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- 12. September 2008 2 Min.
Einer italienischen Kabarettistin drohen fünf Jahre Haft, weil sie sich in einer Rede über die Homo-Feindlichkeit von Papst Benedikt XVI. lustig gemacht hat.
Sabina Guzzanti hatte im Juli in einer Demonstration gegen die Mitte-Rechts-Regierung die politische Einmischung des Papstes unter anderem beim Thema Homo-Ehe kritisiert und gesagt: "In den nächsten 20 Jahren wird der Papst da sein, wo er sein sollte: In der Hölle. Dort wird er dann von riesengroßen schwuchteligen Teufeln rangenommen – sehr aktiven Teufeln, nicht passiven!".
Jetzt hat die Staatsanwaltschaft in Rom mit Zustimmung des italienischen Justizministeriums Anklage gegen Guzzanti erhoben. Sie beruft sich dabei auf ein Gesetz aus dem Jahre 1929, nach dem es verboten ist, "die Ehre der heiligen und unverletzlichen Person" des Papstes anzutasten. Das Gesetz ist im Rahmen der zwischen Italien und dem Vatikan ausgehandelten Lateranverträge in Kraft getreten, die der Heilige Stuhl mit dem damaligen faschistischen Ministerpräsidenten Benito Mussolini beschlossen hat. Danach war es eine genauso schwerwiegende Straftat, sich über den Papst lustig zu machen wie über den italienischen Regierungschef.
Literaturnobelpreisträger Dario Fo sieht in der Anklage einen Rückfall in alte Zeiten: "Das ist einfach nur Faschismus", erklärte er. Auch der Vater der Kabarettistin, der selbst mehrere Jahre für Silvio Berlusconis Partei im Parlament saß, zeigte sich laut der Londoner Zeitung "The Times" tief erschüttert über die Anklage: "Man kann das nur eine Rückkehr ins Mittelalter nennen", so Paolo Guzzanti.
Guzzantis satirische Shows haben bereits mehrfach für Proteste gesorgt. So wurde sie 2003 von Ministerpräsident Silvio Berlusconi wegen Diffamierung angezeigt, weil sie sich in einer RAI-Sendung über ihn lustig gemacht hatte.
In Italien ist seit April diesen Jahres wieder eine Mitte-Rechts-Regierung unter Führung von Medienmogul Silvio Berlusconi im Amt (queer.de berichtete). Sie stoppte Bestrebungen der Vorgängerregierung unter Romano Prodi, Eingetragene Partnerschaften in dem katholisch geprägten Land einzuführen. (dk)
Links zum Thema:
» Offizielle Website von Sabina Guzzanti















Homosexuelles Paar in Rom mit Steinen beworfen
www.dolomiten.it/nachrichten/artikel.asp?ArtID=123964&p=4&Ka
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