denen die Darsteller keine Verhüterli tragen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Informations- und Meinungsportals Sozioland, die anlässlich des Weltaidstages durchgeführt wurde. Mehr als 1.300 Menschen beteiligten sich an der umfassenden Studie, knapp die Hälfte davon gaben bei ihrer sexuellen Identität "schwul" an.
Angesichts steigender HIV-Neudiagnosen ist gerade unter Schwulen eine Diskussion um textilfreie Animationsfilme entstanden, in denen unsafer Sex gezeigt wird. So wurde die Vergabepraxis des schwulen Porno-Oscars vergangenes Jahr in Berlin unter anderem deswegen kritisiert, weil dort – anders als beim US-amerikanischen Vorbild – Bareback-Filme nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden (queer.de berichtete). Dennoch: Bareback-Pornos haben in den letzten Jahren ihren Marktanteil stetig erhöht und stellen nun oft die Bestseller.
Hilft ein Bareback-Verbot der Prävention
Die Befragten sind sich uneins darüber, ob es der Aids-Prävention wirklich helfen würde, wenn die Darsteller im Großteil der Pornos Verhüterlis tragen würden. 56 Prozent bejahen das, 44 Prozent glauben, es macht keinen Unterschied. Bei dieser Frage zeigen sich zwischen den Altersgruppen, dem Geschlecht und der sexuellen Orientierung nur minimale Unterschiede.
Aus den offenen Antworten der Umfrage lässt sich kein Konsens in dieser Frage herstellen. Ein Befürworter von "unsafen" Filmen schreibt: "Kondomlose Pornos entführen in eine Traumwelt, die man sich in der Realität nicht erlauben kann - soviel Verstand muss sein!". Ein anderer meint: "Pornofilme sind für die Fantasie – wenigstens da darf ich mal Mist machen". Andere warnen: "Ein guter Film ohne Gummis verleitet dazu, selbiges zu tun! Russisches Roulette sozusagen!". Ein weiterer Befragter empfiehlt, dass beim Verkauf jedes Bareback-Pornos eine Extra-Abgabe erhoben werden solle, die der Aids-Prävention zugute kommt.
Weitere Ergebnisse der Umfrage
In weiteren Fragen beleuchtet Sozioland die Einstellung der Teilnehmer zu HIV und Aids. So glauben 77 Prozent der Schwulen, dass ihr persönliches Risiko, sich anzustecken, gering oder sogar sehr gering ist (Heteros: 86 Prozent, Bisexuelle: 85 Prozent). In ihrer näheren Umgebung thematisiert wird HIV von 62 Prozent der Schwulen, 44 Prozent der Heterosexuellen und 47 Prozent der Bisexuellen. Zwischen Frauen und Männern gibt es in dieser Frage kaum Unterschiede.
Nur 1,6 Prozent der Schwulen erklärten, generell keine Kondome zu benutzen. Viele gaben an, in einer Beziehung auf Verhüterli zu verzichten. Auffallend ist, dass ältere Menschen eher den Gummi-Schutz für überflüssig erklären als jüngere.
Den Erfolg der Aids-Hilfen schätzt genau die Hälfte der Befragten als "stark" ein, die andere Hälfte als "schwach". 80 Prozent aller Befragten befürworten eine stärkere Aufklärung in der Schule, 61 Prozent "aggressivere Werbung" in Funk, Fernsehen und Magazinen. Nur drei Prozent gaben an, die Aids-Hilfen würden jetzt schon genug tun.
Auf einen Impfstoff gegen HIV vertrauen die Befragten nicht: Nur 0,9 Prozent glauben, dass er in den nächsten zwei Jahren entwickelt wird. 51 Prozent meinen, dass die Pharmafirmen noch mehr als zehn Jahre dafür brauchen – und zwölf Prozent gaben an, dass es nie ein Vakzin gegen die Krankheit geben werde.
30. Januar 2008
Links zum Thema:
» Ergebnisse der Umfrage im Detail















seitdem es das zunehmend im schwulen Bereich gibt?
Dass eine Mehrheit der Heten sich für Pornos mit Gummi ausspricht, finde ich
irritierend. Denn während all der Jahre, als schwule Pornostars sinnvoller
weise nur mit Gummi gevögelt haben, erklärte die Hetero-Pornoindustrie das
als unnötig und unverkäuflich.
Fazit: Es geht mal wieder nicht um Aufklärung, sondern um Moral!