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- 22. September 2008 2 Min.
Sie schrieb das Buch für den großen Kinoerfolg. Jetzt fühlt sich die Autorin "irritiert" durch die von Fans verfassten - zum Teil sehr saftigen – Fortsetzungen.
Von Carsten Weidemann
Annie Proulx ist schon länger im Autorenbusiness. Doch dass ausgerechnet ihre Kurzgeschichte aus einer Sammlung von Stories und Märchen aus Wyoming als Vorlage für einen gigantischen Kinoerfolg ausreichte, das hat wohl auch sie überrascht. Nachdem Regisseur Ang Lee den Film "Brokeback Mountain" auf die Leinwand gebracht hatte, war auch die Schriftstellerin plötzlich weltbekannt. Darunter hat sie jetzt zu leiden, wie sie in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" klagte. Denn viele Fans des Films schicken ihr selbst verfasste Fortsetzungen und angepasste Brokeback-Versionen, die mit einem "ordentlichen" Happy End versehen sind.
"Brokeback Mountain hatte wenig Einfluss auf mein Leben als Schreiberin, aber es ist eine Quelle konstanter Irritation in meinem Privatleben", gesteht sie. "Es gibt zahlreiche Leute da draußen, die denken, diese Geschichte ist nach ihren eigenen Fantasien veränderbar und dass sie korrigiert werden muss, weil sie ein in ihren Augen enttäuschendes Ende hat."
Die Fan-Fiction, die sie mit der Post erhält, sei meist schlecht geschrieben und oft pornographisch. In den meisten der neuen Brokeback-Versionen findet der Charakter Ennis einen passenden Freund, mit dem er glücklich bis an sein Lebensende zusammen bleibt. Oder der Charakter Jack ist gar nicht gestorben, oder die männlichen Kinder der beiden Cowboys treffen aufeinander, verlieben sich ineinander und heiraten. Annie Proulx schüttelt darüber den Kopf: "Sie haben die Geschichte nicht verstanden. Sie wissen nichts über Urheberrechte, dass die Figuren Jack Twist und Ennis Del Mar mein geistiges Eigentum sind."
Auffallend sei außerdem, dass es immer Männer seien, die ihr diese Umdeutungen schickten, viele betonen in ihren Anschreiben, dass sie nicht schwul seien, aber sie würden dann trotzdem eine saftige Erotikstory abliefern. "Hinter jeder dieser Neufassungen liegt die unausgesprochene Annahme, dass sie als Männer die Geschichte besser aufschreiben können als eine Frau", vermutet die Autorin misstrauisch.
Annie Proulx hat übrigens gerade eben einen neuen Band mit Kurzgeschichten veröffentlicht, die wieder im amerikanischen Westen spielen. Darunter auch wieder zwei Storys, die einen schwulen sowie einen lesbischen Hintergrund haben.
Links zum Thema:
» Fan-Fiction Storys im Netz
» Annie Proulx beim Amazon
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