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Einzelkommentar zu:
Norwegen öffnet Ehe


#6 SaschaEhemaliges Profil
  • 12.06.2008, 14:07h
  • Selbstverständlich ist diese Entscheidung erfreulich, denn die gesetzliche Gleichstellung ALLER Menschen ist die Grundvoraussetzung für eine freiheitlich-demokratische, egalitäre Gesellschaft.

    Andererseits sollte sich niemand hier einbilden, dass das Recht auf Eheschließung (oder deren wiederum diskriminierende "Subformen") irgendeinen nennenswerten, positiven Einfluss auf die konkrete Lebenswirklichkeit gerade junger Menschen hat, wenn es um die Frage nach sexueller Freiheit, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung geht.

    Nach wie vor leben wir in einer aggressiv heteronormativen Gesellschaft, die junge Menschen und vor allem Männer vom ersten Atemzug an einer massiven Hetero-Gehirnwäsche unterzieht und sexuelle Vielfalt aus Erziehung und Bildung sowie aus den (überwiegend kommerziellen) Massenmedien weitgehend ausgrenzt.

    Wenn im Jahr 2006 weniger männliche Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren die Freiheit fühlten, sich sexuell mit dem gleichen Geschlecht auszuprobieren als 15, 20 oder 30 Jahre zuvor, dann sollten bei uns eher die Alarmglocken läuten, als dass wir die Gnadenhäppchen formaljuristischer "Gleichberechtigung" (und in den meisten EU-Ländern sind wir sogar davon sehr weit entfernt) als vermeintliche Indikatoren gesellschaftlichen Fortschritts bejubeln. Eher sollen damit in den meisten Fällen der Status quo einer durch und durch heteronormativen Gesellschaft verteidigt, die "Community" weitgehend ruhig gestellt und grundsätzliche Veränderungen, die letztlich nur über Bildung, Erziehung, Aufklärung und breite Gleichbehandlungspolitiken zu erreichen sind, blockiert werden.

    Homo-Feindlichkeit und -Hass sind nicht nur dort, wo offen Gewalt gegen Homosexuelle gepredigt wird, sondern auch und mindestens ebenso wirkungsvoll da, wo eine bestimmte sexuelle Identität, nämlich die heterosexuelle, a priori zur "Norm" und Heterosexuelle zur "natürlichen" Mehrheit erklärt, andere Identitäten und die betreffenden Menschen hingegen zur "Abweichung" bzw. "Minderheit" gemacht werden.

    Es sind diese Denkmuster, die viele von uns in ihrem Selbstverständnis leider völlig unreflektiert übernommen haben, die es zu überwinden und insbesondere im Erziehungs- und Bildungswesen sowie in den Medien aktiv zu bekämpfen gilt.

    Denn es ist die Freiheit junger Menschen, sich so weit wie möglich ohne Ängste und Zwänge oder normative Indoktrination von außen sexuell entdecken und ausleben zu können, die über die Frage der Gleichberechtigung unterschiedlicher sexueller Identitäten in dieser Gesellschaft in allererster Linie entscheiden wird.
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