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- 16. September 2008 3 Min.
Jahrelang hatte es Streit um die Nachbarschaftshilfe bei den Abstimmungen des Eurovision Song Contest gegeben: Jetzt führt die Europäische Rundfunkunion (EBU) die guten alten Jurys wieder ein, die im Finale erst vor fünf Jahren zugunsten des Televotings gänzlich abgeschafft wurden.
Von Dennis Klein
In den letzten Jahren hatten sich die alteingesessenen Eurovisions-Teilnehmer aus Westeuropa wiederholt über Gefälligkeitsvoten ihrer osteuropäischen Kollegen aufgeregt. Während die altbekannte Skandinavien-Connection oder die freundliche Punkteschieberei zwischen Griechenland und Zypern nicht so stark ins Gewicht fielen – weil es eben nur ein paar wenige Länder betraf – fiel die Ost-Connection eher auf. Immerhin stellen sie rund die Hälfte aller teilnehmenden Länder und damit rund die Hälfte der Stimmen. Und wenn sie eines im untergegangenen Kommunismus gelernt haben, dann ist das wohl gegenseitige Solidarität.
Damit wurde im letzten Jahr Serbien an die Topposition befördert – dieses Jahr siegte Russland. Sänger Dima Bilan erhielt dabei zwölf Punkte aus sieben Ländern, davon waren sechs ehemalige Satellitenstaaten der Sowjetunion (das siebte war Israel). Mehrere Länder wie das in den letzten Jahren wenig erfolgreiche Großbritannien drohen bereits, den Contest zu verlassen. Auch hierzulande gab es herbe Kritik. So forderte beispielsweise Nicole, die bislang als einzige für Deutschland den Grand Prix gewinnen konnte, den Rückzug der ARD von der Veranstaltung (queer.de berichtete).
Die EBU glaubt, dass mit Jurys nun bessere Ergebnisse zustande kommen: "Nichts ist demokratischer als eine Abstimmung der europäischen Zuschauer. Aber eine Jury hat die Möglichkeit, sich Lieder mehrfach anzuhören, bevor sie eine Entscheidung fällt", erklärte Svante Stockselius, Generalsekretär des Eurovision Song Contest für die EBU. "In Belgrad gab es Unterschiede zwischen dem Votum der Öffentlichkeit und dem der Back-up-Jurys. Wir glauben, dass eine Kombination die Show interessanter machen wird."
Noch ist unklar, wie die Anteile von Televoting und Jury verteilt werden sollen. Auch in nicht sicher, dass sich an der mutmaßlichen Vetternwirtschaft etwas ändern wird. Immerhin können die verantwortlichen nationalen Sender selbst entscheiden, wen sie in die Jury berufen wollen.
Die Regeln der Halbfinals bleiben dagegen unverändert. Hier war es 2007 zu einem Eklat gekommen, als kein einziges westeuropäisches Land die Halbfinals überlebte (queer.de berichtete). Daraufhin wurde die Aufteilung der Länder in den beiden Vorrunden so geändert, dass die Voten der Ost-Connection nicht zu stark zum Tragen kommen.
Auch 2009 wird es also wieder Halbfinals geben, bei denen die ersten neun Plätze durch das Votum der Zuschauer bestimmt werden. Parallel vergibt eine Back-up-Jury ihre Punkte. Platz zehn erhält derjenige Teilnehmer, der es im Televoting nicht unter die ersten neun geschafft hat, von der Jury jedoch auf einen vorderen Platz gewählt wurde. In Belgrad stimmten die Entscheidung von Jury und Televotern im ersten Halbfinale überein, im zweiten konnte der schwedische Schönheitschirurgie-Unfall Charlotte Perelli über die Jury ihren Platz im Finale sichern. Deutschland ist allerdings als einer der großen Beitragszahler automatisch – und unabhängig von der Qualität des eingereichten Liedes – für das Finale qualifiziert.
Einfacher als am Abstimmungsmodus herumzudoktern wäre es für den deutschen Veranstalter NDR natürlich, gute Musik zum Grand Prix zu schicken. Bei Allerweltsluschen wie den Beiträgen von den No Angels oder Gracia schlafen nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Juroren ein. Dagegen hat etwa die Türkin Sertab Erener 2003 oder die finnische Band Lordi 2006 den Eurovision-Fans etwas Neues geboten und konnte sich auch mit dem Ostblock-Vote durchsetzen. Und schlechte Musik kommt ja auch nicht unbedingt nur aus dem Osten, ganz im Gegenteil…
Links zum Thema:
» NDR: Offizielle Eurovisionsseite














aber leider auch bei starken nummern wie von texas lightning oder roger cicero hat die "ost-connection" nach staatsangehörigkeit anstatt nach der qualität des liedes geurteilt.
also ist es ziemlich wurscht was für einen titel wir in zukunft bringen würden.
das ist natürlich auf die dauer für die zuschauer , die nicht in den ländern der "ost-connection" wohnen langweilig und fade.
der contest würde in zukunft bei diesen länder unter mangelndem zuschauerinteresse leiden und somit uach deren "zahlungsmoral" in frage stellen.