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- Kolumne: Eric Hegmann01. Mai 2008 3 Min.
Eric Hegmann, 41, lebt und arbeitet als Autor und Journalist in Hamburg. Er hat zahlreiche Partnerwahl-Ratgeber sowie die Erzählbände Jungs sind so und Jungs in Beziehungskisten veröffentlicht. Anfang Juli 2008 erschien im Bruno Gmünder Verlag sein Roman Heldenfrühstück. Auf queer.de schreibt er jeden Monat über Jungs in der Midlife-Crisis. Mehr Infos unter www.eric-hegmann.de.
Jungs in der Midlfe-Crisis: Erste graue Haare
"Du weißt, dass du alt bist, wenn du das erste graue Schamhaar entdeckst", klagt Matthias, der beste Mann von allen, und er hört sich kleinlaut dabei an. Ich unterbreche die Vorbereitungen zum Sonntagmorgen-Frühstück und stürze zu Erste Hilfe-Maßnahmen ins Badezimmer, wo ich ihn bei irrwitzigen Verrenkungen auf dem Badewannenrand finde. Alterserscheinungen funktionieren bei ihm als Motivationsanreiz offensichtlich besser als alle Pilates- und Yoga-Kurse zusammen.
"Was machst du da?" frage ich, ernsthaft besorgt um seine Hals und Lendenwirbel.
"Ich zupfe meine grauen Haare", antwortet Matthias und richtet sich stöhnend auf.
"Warum rasierst du sie nicht?"
"Weil sie dann wieder kommen. Wenn ich sie ausreiße, sind sie wirklich futsch."
Ich kann nicht beurteilen, ob diese Information einen ähnlichen Wahrheitsgehalt aufweist wie die Legende, dass rasierte Haare schneller und dicker nachwachsen oder jene, dass Spinat einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Eisen besitzt. Manchmal kommt es eben nicht auf Wissen, sondern auf Glauben an – und mit zunehmendem Lebensalter wird statistisch gesehen Spiritualität ja auch immer wichtiger.
"Hast du schon einmal in den Spiegel gesehen?" frage ich.
"Natürlich."
"Dann ist dir sicher aufgefallen, dass sich deine beneidenswert dichte Haarpracht längst nicht mehr als tiefschwarz definieren lässt, sonder eher in die Musterkategorie Salz und Pfeffer fällt."
Matthias knurrt und taucht mit seinem Kopf wieder ab.
Ganz persönlich finde ich graue Haare ja extrem chic. Vermutlich eine frühe Prägung, die im Paket mit meinem Faible für groß, kräftig und dunkelhaarig in Form einer familiären Bezugsperson bereits kurz nach meiner Geburt in mein Leben trat. Der Rest der Familie war blond, da erschienen mir schwarz und grau wie das Gras auf der anderen Seite des Zauns als unwiderstehliche Versuchung. Das hat sich bis heute nicht geändert – höchstens das Attribut blond, denn mein Haar verweigert Pigmentexperimente und fällt schreckhaft lieber völlig aus. Gut, dass das vielen Jungs so geht, denn sonst hätte sich nie der Modetrend durchsetzen können, der dem gewöhnlichen Homosexuellen über 40 Jahren problemlos Glatze zugesteht. Ich vermute ja, einzig damit Friseure nicht ganz ohne Kundschaft da stehen, wurden Goatie, Dreitage- und Vollbart wieder entdeckt, aber das ist ein Thema für einen anderen Tag.
Ein gedämpfter Schmerzensruf reißt mich aus meinen Gedanken. Der Anblick des besten Mannes von allen, wie er triumphierend eine Haarwurzel mit der Pinzette gegen das Licht hält, verursacht jedoch einen Lachreiz.
"Mach dich nur über mich lustig", schimpft Matthias. "Ich werde alt und du stehst da und lachst mich aus, statt etwas Positives zu sagen, dass mich aufbaut."
"Dann sieh es als Training unseres Sexlebens", schlage ich vor. "Das Suchen von grauen Haaren an solchen Stellen sorgt zumindest für eine gewisse Gelenkigkeit im Alter."
Die gelbe Gummiente vom Badewannenrand verfehlt mich um mindestens zehn Zentimeter. Ich verkneife mir die Frage, ob es nicht Zeit für eine Brille wäre.
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Eric Hegmann, 41, lebt und arbeitet als Autor und Journalist in Hamburg. Er hat zahlreiche Partnerwahl-Ratgeber sowie die Erzählbände Jungs sind so und Jungs in Beziehungskisten veröffentlicht. Anfang Juli 2008 erschien im Bruno Gmünder Verlag sein Roman Heldenfrühstück. Auf queer.de schreibt er jeden Monat über Jungs in der Midlife-Crisis. Mehr Infos unter www.eric-hegmann.de.
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Die Sorgen liegen eher in der Zukunft allgemein.
Die Pole schmelzen, Süßwasser wird knapp, das Öl ist auch bald alle und keinen scheint es zu interessieren.
Das sind die größten Probleme der Zukunft, da spielen Graue Haare aus meiner Sicht eher eine untergeordnete Rolle.