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- 12. Februar 2008 3 Min.
Roman-Autor Oliver Fehn ("Verfluchter Sommer") behauptet: Satanismus und Schwulsein passt gut zusammen.
Von Anne Richter
Oliver Fehn hat schon vieles probiert: Radio-DJ, Folksänger, Zauberkünstler. Heute ist er als Übersetzer tätig und schreibt Bücher. So hat er das erste deutschsprachige Buch über Satanismus verfasst. Da er nicht nur Mitglied in der "Church of Satan" ist, sondern auch schwul, schreibt er auch über schwule Liebesbeziehungen, wie zuletzt im Roman "Verfluchter Sommer". Im Interview erklärt er, wie die beiden Seiten seiner Persönlichkeit zusammen passen.
Geht es in deinem Roman "Verfluchter Sommer" eher um die Beziehung zwischen den beiden Brüdern, Bennies Entwicklung oder den Satanismus?
In "Verfluchter Sommer" geht es um falsche Vorbilder, verfehlte Rollenideale. Der Titelheld Bennie ist schwul, braucht aber eine Weile, um es zu kapieren, weil er seinem Bruder nacheifert, einem ehemaligen Frauenhelden.
Was war Dir besonders wichtig beim Schreiben? Hast Du viel Wert auf eine realitätsnahe Darstellung gelegt oder stand die spannende Geschichte im Vordergrund?
Die Spannung hat bei mir immer Vorrang. Ich hasse Romane, durch die man sich hindurch quälen muss. Das heißt nicht, dass auf jeder Seite etwas Aufregendes passieren muss; aber man kann zum Beispiel einen Dialog sehr gut und unterhaltsam schreiben oder ihn vermurksen.
Du bist Mitglied der "Church of Satan" und hast dich schon sehr früh in deiner Jugend als schwul geoutet. Inwieweit spiegelt Dein Roman die Geschichte Deines Lebens wieder?
Ich kenne die Art Erfahrungen, die Bennie mit seinem Schwulsein macht; aber ich habe es im Rahmen meiner Geschichte erlebt, und er erlebt es im Rahmen seiner Geschichte. Der Roman ist frei erfunden; aber die "Story hinter der Story", sprich: die Gedanken, Gefühle und Wahrnehmungen des Protagonisten sind Dinge, über die man nur berichten kann, wenn man ähnliche Erfahrungen gemacht hat.
Wie hat man sich einen schwulen Satanisten vorzustellen? Die gängigen Klischees über diese beiden Gruppen passen auf den ersten Blick ja überhaupt nicht zusammen.
Das ist richtig, gilt aber eben nur für die Klischees. Satanisten sind ja – im Gegensatz zu dem, was Boulevardpresse und Volksmund so berichten – keine bösartigen Katzenopferer, sondern rationale Freidenker, und meist tierliebend dazu. Im Mittelpunkt des Satanismus steht der Mensch, so wie er ist, mitsamt seinen Trieben, während andere Religionen sich gerne Soll-Menschen zusammenträumen, die dann auf alles Gute im Leben verzichten sollen. Insofern, finde ich, passen Satanismus und Schwulsein ganz gut zusammen.
Kennst Du noch viele andere schwule Satanisten oder bist Du auf diesem Gebiet eher ein Einzelkämpfer? Gibt es Netzwerke?
Es gibt etliche schwule Satanisten – sogar einige berühmte wie den Musiker Marc Almond oder den Filmemacher Kenneth Anger. Angeblich sind auch die Mitglieder eines sehr bekannten schwulen Pop-Duos, das ich hier aber nicht namentlich nennen will, Mitglieder der Church of Satan. Von einem Netzwerk für speziell schwule Satanisten ist mir allerdings nichts bekannt.
Wie gehen die nicht-schwulen Satanisten mit dem Thema Homosexualität um?
Sehr offen und sehr normal. CoS-High-Priest Peter H. Gilmore zum Beispiel hat erst kürzlich ein Essay veröffentlicht, in dem er für die Homo-Ehe eintritt. Der Satanismus bewertet Menschen nicht nach ihren sexuellen Neigungen, ihrer Hautfarbe oder ihrer sozialen Herkunft, sondern nach ihrer Persönlichkeit, ihrer Intelligenz und ihrer Kreativität.
Wie sieht der ideale Leser für Deinen Roman aus? Kann man auch ohne Vorkenntnisse alles verstehen oder empfiehlst Du vorher einen Blick in "Satans Handbuch"?
Nein, gar nicht. Ich freue mich zwar über jeden Leser meines "Handbuchs", aber für die Lektüre meiner belletristischen Werke ist es keine Voraussetzung. Stell es dir einfach so vor: Es gibt eine Menge Juden, Christen oder Buddhisten, die auch Romane schreiben, ohne darin ihre Religion zu thematisieren. Ich sehe mein Bekenntnis zum Satanismus sehr locker und ungezwungen. Natürlich spinnt es sich wie ein roter Faden durch alles, was ich denke und tue, das jedoch eher unauffällig.
12.02.2008
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