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- 19. August 2008 2 Min.
RTL II zelebriert in seiner neuen Doku-Soap "Der Bluff" eine stereotype Rap-Welt, in der Frauen allenfalls "Schlampen" und männliche Hassobjekte immer "Schwuchteln" sind.
Von Dennis Klein
"Der Bluff" ist an sich kein schlechtes Konzept, wie die Vorbild-Show "Faking It" zeigt. Sie lief bereits 2000 im britischen Sender Channel Four über den Äther. Innerhalb von vier Wochen muss ein unbedarfter Kandidat in einer Welt bestehen, die er in seiner Umwelt nie kennen gelernt hätte. So wurde auf Channel Four mal ein schwuler Student zum Türsteher in London gemacht oder aus einem Schafshirten ein Frisör. In Deutschland adaptierte bereits das WDR-Fernsehen 2003 das Format und machte in drei Folgen unter anderem eine Flötistin zur DJane – eine bahnbrechende Sendung, die zeigt, dass jeder Potenzial dazu hat, zu werden, was er will.
Dann kam RTL II. Der Sender hat das besondere Talent, gute Konzepte zu verhunzen. Die Show "Big Brother", die in anderen Ländern ein Kultformat mit liebenswerten Kandidaten ist, wurde hier zu Proletenshow mit Würgereflex. Das bahnbrechende US-Format "Queer Eye For The Straight Guy" machte der kleine Bruder des übermächtigen RTL zu einem Klischee-Sammelsurium namens "Schwul macht cool".
Zwar hat RTL II das gute Recht, schlechte Sendungen auszustrahlen. "Der Bluff" geht allerdings zu weit. In der am Montag gezeigten Sendung wird eine Welt präsentiert, in der es in Ordnung ist, alles Schlechte als "schwul" und alle hassenswerten Menschen als "Schwuchteln" zu bezeichnen. Es stellt sich die Frage, ob der gerade bei Jugendlichen beliebte Kanal propagieren darf, dass Schwule quasi keine Männer und daher Freiwild sind? Und ist es wirklich notwendig, diese Sendung jetzt auszustrahlen, da in Berlin Jugendgangs Jagd auf Schwule im Tiergarten machen oder das Homo-Mahnmal von Vandalen kaputt gemacht wird?
Die präsentierten Musik-Texte haben "Erfolg": Nach einer LSVD-Studie halten es 69 Prozent der türkischstämmigen und 48 Prozent der deutschstämmigen männlichen Schüler für "abstoßend", wenn sich zwei Männer auf der Straße küssen. Die Kids saugen den Hass quasi wie die Muttermilch auf. Ohne jeden sachlichen Grund wird eine Minderheit "gedisst" und somit – in den Augen der jugendlichen Hörer – zum Abschuss freigegeben.
Wie will RTL II das Konzept weiterführen? Will man aus einem Waldorfschüler einen NPD-Aktivisten machen? Oder aus einem Kriegsdienstverweigerer einen DDR-Mauerschützen? Immerhin scheinen sich die nächsten Folgen an dem britischen Original zu orientieren. Nächste Woche ist "Von der Burgerbraterin zur Sterneköchin" angekündigt. Mal sehen, wie RTL II diese Sendung verhunzt.
Links zum Thema:
» ‚Der Bluff’ – Seite von RTL II
Mehr zum Thema:
» Homophober Rap bei RTL II (19.08.08)















mein eigentlicher kommentar folgt später!