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- 18. Februar 2008 2 Min.
Der nordafrikanische Staat inhaftiert immer mehr Männer, nur weil eine HIV-Infektion vermutet wird.
Von Dennis Klein
Menschenrechtsorganisationen schlagen Alarm: Offenbar versucht die ägyptische Polizei derzeit systematisch, HIV-Positive zu internieren. Amnesty International und die Human Rights Watch werfen dem von Präsident Husni Mubarak seit rund 27 Jahren autoritär regierten Land vor, Jagd auf Menschen zu machen, nur weil sie sich mit dem Virus infiziert haben. So würden Freunde von HIV-Positiven verhaftet und Zwangstests unterzogen. Die Organisationen warnen davor, dass diese Repressalien dazu führen können, die Unwissenheit über die Übertragungswege von HIV noch zu erhöhen: "Die Aktionen verletzen nicht nur die Grundrechte der Menschen, die mit HIV leben. Sie gefährden die öffentliche Gesundheit, weil es jetzt für jeden gefährlich ist, nach Informationen über HIV zu suchen oder in Behandlung zu gehen", erklärte Rebecca Schleifer von der in New York ansässigen Organisation Human Rights Watch.
Bereits vor rund zwei Wochen hat Human Rights Watch Berichte von vier wegen HIV Verhafteten erhalten, die Anfang Februar nach schwammigen Moralgesetzen zu einem Jahr Haft verurteilt worden (queer.de berichtete). Ein Berufungsgericht hat die Urteile inzwischen bestätigt. Jetzt sind acht weitere Fälle bekannt geworden – allerdings dürfte die Dunkelziffer viel höher liegen. Alle, die HIV-positiv getestet worden seien, würden in Kairoer Krankenhäusern an ihr Bett gefesselt werden, berichten die Menschenrechtsorganisationen.
Ägypten gilt laut den Vereinten Nationen nicht als Hochrisikoland für HIV-Infektionen, allerdings gebe es nur wenige Informationen über die wirkliche Lage. Zwar können sich Patienten seit 2005 offiziell anonymen HIV-Tests unterziehen – jedoch spielen diese in der Praxis so gut wie keine Rolle. Grund: Viele Ägypter zweifeln die Anonymität an und fürchten, bei einem positiven Testergebnis als schwul abgestempelt und von ihrer Familie verstoßen zu werden oder im Gefängnis zu landen. Zwar ist Homosexualität direkt nicht strafbar, Schwule werden allerdings mit Gummiparagrafen verurteilt. Ihnen wird zur Last gelegt, dass sie die öffentliche Ordnung gefährdeten oder sich der "moralischen Verdorbenheit" oder "der Verletzung der Lehren der Religion" schuldig gemacht hätten. Der spektakulärste Massenprozess ereignete sich 2001, als die Polizei 52 Männer auf einer Party verhaftete. 23 von ihnen wurden trotz internationaler Proteste zu Haftstrafen und Zwangsarbeit verurteilt.
18. Februar 2008
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