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- 29. Juli 2008 2 Min.
Die "Sesamstraßen"-Figuren Ernie und Bert beziehen nach Angaben des NDR in Hamburg erstmals eine gemeinsame Wohnung – ist das der erste Schritt zum Coming-out?
Von Dennis Klein
In der Kinderserie "Sesamstraße" sind Ernie und Bert in etwa das, was vor wenigen Jahren Siegfried und Roy waren. Man weiß irgendwie, dass sie ein Paar sind (oder zumindest waren), offiziell ist davon aber nicht die Rede. Jetzt heizt der NDR die Spekulationen wieder an: Der Sender lässt 39 neue Folgen des Radau-Paares produzieren – und siehe da: Die Beiden teilen sich erstmals ihre eigenen vier Wände, sogar mit eigenem Balkon.
"Wie schwul sind Ernie und Bert?", fragt daher der "Berliner Kurier" und attestiert: "Da schwebt doch das berühmte Handpuppen-Paar auf rosa Wolken". Beim NDR will man den Beiden aber noch nicht die schwule Glückseligkeit genießen lassen: "Ernie und Bert sind einfach nur gute Freunde, die zusammenwohnen wollen. So wie es in vielen Zweier-WGs von Männern auch der Fall ist", meldet der öffentlich-rechtliche Kanal.
Eine Schwulenmutti wird Ernie und Bert dennoch an die Seite gestellt: Die Nachbarin Frau Kowalski muss wohl manchmal den Beziehungsstreit von Ernie und Bert schlichten, lässt der NDR-Pressetext vermuten: Sie "betrachtet das bunte Treiben im Haus gegenüber mit wohlwollender Skepsis und sieht sich ein ums andere mal zum Eingreifen genötigt - mit unabsehbaren Folgen für alle Beteiligten ...".
Anders als der zurückhaltende Norddeutsche Rundfunk hat der Spaßsender RTL Ernie und Bert bereits ihre Fantasien ausleben lassen. In der Comedy-Sendung "RTL Freitag Nacht News" durften sich die Beiden Butt-Plugs einführen und Körpersafte austauschen. Aus Urheberrechtsgründen wurden sie leicht entstellt (ein Auge statt zwei) und erhielten neue Namen (Bernie und Ert). Aus rechtlichen Bedenken ließ RTL das Paar ab 2003 nur noch inkognito auftreten. Die Handlung wurde von der Wohnung vor den Popo-Club verlegt und die Protagonisten sprachen sich nur noch mit "Unbekannter Nummer Eins" bzw. "Zwei" an. Dafür erhielten sie Sado-Maso-Allüren, an die der NDR wohl nicht mal in den kühnsten Träumen denkt.
Die dezente öffentlich-rechtliche Zweisamkeit der echten Figuren ist ab November beim KIKA und in den dritten Programmen der ARD zu bewundern.
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