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- 07. September 2008 3 Min.
Die US-Chartstürmerin Katy Perry kommt amerikanischen Protestanten zufolge in die Hölle - Schuld ist ihr lesbelnder Nummer-1-Song "I Kissed A Girl". Jetzt erklärte die Pfarrerstochter aber, sie sei nicht lesbisch, sondern "nur" metrosexuell.
Von Dennis Klein
Die Provokation war erfolgreich: Mit "I Kissed A Girl" kam Katy Perry nicht nur auf Platz 1 der amerikanischen, britischen und der deutschen Charts, sondern belegte die Spitzenposition noch in 20 weiteren Ländern. In dem recht simpel gestrickten Popsong erklärt sie kess, wie sie sich ans eigene Geschlecht ranmacht – und Gefallen daran findet.
Amerikanische Moralapostel sehen nun wieder mal die Zivilisation am Abgrund. Kaum vergeht ein Tag, an dem im "Fox News Channel" nicht die Worte Sodom und Gomorrha im Zusammenhang mit der 23-jährigen ehemaligen Gospel-Sängerin fallen. Eine Kirche in Ohio ging sogar noch einen Schritt weiter und schickte sie – wie alle Homosexuellen – gleich in die Hölle. Auf der Werbetafel einer protestantischen Kirche im Örtchen Blacklick war mit Verweis auf den Song zu lesen: "Ich hab ein Mädchen geküsst und mir gefiel es – dann bin ich in die Hölle gekommen". Pfarrer Dave Allison beschrieb den Text als "Warnung an Teenager", die er aus Liebe anbringe. Schließlich stehe in der Bibel, dass gleichgeschlechtliche Aktivitäten einer Fahrkarte zu Satan und Co. gleichkämen.
Die Sängerin selbst beteuert derweil in Interviews, dass sie gar keine Lesbe sei – oder zumindest nicht so richtig: "Ich habe wirklich eine Frau geküsst - das war wundervoll! Ich bin metrosexuell", so Kalifornierin. Sie erklärt ihre Welt: "Wir leben nun mal in einer sehr metrosexuellen Welt. Eine Frau kann zum Beispiel in eine Bar gehen, dort einen Mann kennenlernen und dann entdecken, dass er eine sorgfältigere Maniküre hat als sie selbst. Vielleicht trägt er sogar etwas Grundierung und eine getönte Tagescreme! Aber gleichzeitig zahlt er mir meine Drinks!"
Gleichzeitig widerspricht sie Berichten, dass es wegen ihrer Homo-Texte zu einem Streit mit ihren Eltern gekommen sei. Immerhin ist Papa ja Pfarrer, der seine Tochter im Alter von 16 Jahren zur gottesfürchtigen Gospelsängerin machen wollte. Das ist jetzt gründlich daneben gegangen, dafür ist das Gehalt von Klein-Katy steil nach oben geschossen. "Meine Eltern freuen sich über meinen Erfolg. Wenn ich es nach ihren Vorstellungen machen würde, dann würde ich nicht über ein solches Thema singen, aber ich bin erwachsen und treffe meine eigenen Entscheidungen", so die Metrosexuelle.
Homo-Aktivisten sehen ihren Erfolg mit gemischten Gefühlen. Ihr wird vorgeworfen, sie wolle nur durch einen Skandal nach oben kommen, koste es, was es wolle. Tatsächlich war ihre erste – erfolglose – Single-Auskopplung "Ur So Gay" ebenfalls mit gleichgeschlechtlicher Thematik gespickt. Darin beschwert sich Perry bei ihrem Freund, dass er ein Weichei sei – also "gay". Textauszug des lyrisch fragwürdigen Produktes: "Ich hoffe, Du erhängst dich mit deinem H&M-Schal, während du dir einen runterholst und Mozart hörst… Du bist so schwul und du magst nicht mal Jungs… Du magst nicht mal Penis". Viele Aktivisten bemängelten, dass "schwul" hier nur als Schimpfwort verwendet werde – und das Lied daher homophob sei. Fragt sich, ob ihr das den Weg in die Hölle ersparen wird…
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