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- 27. Mai 2008 3 Min.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat küssende Männer auf Einladungen verboten.
Von Dennis Klein
Das Homo-Mahnmal ist zwar am Dienstag vor hunderten Gästen und Journalisten feierlich eingeweiht worden. Der ewige Streit um das Kunstwerk hält aber an. So berichtet der Künstler Michael Elmgreen in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau", dass der verantwortliche Kulturstaatsminister Neumann bei den Einladungen zu der Ausstellung offenbar aus Homophobie keine küssenden Männer zeigen wollte.
"Wir wollten auf der Einladungskarte gern ein Standfoto aus dem Videoclip der küssenden Männer zeigen, der innerhalb der Denkmal-Stele zu sehen sein wird", erklärte Elmgreen. "Aber zwei küssende Männer – das war zu viel für den Kulturstaatsminister. Einerseits beweist uns das, dass das Konzept des Mahnmals funktioniert. Andererseits ist die Verbannung dieses Bildes symptomatisch für den halbherzigen Umgang vieler Offizieller mit dem Homomahnmal."
Kritik an Rede von CDU-Minister
Unter den Nazis sei man für so einen Kuss ins KZ gekommen und heute akzeptierten zwar viele Leute Homosexuelle, aber sie wollten sie nicht sehen, so Elmgreens Kritik an dem CDU-Politiker. Der Künstler bemängelte auch, dass Neumann bei der Eröffnung des Kunstwerkes spricht, obwohl "die Christdemokraten immer wieder gegen die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben votiert" hätten. "Und sie haben 2003 im Bundestag auch gegen dieses Mahnmal, ein rot-grünes Projekt, gestimmt."
Gegenüber der Zeitung "Die Welt" begründete ein Sprecher des Kulturstaatsministeriums das Kuss-Verbot damit, dass die Geschlechterparität nicht gewahrt sei. Da es noch keinen Film über küssende Frauen gebe, könnte dieses Bild nicht auf den Einladungen erscheinen.
Elmgreen hatte zusammen mit seinem Partner Ingar Dragset Anfang 2006 den Wettbewerb um das Homo-Mahnmal gewonnen (queer.de berichtete). Das Denkmal soll an die von den Nationalsozialisten ermordeten Homosexuellen erinnern und befindet sich in der Nähe von Peter Eisenmans Holocaust-Denkmal. Es ist auch auf Stelen aufgebaut, die schräg emporragen und zusammenstehen wie in einer Art Haus. Durch ein schräg eingeschnittenes Loch kann man dort hineinblicken und sieht ein projiziertes Schwarzweiß-Filmbild einer Kuss-Szene zwischen zwei Männern.
Wenige Monate nach der Auswahl des Elmgreen-Dragset-Entwurfs ist ein erbitterter Streit ausgebrochen. So haben Lesben- und Frauenverbände mokiert, dass die Kussszene zwischen Männern das Leid von weiblichen Homosexuellen ausblende. Die Zeitschrift "Emma" startete deshalb eine Kampagne gegen das Mahnmal. Zuletzt einigte man sich darauf, alle zwei Jahre das Bild auszuwechseln (queer.de berichtete). Verschiedene Künstler könnten ihre Interpretation eines gleichgeschlechtlichen Kusses präsentieren, so die von Elmgreen und Dragset entwickelte Kompromissformel.
Mahnmal zeugt von "Lernfähigkeit unserer Gesellschaft"
Trotz des Streits sehen Homo-Aktivisten das Denkmal als wichtigen Schritt in der Aufarbeitung des NS-Unrechts an Schwulen und Lesben. Es zeuge von "der Lernfähigkeit unserer Gesellschaft und unseres Staates", erklärte Volker Beck, menschenrechtspolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion. Ich wünsche mir, dass das Denkmal auch ein Stein des Anstoßes für ausländische Staatsgäste sein wird." Weil in über 80 Ländern Homosexualität nach wie vor verboten sei, wäre es begrüßenswert, "das Denkmal zum festen Bestandteil des Besuchsprogrammes von ausländischen Delegationen" zu machen.
Die Nationalsozialisten haben zehntausende Menschen wegen deren Homosexualität in Konzentrationslagern ermordet. Der vom NS-Regime verschärfte Schwulenparagraf 175 war in dieser Form noch bis Ende der 60er Jahre gültig. Erst 1994 wurde er vollständig abgeschafft. Das Denkmal soll laut Beschluss des Bundestages von 2003 die verfolgten und ermordeten Opfer ehren, die Erinnerung an das Unrecht wachhalten sowie ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben setzen.













Aber da hat der Künstler recht, wenn er sagt, dass damit das Denkmal seinen Zweck erfüllt. Gut dass es endlich da ist.