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  • 27. Juni 2008 37 3 Min.

Der 30. CSD weist vor allem auf die größer werdende Intoleranz gegen Schwule hin – Hunderttausende werden am Wochenende unter dem Motto "Hass du was dagegen" demonstrieren.

Von Dennis Klein

1979 liefen gerade mal 400 Aktivisten beim ersten (West-)Berliner CSD über den Kurfürstendamm, damals noch angefeindet von einer teilweise verständnislosen Bevölkerung. Der Paragraf 175 existierte noch, Wörter wie Eingetragene Lebenspartnerschaft oder Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz hatten dagegen noch nicht das Licht Welt erblickt. Heute wird der CSD weniger als Demonstration und mehr als privatwirtschaftlich finanziertes Volksfest wahrgenommen, das dem schwulen Bürgermeister Geld in die Stadtkassen spült. Bierkonsum und sexuelle Aktivitäten verzeichnen enorme Zuwachsraten, wenn am diesem Samstag unter lauten Karacho die CSD-Parade die Stadt unsicher macht. Selbst einstige Homo-Skeptiker wie die Springer-Presse feiern mit: In B.Z. und "Bild" gibt es ein insgesamt 16-seitiges CSD-Special.

Darum wollen die Organisatoren auch auf den ursprünglichen Zweck der Veranstaltung hinweisen: den Protest gegen Diskriminierung. Und hier hat sich nicht alles zum Besseren gewandelt, auch wenn böse Zungen sagen, dass es sich im Vergleich zu 1979 um "Luxusprobleme" handelt.

Mit dem Motto "Hass du was dagegen" weisen die Veranstalter auf das Thema homophobe Gewalt hin, das bislang noch keine entscheidende Rolle spielt. Dabei ist gerade in der Hauptstadt ein Unsicherheitsgefühl unter Schwulen vorhanden, fand erst kürzlich das Anti-Gewalt-Projekt Maneo heraus. In einer Online-Umfrage, an der 17.500 schwule Männer teilnahmen, erklärten 61 Prozent, dass sie kein Vertrauen in die Polizei bei schwulenfeindlicher Gewalt hätten. 38 Prozent wussten von einem konkreten Vorfall zu berichten, in denen die Behörden ihr Anliegen nicht ernst nahmen. Aufgrund der zunehmenden Unzufriedenheit gegenüber anhaltenden Erfahrungen mit Beleidigungen, Pöbeleien und Bedrohungen tendieren viele dazu, Selbstbewaffnung in Betracht zu ziehen, erklärte Maneo. "Wir haben in der letzten Zeit eine steigende Zahl von Anfragen in dieser Richtung erhalten. Diese Entwicklung betrachten wir mit Sorge", erklärte das Anti-Gewalt-Projekt in einer Stellungnahme.

Daher sei es entscheidend, dass die Polizei mehr für die Belange von Schwulen tue. Ein wichtiges Signal sei gewesen, dass am Polizeipräsidium anlässlich des CSD die Regenbogenfahne hisste. Allerdings führte auch dieser symbolische Akt schon zu Irritationen: So beschwerte sich die Polizeigewerkschaft, dass die Regenbogenfahne am Hauptsitz hängen dürfte, aber deutsche Fähnchen an Einsatzwagen, die mancher fußballbegeisterte Beamte anlässlich der EM anbringen wollte, von der Stadt verboten wurden.

Kein Wunder, dass anlässlich dieser kleinlichen Debatte neun von zehn homophobe Vorfälle nicht angezeigt werden. Laut dem letztjährigen Maneo-Bericht hat mehr als jeder Dritte innerhalb der letzten zwölf Monate Gewalterfahrungen gemacht (queer.de berichtete).

Mit 49 Wagen und acht Fußgruppen soll am Samstag ab 12:30 Uhr bei der CSD-Parade für das Recht auf Sicherheit demonstriert werden. Der Umzug beginnt am Schlossplatz, und damit zum ersten Mal im Ostteil der Stadt. Die 6,5 Kilometer lange Marschroute führt dann zur Siegessäule, wo ab 18 Uhr die Abschlusskundgebung stattfindet. Auch wer nicht in Berlin ist – wie übrigens der terminlich verhinderte Bürgermeister Klaus Wowereit – kann bei der Parade dabei sein: Von 12:45 Uhr bis 14:45 überträgt das bundesweit empfangbare RBB-Fernsehen live.

-w-

#1 haEmet
  • 27.06.2008, 12:50hBerlin
  • Die Wochenzeitung "Jungle World" beschäftigt sich in ihrer aktuellen Ausgabe mit dem Verschweigen von antischwuler Gewalt:

    Das große Schweigen
    »Bist du schwul, oder was?« ist eine beliebte Beleidigung unter Jugendlichen nicht nur, aber auch türkischer Herkunft. Aus Angst vor Rassismusvorwürfen wird das Thema Homophobie unter türkischen Jugendlichen jedoch tabuisiert. Sogar nachdem Gäste des Drag-Festivals in Kreuzberg brutal zusammengeschlagen wurden...

    Von Ivo Bozic
    Jungle World v. 26. Juni 2008

    Link zum ganzen Artikel:

    www.hagalil.com/01/de/Antisemitismus.php?itemid=2460
  • Direktlink »
#2 stromboli
  • 27.06.2008, 13:25hberlin
  • Antwort auf #1 von haEmet
  • mein gott, schreibt doch nicht einen solchen schmaren!
    Wie du selbst noch betonst ist es nicht "NUR " ein problem der türkischen jugendlichen...
    und angesprochen wird es schon seit geraumer zeit! Frage aber : wie mit dem thema umgehen, um sich nicht der reaktionären denkweise der ausgrenzer gemein zu machen!
    Sicher, es ist ein ritt auf der messersschneide: dünn die fundierung , tief das runterfallen in polemiken! Ich sehe kein problem darin, jugendlichen die grenzen "ihrer" spassgesellschaft auf zu zeigen. Ich sehe ein problem darin, sich mischende jugendsymbolismen einer einzigsten gruppe zuschreiben zu wollen. Wir haben das ja in den threats um bullschit/buschido oder dem des dancehallfaschismus jamaikanischer sänger durchexesziert.
    Wer nicht mehr unterscheiden kann, ist eben auf dem selben neveau wie die , die meinen, ihr mütchen an uns kühlen zu können.
    zutiefst verärgert!
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#3 stromboli
  • 27.06.2008, 13:33hberlin
  • ich erinnere mal bei der gelegenheit an die übergriffe durch orthodoxe juden auf schwulendemos im gelobten land ( nein nicht usa!!)
    um die sicht auf rechtsbewusstsein etc. mal zu erweitern...
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