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Kommentare zu:
Dieter Stolte: Homos = Werteverfall


#41 SchorschAnonym
  • 14.04.2008, 21:25h
  • @ antos #35:
    Der Begriff "ambitionierte Kunst" beschreibt genau diesen verquasten, unerträglichen Bereich jener Kunstproduzenten, die glauben, eine Botschaft transportieren zu müssen. Nämlich eine andere Botschaft als ihr Werk selbst, im ärgsten Fall sogar eine konkrete politische. Solche Hervorbringungen sind nur ärgerlich. Ich spare mir langes, sinnloses Argumentieren zu der Frage, wo die Kunst aufhört und das Missionarstum anfängt, mit 2 Zitaten, denen sich nichts hinzufügen lässt:
    "Gut gemeint ist das Gegenteil von Kunst" - Gottfried Benn
    "Wenn ich eine Botschaft transportieren will, gehe ich zur Western Union" - Roman Polanski zugeschrieben.
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#42 SchorschAnonym
  • 14.04.2008, 21:37h
  • @ Luke #37:
    Nein, sie haben nicht immer provoziert als Selbstzweck. Wirklich gute, große Kunst IST einfach. Wenn dabei wirklich "hin und wieder der Inhalt auf der Strecke blieb", dann blieb dabei leider auch der Status eines Kunstwerks auf der Strecke. Wenn ein Kunstwerk dadurch, dass es einfach das ist, was es werden musste, provoziert, dann ist das ein vom Künstler nicht beabsichtigter und schon gar nicht einkalkulierter Nebeneffekt. Alles andere ist Agitprop (falls hier noch jemand weiß, was das mal hieß - glücklicherweiser ein aussterbender Begriff).

    Wer sich "von Zeitgenossen bewusst oder unbewusst abheben will", ist kein Künstler, sondern Profilneurotiker und ist in der Regel mit dem Kauf eines vergoldeten Handys oder eines Hummer besser bedient als mit der Produktion von Kunsthandwerk.

    Und: Homosexualität IST dann ein Teil von Werteverfall, wenn sie als Ersatz für Inhalte plakativ vor sich hingetragen wird. Dagegen sollten gerade wir uns am allermeisten und schnellsten wehren. Natürlich kann diese Nennung in Verbindung falsch interpretiert werden. Aber kein Autor ist verantwortlich für die Dummheit seiner Leser.
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#43 antosAnonym
  • 15.04.2008, 07:34h
  • @Schorsch

    Genau das meinte ich nicht. - Du hast allerdings Recht, das Wort 'ambitioniert' hätte ich mir hier sparen sollen.
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#44 Der BastiAnonym
  • 15.04.2008, 12:38h
  • "Wer in der Gesellschaft, in Literatur, Kunst und Musik etwas gelten und anstoßen wollte, musste den Mut zum Anstößigen, zum Tabubruch oder gar zur Revolution haben."

    Ist das nicht die Definition von Kunst, statt "anstoessig" sollte man vielleicht "aussergewoehnlich" einsetzen.

    "Steuerpflicht " - Dazu sage ich nur, die meisten Schwulen zahlen genauso gerne Steuern wie andere Buerger - Ich sag nur Zumwinckel. Nur moechten wir eben ein gerechteres System, z.B. was die Gleichstellung von Partnerschaften angeht.

    "Auf Dauer ist … kein Leben von den Rändern her möglich". "Das Normale bewährt sich im Alltäglichen: Das war nach dem Zweiten Weltkrieg so, als Trümmerfrauen, Flüchtlinge, Kriegsteilnehmer, Schrebergärtner und Häuslebauer darangingen, Deutschland wieder aufzubauen."

    Ich sags mal so: Im 3. Reich wurden die Raender (Schwule, Kommunisten, Demokraten, Kuenstler, Schriftsteller, Intellektuellem anders Religioese) ja relativ effektiv abgehackt. Die Normalbuerger, Fluechtlinge, Schrebergaertner haben Deutschland durch die Teilnahme am 2. Weltkrieg in Schutt und Asche gelegt - waehrend die Truemmerfrauen ein paar Jahre vorher noch tapfer Menschenmaterial fuer den Fuehrer ausgetragen haben. Ich habe Mitleid und Verstaendnis mit den Menschen die damals so leben mussten und der Nationalsozialismus war fuer viele Menschen eine schwierige Zeit, aber man darf nicht vergessen, dass die Normalos, die in den schwierigen Umstaenden des Nachkriegsdeutschlands leben mussten zuvor auch eine betraechtliche kollektive Mitschuld auf sich geladen hatten
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#45 LukeAnonym
  • 15.04.2008, 12:58h
  • @ Schorsch

    Entschuldige, wenn ich dir da widerspreche. Aber Kunst kann man nicht in so einfache Grenzen setzen, wie du uns hier erklären willst: Einfach=gut, aus dem Rahmen=Profilneurose! Jede Zeit hat ihre Kunst und auch ihre Auffassung dazu. Barocke Kunst war in allen Bereichen alles andere als einfach und ist trotzdem nicht durch die Bank weg von Profilneurotikern erschaffen worden. Und es gibt wahrlich einfache Kunst, wo ich mich frage, ob der Künstler noch bei Sinnen war, als er dieses Werk erschaffen hat. Kunst ist immer eingebettet in ihre Entstehungszeit, den politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten. Sie entsteht nicht im luftleeren Raum. Die antiken Griechen liebten es, nackte Körper darzustellen, eine Kunstform, die z. B. in der Kunst des Mittelalters nahezu unmöglich war, wenn sie nicht klerikalen Gegebenheiten (ein fast nackter Jesus z. B.am Kreuz) unterworfen war. Nacktheit in der Kunst wäre in dieser Zeit eine Provokation und sogar Blasphemie gewesen, nur mal so am Rande. Heute gehört Nackheit schon wieder zu gängigen Stilmitteln.

    Und noch ein Mal: Homosexualität, selbst wenn die Darstellung zum Selbstzweck dient, hat sie nichts mit Werteverfall zu tun, es sei denn man setzt gesellschaftliche Werte mit christlichen Werten gleich. Die Grenzen sind manchmal fließend, dennoch leben wir im 21. Jahrhundert und sollten die 50er Jahre, in denen Frauen noch ihre Ehemänner um Erlaubnis bitten mussten, wenn sie eine Ausbildung machen wollten, hinter uns liegen lassen. Homosexualität ist auch längst nicht mehr strafbar und ist aus dem Katalog der Geisteskrankheiten gestrichen. Worin besteht dann also der Werteverfall? Schon bei der bloßen Darstellung von Homosexualität? Dann müsste man konsequenter weise jede Darstellung von Sexualität als Werteverfall bezeichnen!!!
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#46 FloAnonym
  • 15.04.2008, 16:02h
  • Es wird immer einzelne Leute geben, die Schwule mit Junkies und Verbrechern gleichstellen, genauso, wie es immer Leute geben wird, die das Gleiche über Farbige, Juden, etc. behaupten. Das sagt mehr über einzelne Wirrköpfe aus, als über die betroffenen Gruppen.

    Was mich viel nachdenklicher stimmt:
    werden solche Aussagen über Farbige, Juden, etc. getroffen, so geht ein Schrei der Entrüstung durch Politik, Kultur und Gesellschaft und solche Leute stehen in der rechten Ecke, wo sie auch hingehören. Zu Recht!!

    Aber werden die gleichen Aussagen über Schwule und Lesben gemacht, bleibt ein Aufschrei aus. Das sagt sehr viel über die Situation von Schwulen und Lesben in diesem Land aus... Und das macht mich viel nachdenklicher als irgendwelches wirres Gefasel von alten Männern, die auch noch mal in den Schlagzeilen sein wollen.
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#47 SchorschAnonym
  • 15.04.2008, 18:07h
  • @ Luke:

    Kein Grund zur Entschuldigung! Ich bitte sogar um Widerspruch - sonst wäre es ja auch ziemlich fad hier.

    Ich fürchte, Du hast in einem Punkt nicht richtig gelesen, bzw. verstanden, was ich meinte. Ich habe nicht gesagt: "wirkliche Kunst ist einfach", sondern "wirkliche Kunst IST einfach". Soll heißen, das Kunstwerk existiert einfach. Es ist so geworden, wie es werden musste, wie es der Künstler schaffen musste. Ohne Sinn, Zweck, Aussage, Moral, Botschaft, Provokation, Plan oder Ziel. Einfach eine Entäußerung des künstlerischen Genies. Alles andere ist Kunsthandwerk.

    Dein Satz "Und es gibt wahrlich einfache Kunst, wo ich mich frage, ob der Künstler noch bei Sinnen war, als er dieses Werk erschaffen hat." lässt mich befürchten, dass es bei Dir mit der Offenheit für die Kunst der letzten paar Jahrzehnte (Richard Serra? Jeff Koons? Matthew Barney?) nicht so weit her sein könnte. (Obwohl die letzten zwei ja nicht wirklich einfach sind.) Aber die Frage, ob der Künstler "bei Sinnen war", als er das Werk erschaffen hat, hat ja nun rein gar nichts mit der künstlerischen Qualität des Werks zu tun. Eher im Gegenteil: Je mehr er bei Sinnen war, je berechnender und planvoller er vorgegangen ist, um so weiter dürfte es sich von einem Kunstwerk entfernen.

    Der Rest Deines ersten Absatzes geht im Wesentlichen an der Sache vorbei, dazu nur kurz: Dein Beispiel mit der Nacktheit in Antike und Mittelalter widerspricht ja nicht dem, was ich sagte. Im Gegenteil: Wenn jemand im Mittelalter Nacktheit benutzt hätte um zu provozieren, dann wäre eben das nicht Kunst gewesen, sondern - je nachdem - Kunsthandwerk, Pornographie, Geldmacherei oder Profilierung.

    Und:
    Werteverfall beginnt dann, wenn das Bekenntnis zum Tabubruch (Homosexualität, Drogenkonsum) allein schon als bewundernswerter Mut beklatscht wird und ausreicht, um einem Künstler Erfolg und Aufmerksamkeit zu sichern. ("Okay, er kann weder singen noch tanzen, aber, hey, er ist so mutig offen schwul!") Zwangsläufig kommt so eine Entwicklung irgendwann an ihr Ende - allein schon, weil es langweilig wird. Wenn jemand sich auf eine Bühne stellt mit der Ansage "Ich bin schwul!", dann sollte die richtige Reaktion, die auch wir uns wünschen sollten, eigentlich sein: "Ja und?"
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#48 LukeAnonym
  • 15.04.2008, 21:07h
  • @ Schorsch
    "Dein Satz "Und es gibt wahrlich einfache Kunst, wo ich mich frage, ob der Künstler noch bei Sinnen war, als er dieses Werk erschaffen hat." lässt mich befürchten, dass es bei Dir mit der Offenheit für die Kunst der letzten paar Jahrzehnte (Richard Serra? Jeff Koons? Matthew Barney?) nicht so weit her sein könnte. (Obwohl die letzten zwei ja nicht wirklich einfach sind.) Aber die Frage, ob der Künstler "bei Sinnen war", als er das Werk erschaffen hat, hat ja nun rein gar nichts mit der künstlerischen Qualität des Werks zu tun. Eher im Gegenteil: Je mehr er bei Sinnen war, je berechnender und planvoller er vorgegangen ist, um so weiter dürfte es sich von einem Kunstwerk entfernen."

    Achtung, Unterstellung! Hierbei geht es um Geschmack und über den kann man bekanntlich nicht streiten. Ich habe ja nicht gesagt, welchen Künstler bzw. welche Kunst ich meinte und das ist auch meine Privatsache. Ohne dir zu nahe treten zu wollen, aber Kunst, deren Sinn und die Schönheit (oder das Gegenteil) liegt wohl im Auge des Betrachters.

    "Wenn jemand im Mittelalter Nacktheit benutzt hätte um zu provozieren, dann wäre eben das nicht Kunst gewesen, sondern - je nachdem - Kunsthandwerk, Pornographie, Geldmacherei oder Profilierung."

    Auch hier bist du nicht ganz im Bilde. Wenn jemand, ob im Mittelalter, in der Renaissance bis ins 20. Jahrhundert, sich gegen geltende Konventionen in seiner Kunst frei auszudrücken versuchte, hatte das nichts mit Profilierung oder Geldmacherei zu tun. Ein Künstler, der gegen geltendes Recht verstoßen hatte, musste mit zum Teil drakonischen Strafen rechnen, bis hin zur Todesstrafe. Schon der Besitz war strafbar. Wir kennen noch den furchtbaren Begriff der ENTARTUNG und wissen, was mit Künstlern passiert ist, deren Werke unter diesen Begriff fielen.

    "Werteverfall beginnt dann, wenn das Bekenntnis zum Tabubruch (Homosexualität, Drogenkonsum) allein schon als bewundernswerter Mut beklatscht wird und ausreicht, um einem Künstler Erfolg und Aufmerksamkeit zu sichern. ("Okay, er kann weder singen noch tanzen, aber, hey, er ist so mutig offen schwul!") Zwangsläufig kommt so eine Entwicklung irgendwann an ihr Ende - allein schon, weil es langweilig wird. Wenn jemand sich auf eine Bühne stellt mit der Ansage "Ich bin schwul!", dann sollte die richtige Reaktion, die auch wir uns wünschen sollten, eigentlich sein: "Ja und?""

    Da gebe ich dir unumwunden Recht. Aber das ist noch Wunsch denken, leider. Heute wird doch nicht nach Inhalten gefragt, sondern wie kann man jemanden besonders gewinnträchtig vermarkten kann. Die Menschen sind Voyeuristen. Jeder will sehen, was unter der Bettdecke des anderen los ist. Wie sonst erklärt man sich Typen wie Paris Hilton, Pete Doherty, Lindsay Lohan usw.? Hier werden Tabubrüche instrumentalisiert. Pete mit der Crackpfeife im Mund, Lindsay vor der Entzugklinik mit einem Outing für die herumstehende Reportermeute auf den Lippen und jeder reißt sich darum. Trotzdem bin ich dagegen, dass ein ehemaliger Intendant eines öffentlich rechtlichen Senders verschiedene Gruppen mal eben so über einen Kamm schert, nur weil ihm die Entwicklung, an der er nicht ganz unbeteiligt ist, nicht gefällt.
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#49 SchorschAnonym
  • 15.04.2008, 23:37h
  • @ Luke:
    a) Nicht Unterstellung, sondern Befürchtung.
    b) "Kunst und deren Sinn" ist durchaus keine Frage, die jeder nach Belieben individuell für sich entscheiden kann.
    c) Die Frage, ob ein Kunstwerk gut oder schlecht ist, ist keine Geschmacksfrage. Lediglich die Frage, ob es MIR gefällt, ist eine Frage MEINES Geschmacks, die aber ziemlich irrelevant ist.
    d) Schönheit liegt im Auge des Betrachters, richtig, hat aber nichts mit der künstlerischen Qualität eines Werks zu tun. "Schön sein" ist garantiert keine Aufgabe von Kunst.
    e) Du sprichst über Künstler, die sich "gegen geltende Konventionen frei auszudrücken versuchen". Ich dagegen von solchen, die aus Selbstzweck gegen die Konventionen verstoßen, allein zur Provokation. Insofern haben wir aneinander vorbeigeredet oder, um es positiv auszudrücken, einander gar nicht widersprochen. Ist das nicht schön? :-)
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#50 RalfAnonym
  • 16.04.2008, 08:23h
  • Wer unbescholtene schwule Bürger und lesbische Bürgerinnen mit Drogensüchtigen und Straftätern gleichsetzt, vertritt nicht Werte, sondern Unwerte und ist charakterlich nicht für die Leitung eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders geeignet. Schade, dass dieser Mann seine rechtspopulistische Gesinnung nicht enthüllt hat, als er noch in Amt und Würden war.
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