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  • 14. April 2008 27 3 Min.

Die "Pfundskerle" fühlen sich von der Ludwigshafener Atlantis-Sauna diskriminiert. Was steckt dahinter?

Von Anne Richter

Irgendwie steht es nicht zum Besten mit dem Verhältnis zwischen den Pfundskerlen und der Atlantis-Sauna. 2004 hatte es das erste Mal Ärger zwischen der Vereinigung von dicken Schwulen, ihren Freunden und Bewunderern aus dem Mannheimer Raum und dem Management der Sauna gegeben. Sie fühlten sich ausgeschlossen, weil mitgeteilt worden sei, "dass dicke Schwule in der Sauna unerwünscht sind", berichtet Frank Lohöfer, Leiter des Orga-Teams der Pfundskerle. Jetzt gibt es wieder Stress.

Der Ärger von damals ist längst Geschichte, denn inzwischen hat das Management gewechselt und man fand schnell wieder zueinander. Seitdem trafen sich die Pfundskerle einmal im Monat an einem Freitag. Ein Termin, mit dem wegen der oft langen Anfahrtswege einige unzufrieden waren. Die Sauna bestand aber darauf, dass Gruppentermine am Wochenende nicht möglich sind. Trotzdem wurde den Mannheimer Bären ein Termin am zweiten Sonntag im Monat zugebilligt. Unter diesen Voraussetzungen beschlossen die Pfundskerle, auch auf einen Sonntag zu wechseln. "Die Antwort der Sauna war, dass man dies nur ‚äußerst ungern’ sehen würde. Echte Gründe wurden uns aber nicht genannt, eine direkte Ablehnung gab es auch nicht", so Lohöfer.

Wollten andere Sauna-Gäste keine Dicken sehen?

Im Januar und Februar 2008 traf sich der Verein dann am letzten Sonntag des Monats in der Atlantis-Sauna. "Das Management hat daraufhin mitgeteilt, es sei nicht erwünscht, dass die Pfundskerle sonntags kommen", ärgert sich Lohöfer. Es war von "‚Unzufriedenheit über die Resonanz bei der restlichen Kundschaft’ sowie das Auftreten von ‚Irritationen’ bei dieser" die Rede. Die Pfundskerle zogen daraus den Schluss, "dass man die Dicken in der Sauna nicht mehr sehen mag bzw. sonntags nicht sehen möchte.", und fühlen sich nun wegen ihres Dickseins diskriminiert.

Für die Betreiber der Atlantis-Sauna stellt sich das Geschehen indes komplett anders dar. Ralf Wellstein-Knopf, Lebenspartner von Geschäftsführer Thomas Knopf, betont, dass von Diskriminierung gegenüber den Pfundskerlen keine Rede sein könne. "Wir haben keine festen Clubtreffen außer von den Bären und den Pfundskerlen. Beide Gruppen haben von uns vergünstigten Eintritt an den jeweiligen Tagen bekommen." Der Freitag, an dem sich die Pfundskerle getroffen haben, sei einer der umsatzstärksten Tage für die Sauna. "Wir haben nicht versucht, die Dicken in die Ecke zu drängen. Alles war wunderbar, bis Lohöfer die Treffen auf einen Sonntag verlegen wollte", so Wellstein-Knopf. "Wir möchten uns den Sonntag aber freihalten, das ist unser Werbetag, wo auch viele Kunden von weiter her anreisen. An diesem Tag wollen wir keine gesonderten Gruppen." Ausnahme seien die Bären am zweiten Sonntag im Monat, "weil diese mit 60 oder mehr Gästen so viele sind, dass es sich geschäftlich lohnt." Die Pfundskerle seien im Vergleich dazu eine zu kleine Gruppe.

Wellstein-Knopf zeigt sich aber trotz des Konflikts weiter offen: "Die Pfundskerle haben super zu uns gepasst. Wir haben in unserer Sauna ein eher älteres Stammpublikum. Und ich persönlich laufe da jeden Tag unter Nackten herum, ich achte gar nicht mehr darauf, ob jemand dick oder dünn, alt oder jung ist." Er verschweigt nicht, dass es auch Gäste gibt, die sich an den Dicken gestört haben. "Dann habe ich aber darauf verwiesen, dass der Freitagstermin fest ist und dass, wer die nicht sehen mag, doch an einem anderen Tag kommen soll", verteidigt er sich und fasst zusammen: "Der Geschmack ist frei!" An die Pfundskerle richtet er das Angebot, sie könnten am Sonntagstermin der Bären kommen oder den Freitag als Clubtag behalten, jeweils mit vergünstigtem Eintritt wie bisher. "Ich freue mich, wenn die Pfundskerle kommen", so Wellstein-Knopf, "aber es ist schade, dass sie sich so auf ihr Dicksein berufen und hinter einer rein geschäftlichen Entscheidung Diskriminierung wittern."

14.04.2008

-w-

#1 BjörnAnonym
  • 14.04.2008, 17:08h
  • Vom konkreten Fall abgesehen: Ich kann mir ganz grundsätzlich nicht vorstellen, daß unter Schwule irgend jemand von urgend jemandem seines Aussehens wegen diskriminiert wird. Schwule halten zusammen! Schwule interessieren sich für den Menschen, nicht nur für seine rasch vergängliche Hülle! Schwule sind bessere Menschen!

    LOL
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#2 MarekAnonym
  • 14.04.2008, 17:18h
  • Wenn diskriminierte Minderheiten anfangen unter sich auch zu diskriminieren (noch dazu wegen Oberflächlichkeiten und rein subjektiven Gründen), dann haben wir es wohl nicht besser verdient als ganz unten in der Gesellschaft zu stehen...

    Ich finde auch nicht jeden Mann gleich attraktiv, aber erstens ist das wirklich pure Geschmackssache und zweitens kann ich doch nicht Leuten den Aufenthalt an Orten verbieten, nur weil ich sie nicht hübsch finde.

    Das ist nicht nur dumm sondern grenzt an Nazi-Ideologie, wo Leute nicht in Schwimmbäder, Kinos, etc. durften, weil sie "undeutsch" aussahen. Ganz ehrlich: wer sich so verhält, sollte ruhig selbst auch diskriminiert werden...
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#3 kokAnonym
  • 14.04.2008, 17:44h
  • Tja, so ist es doch leider: Immer schön nach Akzeptanz brüllen und dann selbst diskriminieren. Und den Spruch "ich darf das, weil ich das selbst ja auch ertragen muss" höre ich mittlerweile nur noch, wenn man mal ein wenig zurechtweisend daherkommt.
    Der Prototyp eines solchen Schwulen ist wohl mein Chef: "Baah, haste den gesehen, ist ja ekelhaft, mit so jemanden wollte ich nicht befreundet sein." Die belästerte Person war wenig korpulenter als er selbst. Und was posaunt mein Chef wohl immer in die Weltgeschichte, wenn er sich mal wieder was geleistet hat: "Leben und leben lassen!"
    Früher waren die Schwulen wohl Meister des Doppellebens - heute sind sie in Sachen Doppelmoral meisterhaft ...
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