https://queer.de/?9379
- 22. September 2008 2 Min.
"Selbsthass" schlug in "Fremdhass" um: Ein 47-jähriger mehrfacher Vater aus Berlin tötete einen Mann spontan beim Sex – das Landgericht hat den Täter jetzt wegen Mordes aus Heimtücke zu zehn Jahren Haft verurteilt.
Der arbeitslose Wachmann hatte am 20. April einen leicht behinderten Freund in seiner Plattenbauwohnung in Berlin-Lichtenberg "aus der Situation" heraus ein großen Messer in den Bauch gerammt. Das 41 Jahre alte Opfer, das in einem Heim in Berlin-Westend wohnte, lag mit verbundenen Augen auf der Couch – es war völlig arglos. Der ursprünglich aus Norddeutschland stammende Täter hatte zwar nach der Tat sofort die Feuerwehr alarmiert, das Opfer verblutete aber vor deren Eintreffen.
Das Landgericht wertete nach Angaben der Nachrichtenagentur ddp strafmildern, dass der Angeklagte 2,6 Promille Alkohol im Blut hatte und "unter Selbsthass litt", der in "Fremdhass" umgeschlagen sei. Der Mann ist Vater von sechs Kindern und hat zwei gescheiterte Ehen hinter sich.
Er traf sich seit zwei Jahren mit seinem Opfer. Die Beiden hatten sich durch eine Erotik-Werbung im Fernsehen kennen gelernt. Seitdem haben sich sie wiederholt ihre Sexualität in Sado-Maso-Spielen ausgelebt. Täter und Opfer wussten aber nichts Persönliches voneinander, da sie sich nur zum Sex verabredeten und nicht miteinander sprachen. Es habe sich bei der Tat nicht um einen Sexualmord zur "Befriedigung des Geschlechtstriebs" gehandelt. Daher verurteilte das Gericht den Täter nicht zu einer lebenslangen Haftstrafe.
Der Angeklagte hatte zuvor ausgesagt, dass das Opfer ihn im Vorfeld mehrfach per SMS aufgefordert habe, ihn umzubringen ("Wann tötest Du mich?"). Das sei aber keine ernsthafte Aufforderung gewesen, entschied das Gericht. Der Täter sagte in seinem Schlusswort: "Was ich getan habe, ist unverzeihlich. Es tut mir auch aufrichtig leid." (dk)














www.tagesspiegel.de/berlin/Polizei-Justiz-Mord;art126,262007
6