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- 01. Mai 2008 2 Min.
Das Memminger Jugendamt wollte eine Ausstellung mit 400 Fotos von Wilhelm von Gloeden verbieten lassen.
Von Hermann J. Huber
Der mecklenburgische Baron Wilhelm von Gloeden (1856-1931) gilt als Pionier der Aktfotografie. Fast 50 Jahre lang lebte der homosexuelle Bohemian in Taormina auf Sizilien, wo er gleichgesinnte Freunde wie Oscar Wilde, Kronprinz August oder Friedrich Alfred Krupp als Gäste beherbergte - und sich auch seine Knabenmodelle suchte. Diese Aktbilder, einst von den Faschisten in Italien und Deutschland konfisziert und teilweise zerstört, sorgen auch 2008 noch für Aufruhr.
Das Memminger Jugendamt wollte jüngst die Ausstellung in der örtlichen Kunsthalle verhindern und hat dem Kulturamt einen "sorglosen Umgang" mit dem Thema Knabenliebe vorgeworfen. Es sei höchst bemerkenswert, einem Künstler Raum zu geben, der nicht viel anderes getan habe "als es heutzutage Pädophile oder Päderasten in Thailand und Kambodscha tun", heißt es in dem Protestschreiben.
In den letzten Wochen kam es zu einer Leserbriefflut in der örtlichen Zeitung und es hagelte Anzeigen von Bürgern wegen "Propaganda für Pädophilie", bis sogar die Kriminalpolizei in der Kunsthalle auftauchte. Die Ausstellung wurde zwar nicht geschlossen. Aber die beiden nackten Knaben auf dem Plakat am Eingang der Kunsthalle wurden durch zwei weiße Flächen ersetzt.
Aufruhr im Allgäu
"Es rumort gewaltig in der Provinz", räumt Kunsthallen-Chef Prof. Joseph Kiermeier-Debré ein. "Dass das so ein delikate Ware ist, hätte ich nicht gedacht."
Die "Ware" besteht aus über 400 Fotografien, unter anderem auch aus dem Nachlass von Andy Warhol, der von Gloedens Knabenbilder mehrmals in seinen eigenen Werken zitiert und bearbeitet hat. Im Katalog finden sich sogar 800 Bilder aus den Tausenden von Aktfotografien, die der deutsche Baron von pubertierenden Bauern-, Schäfer,- oder Fischerjungen gemacht hat. Er ließ sie auf Leopardenfellen oder vor antiken Säulen posieren und stilisierte sie zu griechischen Schönheitsidealen.
Eine interessante Randnotiz: Anders als in Mailand, wo die katholische Kirche zusammen mit der konservativen Bürgermeisterin vehement gegen die Ausstellung "Kunst und Homosexualität" mit zahlreichen Bildern von Gloedens aufbegehrte und bereits gedruckte Ausstellungskataloge eingestampft werden mussten, rührte sich in Memmingen bislang kein Protest der Kirche.
Der bischöfliche Dekan Siegbert G. Schindele meinte zum Eklat um die nackten Knabenbilder lapidar: "Ich würde mir das nicht anschauen, aber der Künstler darf das machen."
Zu sehen ist die Ausstellung noch bis Ende Oktober 2008.
Wilhelm von Gloeden: "... auch ich in Arkadien", MEWO-Kunsthalle Memmingen, Bahnhofstraße 1, Dienstag bis Sonntag 11-17 Uhr
Links zum Thema:
» Homepage der Kunsthalle
» Wilhelm von Gloeden Posterbook bei Amazon
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quasi mit allgäuer zaunlatten..immerhin latte.......