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Einzelkommentar zu:
Dieter Stolte: Homos = Werteverfall


#30 SchorschAnonym
  • 14.04.2008, 19:19h
  • WELT Dir Deine Meinung!

    Ach du je...da hat wohl der Beißreflex die Oberhand gewonnen in den intellektuellen Kreisen der Redaktion! (War es das Feuilleton oder das Ressort Gesellschaftspolitik?) Wer des Deutschen mächtig ist und sich auch nur den zitierten Ausschnitt ein einziges Mal durchliest, kommt nicht umhin festzustellen, dass hier keineswegs "Schwule mit Junkies verglichen werden".

    (Wer den ganzen Artikel liest, wird übrigens feststellen, dass er im Wesentlichen Platitüden und Binsenweisheiten zu einem bunten Strauß vereint. Das fröhliche ZDF-Wunschkonzert der Volkstümlichen Soziologie, gewissermaßen. Oder: Wagners BILD-Kolumne für Pseudo-Intellektuelle. WELT Dir Deine Meinung.

    Dass in weiten Teilen von Literatur, Kunst und Musik heute Inhalt durch Provokation ersetzt wird, ist unbestreitbar - und kommt eben daher, dass viele (wie offenbar auch die queer-Redaktion) nur noch zum reflexartigen Reagieren auf schnelle Reize fähig sind, nicht zum geduldigen, mühsamen Rezipieren von Inhalten und Zusammenhängen. Ebenso unbestreitbar ist, dass eine Einstellung, die Steuerbetrüger (also Kriminelle) zu Robin Hoods hochstilisiert, die Grundlagen der sozialen Gesellschaft sabotiert. Da jubeln Menschen über die Euros, die sie mal wieder durch Schwarzarbeiter-Handwerker daheim gespart haben, und beklagen sich gleichzeitig über steigende Kindergartenbeiträge.

    Allerdings scheint mir, dass sich bei Herrn Stolte im perspektivischen Rückblick ein ziemlich großer Zeitraum von den 70ern (Provokation als Selbstzweck) bis zum ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts (Egozentrismus als Vorbild) zu einem Punkt verdichtet. Insofern aber ein sehr interessanter Beitrag.

    Ich empfehle in diesem Zusammenhang sehr einen Blick in die immer noch aktuelle Aufsatzsammlung "Mittelmaß und Wahn" von Hans Magnus Enzensberger, aus der Stolte hier - wenn ich das richtig sehe - auch zitiert. Texte wie "Die Freuden der Inkonsequenz" sind zeitlos gültig und übrigens auch formal-sprachlich makellos.
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