https://queer.de/?8477
- 24. März 2008 2 Min.
Die Regeln, wann ein Hotel oder Reiseanbieter als "gayfriendly" gilt, gehen weit auseinander
Von Dennis Klein
Egal ob in Key West oder Amsterdam, in San Francisco oder Köln: Tourismus-Unternehmen sind am schwulen Euro interessiert. In den typischen Vierteln prangt daher an den meisten Hotels ein Regenbogenfahnen-Aufkleber. "Gayfriendly" ist das Zauberwort – doch was macht einen homofreundlichen Betrieb aus?
"Gayfriendly" bedeutet zunächst nur, dass Homosexuelle genauso willkommen sind wie Heterosexuelle. Im Falle eines Hotels also: Es gibt keine schiefen Blicke, wenn man mit seinem Partner ein Zimmer mit Doppelbett bezieht oder das romantische Candlelight-Dinner bucht. Aber selbst im homofreundlichsten Hotel kann es zu Irritationen kommen – zum Beispiel wenn sich ein anderer "gay-unfriendly" Gast über einen kurzen Homo-Kuss in der Hotel-Lobby aufregt.
Es gibt mehrere Zertifizierungen für "gayfriendly" Anbieter, die meisten davon – wie könnte es anders sein – in den Vereinigten Staaten. So umfasst das Verzeichnis von "Purple Roofs" 3.500 Einträge. Chef Mark Guzman verlangt dafür, dass die gelistete Gesellschaft einen "Vertrag" unterschreibt, in dem sie bestätigt, dass sie nicht gegen schwule und lesbische Gäste und Angestellte diskriminiert. Sonst könnte es Klagen hageln. "Wir kriegen viele Anfragen von Ketten, aber 90 Prozent rufen nicht mehr zurück, wenn wir diese einfache Anforderung stellen. Wir akzeptieren auch keine Standard-Sätze wie ‚wir diskriminieren niemanden’. Das ist viel zu schwammig."
Die schwul-lesbische Reiseorganisation IGLTA nennt als Bedingungen für das Zertifikat "gayfriendly" schriftliche Nichtdiskriminierungs- Richtlinien, Lehrgänge für Angestellte im Umgang mit Schwulen und Lesben sowie das Sponsoring von Szene-Events. Außerdem muss das Personal Gästen auf Anfrage erklären können, wo die nächste Schwulenbar zu finden ist.
Auch in Deutschland gibt es ähnliche Listen, allen voran natürlich der "Spartacus"-Guide. Ein Hotel-Qualitätslabel wurde zudem auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin vorgestellt: "Attitude Hotels.com" will Hotels in verschiedenen Luxusklassen auszeichnen. Dabei soll zwischen der Eignung für Zielgruppen unterschieden werden, also "gay", "lesbian", "gay and lesbian" – und als Schmankerl für offene Heteros gibt es noch die Kategorie "straight-friendly". Bislang stehen 25 Hotels in der Liste, es sollen aber noch mehr werden. Diese können dann direkt über die Website gebucht werden.
Wer mehr im privaten Umfeld "gayfriendly" übernachten will, ist bei "enjoy bed and breakfast" gut aufgehoben. Hier bieten Privatpersonen Extrazimmer in der Privatwohnung günstig "für Schwule, Lesben und Freunde" an. Hier steht der Kontakt im Vordergrund: Anders als beim Großhotel könnte hier der Gastgeber mit dem Gast in der empfohlenen Szene-Bar einen saufen gehen. Und das ist wirklich "gayfriendly".
22. März 2008
Links zum Thema:
» enjoy bed and breakfast
» Homepage der IGLTA
Mehr zum Thema:
» Gay and gayfriendly Hotels buchen


















