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- 06. Juni 2008 4 Min.
Die schöne neue Reisewelt ist bunter denn je – was ist aber besser: Eine individuelle Buchung im Internet oder ein Besuch beim (schwulen) Fachmann? Ein Vergleich von Dennis Klein.
Pro Online-Buchung: Dem Internet gehört die Zukunft
Es gab Zeiten, da ging man brav ins Reisebüro, buchte das, was der freundliche ältere Geschäftsführer empfahl und war glücklich. Heute ist Reisen komplizierter geworden: Immer mehr Menschen buchen sich den Urlaub gleich im Netz. In den USA hat im vergangenen Jahr das Internet Reisebüro-Buchungen bereits überholt: 54 Prozent aller Reisen haben die Kunden direkt im World Wide Web bestellt. Und auch im Lande des Reiseweltmeisters ist dieser Trend deutlich erkennbar. Macht das Internet die Reisebüros obsolet?
Es scheint nur Vorteile zu geben: Bei der Buchung von Flugreisen oder Hotels wird der Zwischenhändler ausgeschaltet. Damit, so argumentieren die Nutzer, werden die Leistungen billiger. Auch ganze Pauschalurlaube gibt es so direkt auf Mausklick: Bezeichnenderweise haben sich gerade die Discount-Ketten wie Aldi oder Lidl große Reiseportale aufgebaut, auf denen man für ein paar hundert Euro Pauschalreisen mit allen Extras buchen kann.
Aber auch mehr und mehr Urlauber stellen sich ihr Paket selbst zusammen: Da wird eine Reise nach Bangkok bei Tchibo gebucht, Flüge von Thailand nach Vietnam auf der Website eines asiatischen Billigfliegers und die Hotels direkt auf einem englischsprachigen Portal. Natürlich muss erst auf einer anderen Seite gecheckt werden, wie zufrieden Besucher des Hotels waren. Dazu kommt gleich noch der zweitägige Kochkurs auf der Seite einer Kochschule – hier kann man sich noch ausschnittsweise Videos von vergangenen Unterrichtseinheiten ansehen. Die Rechnungen werden in Euro, Rubel oder thailändischen Bath mit der Kreditkarte beglichen.
Während ein Reisebüro stets nur über einen Bruchteil des weltweiten Angebots Bescheid weiß, gibt es im Internet keine Grenzen. Wer kleinen Klitschen nicht vertraut, hat zudem eine hohe Auswahl an seriösen Unternehmen, die sich schon allein wegen ihrer Größe keine Fehler leisten können. Denn wenn ein Weltkonzern wie der Autovermieter Hertz oder die Fährschiffreederei Stena Line ihre Internet-Benutzer abzocken, bloggen die Geschädigten gleich über ihre Erlebnisse. In der virtuellen Welt verbreitet sich das dann wie ein Lauffeuer – und der Umsatz bricht in der realen Welt ein, während sich die Benutzer die Perlen heraussuchen können.
Pro-Reisebüro: Gute Beratung hat nicht ausgedient
Zwar ist Internetbuchen gerade en vogue – die Reisebüros argumentieren, dass nur sie Komfort und die Sicherheit für die schönsten Tage des Jahres bieten können.
Verunsichert kommt eine junge Frau mit einem Plastikbeutelchen ins Hamburger Reisebüro am Hellkamp. "Hab ich da alles drin, was ich für meine Reise brauch?" fragt sie Geschäftsführer Günther Neumann. "Wo haben Sie’s denn gebucht?", will Neumann wissen. "Im Internet!", so die Antwort. Neumann denkt sich nur: "Warum fragen Sie dann nicht das Internet?".
Das zeige, dass die alt eingesessene Anlaufstelle für Touristen nie durch das Internet ersetzt werden kann. "Nur ein Reisebüro kann durch seine Erfahrung und Systematik das passende Angebot aus einem zwei Meter hohen Katalogturm rausfinden", sagt Neumann. Und erläutert, dass das Haupt-Todschlagargument ("das Internet ist immer billiger") nicht stimme: Denn Flugpreise seien im Internet nicht automatisch günstiger und das Reisebüro hat mehr Möglichkeiten, den Preis zu drücken. So könne es bei mehreren Veranstaltern nachschlagen oder von Direktverträgen profitieren. Transfers könnten einfach und ohne großen Aufwand dazugebucht werden – und zwar ohne die stundenlange Suche im Netz.
Besonders krass ist der Unterschied, wenn mal etwas schief geht: So ist eine Stornierung der Reise bei den verschiedenen Internet-Anbietern unmöglich, während das Reisebüro flexibel reagieren kann. Bei jedem Problem gibt es bei den Experten vor Ort einen Ansprechpartner, der über die augenblickliche Lage Bescheid weiß. Das könne Probleme schneller lösen als ein Callcenter in China, ist sich Neumann sicher. Außerdem gelte hier immer deutsches Recht – während im Internet oft ausländische Klauseln zum Tragen kämen, die nicht unbedingt kundenorientiert sind – und die kein Mensch kennt.
Gerade ein schwules Reisebüro biete seinen Kunden zudem eine Leistung, die es im Internet nicht gibt. Wer in einem unbekannten Land die schwule Szene entdecken will, kann mit einer Buchung im Discounter schnell auf die Nase fallen: "Der Mensch mit seinen vielfältigen Wünschen und Vorstellungen auch teils sehr privater Natur steht im Mittelpunkt der Beratung", erläutert Neumann. Außerdem sei es auch ein Zeichen der Solidarität, einen kleinen schwulen Betrieb zu unterstützen.
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