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- 30. Juli 2008 3 Min.
Gelobt sei das Internet: Gay-Portale sind ein Stelldichein der weltweit schönsten, besten und geilsten Schwulen.
Von Jürgen Friedenberg
Gelobt sei das Internet, hoch gelobt seien vor allem die Webseiten, auf denen sich Gays, also Männer wie du und ich, mehr oder minder einfallsreich, meist leider minder einfallsreich, der Szene präsentieren!
Manche Selbstdarstellung verblüfft durch schlichte Einfalt und stille Größe, etwa wenn einer bekennt: "Eigentlich weiß ich gar nicht, was ich hier schreiben soll", aber als Wunsch angibt: "Suche einen Mann, der weiß, was er will." Der Gesuchte soll offenbar dem Einfaltspinsel erst noch "zeigen, wo es lang geht." Etwa nach dem Motto: "Komm, Süßer, tu mir was, der Park ist bald zu Ende!"
Andere Selbsteinschätzungen zeugen von solch überschäumendem Selbstvertrauen, dass man sich wundern muss, warum der Wunderknabe mit der Riesenwichskraft sich im Internet profilieren muss und im wirklichen Leben, also in der Bar, in der Sauna oder in der Disco, nicht längst Anschluss gefunden hat: "Ich bin was ganz Besonderes", verspricht er und lässt den Leser raten: "Was mein Besonderes ist? Finde es heraus!" Nein, danke, diese Mühe wollen wir dann doch lieber anderen überlassen.
Wenn der folgende Vergleich auch ein bisschen respektlos klingt, er drängt sich förmlich auf: Die Wortwahl der Angebote auf schwulen Internetseiten ähnelt nämlich manchen Grabsteininschriften. Gewinnt man auf unseren Friedhöfen leicht den Eindruck, dass immer nur die Besten abberufen werden und infolgedessen immer mehr die weniger Guten, ja Bösen übrig bleiben und uns das Erdendasein mitunter zur Hölle machen, so lassen uns die virtuellen Bekanntschaftsmärkte glauben, dass sich hier die weltweit schönsten, besten, geilsten Schwulen ein Stelldichein geben. Schaut man genauer hin, erkennt man freilich, dass auch die flott formulierenden, reizvoll posierenden Herrschaften keine Übermenschen sind, sondern nur Menschen. Darauf deutet jedenfalls die häufig verwendete Floskel"Aussehen heterolike" hin. Mittelmaß ist gefragt. Nur nicht auffallen!
Auffallend ist es freilich, dass es unter den Besuchern von Gayseiten viele Analphabeten gibt! Obwohl ein gestandenes Mannsbild junge Springer ausdrücklich bittet, ihm nicht zu schreiben, da er=20 ausschließlich auf Senioren steht, kriegt er immer mal wieder Post von Teens und Twens. Andererseits soll es auch schon vorgekommen sein, dass ein Oldie einen Youngster suchte ("Taschengeld nicht ausgeschlossen"), aber bei einem "netten Rentner von nebenan" gelandet ist und dort sein Glück gefunden hat.
Hi, Alter, heute noch nicht gesurft? Dann wird es aber höchste Zeit. Der PC läuft schon. Viel Spaß und viel Erfolg!
Jürgen Friedenberg (74) war ehemals stellvertretender Chefredakteur der "Allgemeinen Zeitung" und ist Autor des Gedichtbands "Männerliebe pur" und des Journalistenromans "Nach Redaktionsschluss".
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Anal-phabetismus, Persönlichkeitsstörungen und Selbstüberschätzung kommt bei den Heten genauso oft vor wie bei uns Schwulen.
Ich lese aus diesem Kommentar eher eine gewisse Frustration heraus, nichts mehr abzukriegen. Denn ich gebe zu, dass man bei GR ab einem Alter von spätestens 50 ziemlich "raus" ist.
Aber auch bzgl. Jugendwahn und "Schönheit" sind die Heten keinen Furz beser als Homos. Das ist halt ein gesellschaftliches Phänomen, mit dem man sich arrangieren muss oder es sein lässt. Dann soll man sich aber bitte auch nicht beklagen, dass man/n durch gewisse (sexuelle) Raster fällt. That's life!