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  • 04. April 2008 43 1 Min.

Dortmund (queer.de) - Nach Volker Beck (Grüne) und Michael Kauch (FDP) fordert nun auch ein Bundestagsabgeordneter der SPD eine Absage des Sizzla-Konzerts am 19. Mai in Dortmund.

"Es ist nicht hinnehmbar, dass man Menschen eine Bühne gibt, die zu Gewalt aufrufen und Menschen diskriminieren und verunglimpfen", sagte der Parlamentarier Marco Bülow, der aus Dortmund stammt und umweltpolitischer Sprecher der Sozialdemokraten ist. "Was für Rechtsextreme gilt, muss auch für Sizzla gelten."

Den Hinweis des Dortmunder Veranstaltungsorts Live-Station, dass Sizzla im vergangenen Jahr den "Reggae Compassionate Act" unterzeichnet hat, ist für Bülow kein Freibrief: "Leider hat sich der Sänger außerhalb der Bühne aber weiterhin in unerträglicher Weise geäußert und verkauft weiter seine CDs mit Aufrufen zu Gewalt", sagte der SPD-Politiker. Deshalb dürfe ihm keine Bühne gegeben werden.

Neben dem Konzert in Dortmund soll Sizzla im Mai auch in München und Stuttgart auftreten. (cw)

-w-

#1 MalteAnonym
  • 04.04.2008, 11:23h
  • Richtig:
    es kann doch nicht sein, dass Nazibands wegen Gewalttexten gegen Farbige und Ausländer verboten werden, aber Reggaesänger mit Gewalttexten gegen Schwule und Lesben erlaubt bleiben...

    In Deutschland herrscht eine gefährliche Gleichgültigkeit, was Gewalt gegen Schwule und Lesben angeht...
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#2 FloAnonym
  • 04.04.2008, 14:39h
  • Wenn Leute nach Europa kommen, um hier zu Hass und Gewalt aufzustacheln, sollte das eigentlich nicht nur von Hinterbänklern angeprangert werden! Eigentlich sollten sich auch Frau MERKEL und Konsorten darum kümmern! Ginge es um andere Opfer, würden sie das auch tun, aber es geht ja wieder mal nur um Schwule...
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#3 SaschaAnonym
  • 04.04.2008, 17:11h
  • Tja, da sind sie plötzlich alle vereint, wenn das böse Schwarze aus Übersee kommt und Hass und Gewalt gegen Schwule predigt.

    Um hier kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich bin unter den aktuellen Voraussetzungen auch für ein klares Auftrittsverbot!

    Was mich allerdings beunruhigt, ist die Tatsache, dass die meisten, die jetzt laut aufschreien und Empörung inszenieren, bei der alltäglichen, oftmals natürlich viel subtileren (aber deswegen keineswegs weniger gefährlichen) Verunglimpfung und Diskriminierung von Homosexuellen INNERHALB dieser Gesellschaft einfach wegsehen bzw. vor dem Status quo kuschen.

    Offene Aufrufe zu Gewalt und Diskriminierung kann man am leichtesten als Akte der Homophobie "festnageln" und sie dann auch relativ leicht ächten - und natürlich muss man das auch in aller Deutlichkeit tun.

    Viel größeren Einfluss auf die breite Masse gerade junger Menschen hat aber die unterschwellige Homophobie in Gestalt einer aggressiven Heteronormativität, wie sie beispielsweise von den kommerziellen Massenmedien gepredigt wird. Hier werden schwule Jungs und Männer zwar zumeist nicht offen angegriffen. Sexuelle Vielfalt wird aber in aller Regel einfach ignoriert, da die kommerziellen Botschaften, aus denen viele junge Menschen ihre Vorbilder ganz wesentlich beziehen, unmittelbar mit einem ausdrücklich heterosexuellen Lebensstil verknüpft werden. Schwule kommen dort auch weiterhin allenfalls als Außenseiter und in den meisten Fällen in den üblichen dummen Klischees vor.

    Wenn beispielsweise ein junger Mann sein in der täglichen RTL-Serie "Alles was zählt" über Wochen sein ausführliches inneres und schließlich äußeres, schwules Coming Out erlebt, sich zugleich in einen Mann verliebt, und den Drehbuchautoren anschließend nichts besseres einfällt, als all das (Coming Out, schwule Identität und Partnerschaft) gleich wieder für null und nichtig zu erklären und den Betreffenden zum Hetero zu "bekehren", dann ist das eine ebenso verheerende und mindestens ebenso gefährliche Botschaft das junge Millionenpublikum!

    Homosexualität als "Phase", als etwas, wozu man "verleitet" oder verführt wird" - das ist hier die unterschwellige Botschaft (ob nun gewollt oder nicht), und auf diese Weise wird homosexuelle Identität eben explizit NICHT als der heterosexuellen Identität gleichwertig dargestellt. Denn den Heterosexuellen der betreffenden Serie unterstellt schließlich niemand, sie hätten doch "mindestens bisexuell" zu sein, und dementsprechend müssen sie sich auch nicht gleich nach Zusammenkunft mit ihren Traumfrauen in einen Mann verlieben.

    Was ich damit sagen will: Wir sollten den Sturm der Entrüstung mitunter auch auf das lenken, was vielleicht viel harmloser (da nicht schwarz oder außereuropäisch) daherkommt, aber ziemlich sicher noch viel größeren Einfluss auf das Bewusstsein und die Entwicklung junger Menschen hat: die homophoben Klassenzimmer, Schulhöfe und kommerziellen Flimmerkisten dieses Landes!

    Schließlich zeigen aktuelle Untersuchungen relativ eindeutig, dass junge Männer trotz der angeblich so großen gesellschaftlichen Fortschritte in den letzten Jahren heute WENIGER Freiheit empfinden, sich ohne Ängste sexuell auszuprobieren und gleichgeschlechtliche Erfahrungen zu sammeln als noch vor 15, 20 oder 30 Jahren. Bei jungen Frauen hingegen sieht das deutlich anders aus. Hier besteht, wie jüngere sozialpsychologische Studien ebenfalls belegen, also ein deutlicher Zusammenhang mit der "Sichtbarkeit" und Art der Darstellung in den kommerziellen Medienformaten. Zärtlichkeiten oder gar sexuelle Handlungen zwischen Männern, selbstbewusste schwule Identität jenseits der üblichen Klischees und Stereotypen sind dort weiterhin praktisch "tabu", während erotisches Kokettieren, Gefummel und Geknutsche unter Frauen inzwischen schon zum guten Ton gehört - wenn auch in erster Linie für den Heteromann als Zielgruppe. Aber immerhin setzt dies die erste "Hemmschwelle", d.h. die gefühlte und antezepierte Sanktionierung und Diskriminierung seitens der Gesellschaft gegenüber Homo-Sex, für junge Frauen deutlich herunter, während bei jungen Männern das Gegenteil der Fall ist.

    Dass eine derart bedenkliche und negative Entwicklung im Sinne sexueller Freiheit, Gleichheit und Selbstbestimmung von der so genannten Community oder den kläglichen Überresten einer Homo-"Bewegung" bislang konsequent ignoriert wird, ist mir unbegreiflich. Homophobie beginnt nicht erst da, wo Homosexuelle offen angefeindet werden, sondern ist auch dort, wo sexuelle Vielfalt praktisch ununterbrochen ausgeblendet und Heterosexualität weiterhin als die angeblich unanfechtbare, absolute "Norm" in Szene gesetzt wird.
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