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- 19. März 2008 2 Min.
Der R.E.M.-Sänger spricht erstmals über sein Schwulsein: "Ich dachte, es wäre ziemlich offensichtlich"
Von Carsten Weidemann
In einem Interview mit dem US-Magazin "Spin" hat R.E.M.-Sänger Michael Stipe erstmals über seine Homosexualität gesprochen. "Es war superkompliziert für mich in den Achtzigern. Ich war total offen mit der Band, meiner Familie, meinen Freunden und sicherlich mit den Leuten, mit denen ich geschlafen habe", sagte er. Damals habe er nicht gesehen, dass ein Outing anderen helfen könnte. "Aber jetzt sehe ich natürlich ein, dass das der Fall ist."
Stipe könne sich allerdings nicht erklären, weshalb seine sexuelle Orientierung nicht schon früher ein Thema war. "Ich dachte, es wäre ziemlich offensichtlich."
Eine große Enthüllung war das Bekenntnis denn auch nicht wirklich. Bereits im Mai 2001 bezeichnete sich Stipe im "Time Magazine" als "Queer Artist". Auch Queer.de hat den R.E.M.-Sänger in früheren Berichten stets "offen schwul" genannt. Entsprechend trocken vielen einige Pressekommentare aus: "Nachdem die großen Erfolge der Band R.E.M. schon etwas zurückliegen, muss sich Frontmann Michael Stipe offenbar wieder ins Gespräch bringen und outet sich als homosexuell", kommentierte die Schweizer Tageszeitung "20 Minuten".
Michael Stipe ist Gründungsmitglied, Sänger und kreativer Kopf der US-amerikanischen Alternative-Rock-Band R.E.M. Innerhalb weniger Jahre brachte es die Formation zu Ruhm in der Independent-Szene und war eine der ersten Bands, die ebenfalls großen Erfolg im Mainstream hatte. Neben seiner musikalischen Karriere engagiert sich Michael Stipe auch sozial und politisch und betätigt sich künstlerisch. Er ist Mitinhaber der Filmproduktionsfirma Single Cell Pictures, die unter anderem die Kinofilme "Velvet Goldmine", "Being John Malkovich" und "American Movie" produzierte.
19. März 2008
Links zum Thema:
» Offizielle Webseite von R.E.M.
Mehr zum Thema:
» Schwuler REM-Sänger: Musik-Nothilfe (queer.de vom 07.02.06)














Es stellt sich die Frage, wie man als öffentliche Person seine Identität über so lange Zeit so erfolgreich "nicht offiziell" werden lassen kann. Ohne ein sehr penibles - und aus meiner Sicht: krankes -Versteckspiel ist das kaum denkbar.
Denn für Hetero-Promis scheint es ganz selbstverständlich zu sein, sich auch schon in sehr jungen Jahren mit ihren jeweiligen, häufig monatlich wechselnden Partnerinnen und weiblichen (!) "Dates" in der Öffentlichkeit zu zeigen, ohne dass sie selbst (oder irgend jemand sonst) dies als übertriebene Zurschaustellung ihrer sexuellen Identität diskreditieren würden..
Erst wenn sich an diesem kollektiven Syndrom "falscher Zurückhaltung", oder besser: pathologischer Selbstverleugung, gerade in der Öffentlichkeit, bei Homo-Männern selbst etwas ändert, kann wirkliche Gleichberechtigung überhaupt in greifbare Nähe rücken.