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Kommentare zu:
IWWIT: "Wir sind keine Missionare"


#1 XDAAnonym
  • 13.10.2008, 11:09h
  • Kampagne hin oder her. Einerseits bezweifle ich, dass diese jemand bekehren wird. Zum anderen ist es doch so, dass ein nicht geringer Teil der HIV Neuinfektionen im Bereich einer Paarbeziehung stattfindet, welche ja eben durch das Rollenmodell ausgeblendet wird, da man sich ohne Schutz viel näher sein kann. Letzteres hätte man besser wohl ausblenden sollen.
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#2 Tim_ChrisProfil
  • 13.10.2008, 13:10hBremen
  • Antwort auf #1 von XDA
  • Genau das denke ich auch. Ich könnte meinem Partner noch so sehr vertrauen, die Hand für absolute Treue seinerseits würde ich dafür allerdings nicht ins Feuer legen. Ebenso wenig wie er seine dafür ins Feuer legen dürfte. Von daher wäre es mir selbst in der Partnerschaft viel zu riskant, ohne Kondom zu ficken. Aber abgesehen davon, dass er selbst etwas leichtfertig mit seinem Leben umgeht, sieht er ziemlich knuffig aus.
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#3 chrisProfil
  • 13.10.2008, 19:29hDortmund
  • "Zum anderen ist es doch so, dass ein nicht geringer Teil der HIV Neuinfektionen im Bereich einer Paarbeziehung stattfindet, welche ja eben durch das Rollenmodell ausgeblendet wird, da man sich ohne Schutz viel näher sein kann. Letzteres hätte man besser wohl ausblenden sollen."

    Das finde ich nicht. Bareback in einer festen Beziehung ist ja wohl bei den meisten (mich eingeschlossen) gang und gäbe. Dies für sich zuzugeben macht dieses Rollenmodell (= role model = Vorbild) aus meiner Sicht wesentlich realtistischer und beeindruckender macht als eine Kampagne voller Scheinheiliger die dir zeigen wie man einer Gruke ein Gummi über zieht.
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#4 seb1983
  • 13.10.2008, 19:33h
  • Wer sich nicht schützen will der macht es auch so nicht. Das Wissen uns Bewusstsein ist da, nur der Wille nicht.

    Nach dem Motto:
    Sie fahren also gerne mir ihrem 20 Jahre alten Golf ohne Gurt mit 200 entgegen der Fahrbahn? Wir müssen über Ihr Risikomanagement reden...
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#5 SaschaEhemaliges Profil
  • 13.10.2008, 20:23h
  • Zunächst einmal ist das eine sehr wichtige und sinnvolle Kampagne, deren Beispiel weitere und umfassendere folgen sollten. Die Prävention von HIV und anderen Infektionskrankheiten muss dringend zielgruppenspezifisch für homo- und heterosexuelle Menschen stattfinden - und zwar überall dort, wo man junge Menschen erreicht. Dabei sind selbstbewusste, schwule Identifikationsfiguren extrem wichtig für junge Männer. Dies gilt natürlich nicht für Plakataktionen, sondern mindestens ebenso sehr für die Sexualerziehung in den Schulen, wo selbiges bisher mitnichten der Fall ist und Sexualität bzw. "Geschlechtsverkehr" in aller Regel mit Heterosexualität gleichgesetzt werden.

    Zugleich stimme ich meinen Vorrednern zu, dass man die persönliche "Risikominimierungsstrategie" von Fabian besser nicht hätte thematisieren sollen (da sie faktisch keine solche ist).
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#6 SaschaEhemaliges Profil
  • 13.10.2008, 21:25h
  • Antwort auf #3 von chris
  • Oh, Fabian, was glaubst du wohl, wie viele HIV-Infizierte sich genau auf diesem Wege angesteckt haben?

    Menschen und insbesondere Männer sind nicht so "monogam", wie verlogene, in aller Regel religiös verwurzelte Scheinmoral es uns weismachen will. Das ist an sich auch überhaupt kein Problem, solange man damit ehrlich und offen umgeht - sich selbst und dem Partner gegenüber! Wir sind alle nur Menschen, und der gesellschaftlich konstruierte und vermittelte "Treuebegriff" (der mit Liebe in aller Regel nichts zu tun hat, sondern nur mit dem für eine durch und durch materialistische Gesellschaft typischen, egoistischen Besitzanspruchsdenken) wird durch die Realität Tag für Tag aufs neue widerlegt.

    Dass du dies auf einer idealisierenden und romantischen Ebene möglicherweise anders siehst, finde ich eigentlich schön und sei dir natürlich belassen, aber man sollte dringend davon absehen, dies als irgendeine Art von geeignetem oder verlässlichem "Infektionsschutz" hinzustellen. Denn das ist es - wie die Realität von Millionen HIV-Infizierten belegt - ganz sicher nicht.
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#7 Tim_ChrisProfil
#8 AntichristProfil
  • 14.10.2008, 08:55hHH
  • Wenn ich mir das Ergebnis des Votings zu diesem Artikel anschaue wird klar woher die ganzen Neuinfektionen kommen. Es nutzt die beste Kampagne nichts, wenn die Rollenmodelle genauso leichtsinnig sind wie die Leute, die von dieser Kampagne erreicht werden sollten.
    Trotz Treueschwurs und beharren auf Monogamie ist mir noch keiner begegnet, der tatsächlich so treu war, wie er es vorgab zu sein.
    Wie heißt es so schön? Gelegenheit macht Liebe. In unserem Falle gibt es Gelegenheiten genug. Besonders wenn man in einer Stadt mit einer recht vernünftigen Szene lebt. Auf dem Land, wo es außer Kühen und der Bauernkneipe nichts gibt, mag das noch funktionieren mit der Treue. Dennoch würde ich nicht mal dort meinen langjährigen Lebenspartner ohne Gummi ficken bzw. mich bare ficken lassen. Vertrauen ist zwar gut, aber Selbstschutz ist besser.

    Von daher: fickt weiter wie gehabt aber beschwert euch hinterher nicht über die plötzliche Infektion, weil der geliebte ach so treue Partner doch auswärts gefrühstückt hat.
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#9 XDAAnonym
#10 chrisProfil
  • 14.10.2008, 09:41hDortmund
  • Ich bin nicht romantisch - überhaupt nicht. Ihr Jungs macht mir ehr den Eindruck ein wenig frustriert zu sein. Vielleicht zu viele schlechte Erfrahrungen gemacht um Männern zu vertrauen? Macht ihr mal einen auf scheinheilig aber glücklich wird man mit solch einem Misstrauen auf dauer nicht in einer langjährigen Beziehung.
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#11 Tufir
  • 14.10.2008, 09:58h
  • Treue funktioniert nur, wenn man sich darauf verlassen kann. Nicht nur auf die Monogamie sondern viel wichtiger darauf, dass der Partner bescheid sagt, wenn er Mist gebaut hat oder auch schon wenn ihm danach ist, die Beziehung offener anzugehen. Ewige Versprechen sind ja auch etwas viel verlangt. Wenn es dagegen eine verkrampfte Nummer wird, bei der man auf biegen und brechen nicht zugeben möchte, dass man der schwächere Teil der Beziehung ist, und darüber den Partner in Gefahr bringt, dann kann man nicht von wirkungsvollem Risikomanagement sprechen. Das fehlt mir im Interview.
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#12 XDAAnonym
#13 SaschaEhemaliges Profil
  • 14.10.2008, 11:53h
  • Antwort auf #10 von chris
  • Schade, Chris, denn ich mag romantische Jungs und Männer. Und vielleicht habe ich da weiter unten den falschen Begriff gewählt, denn deine Haltung ist wohl besser mit den Attributen "naiv" und "sich selbst etwas vormachend" beschrieben.

    @Antichrist und andere hier haben es auf den Punkt gebracht, und wer ihre Beiträge kennt, der sollte wissen, dass sie ganz bestimmt alles andere als "frustriert" sind.

    Es geht nicht um "Misstrauen" in einer Beziehung, sondern um Realismus und Ehrlichkeit. Leider ist die Definition einer partnerschaftlichen Beziehung in dieser Gesellschaft mit ihrer absurden, bigotten Treuedefinition die entscheidende Ursache für eine Vielzahl von Beziehungsproblemen. Und vor allem auch dafür, dass zwar alle über körperliche/sexuelle "Treue" reden und diese zum Schutz ihres Egos auch unbedingt von ihrem Partner einfordern, aber nur wenige sich daran halten. Ich habe damit, wie gesagt, kein Problem und würde mir nur mehr Offenheit in diesem Punkt wünschen.

    Man kann es nämlich drehen und wenden, wie man will: Es gibt unzählige Männer, die sich auf exakt dem Wege mit HIV infiziert haben, den du oder gewisse Rollenmodelle sich und anderen fälschlicherweise als geeigneten "Schutz" verkaufen wollen.
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#14 XDAAnonym
#15 Tim_ChrisProfil
  • 14.10.2008, 20:06hBremen
  • Antwort auf #14 von XDA
  • Nicht deine Haltung ist naiv, sondern die von Chris #3. Dieses geradezu schon blinde Gottvertrauen in den Partner, dass dieser genauso treu und ehrlich ist wie man selbst und dem man damit nicht nur seine Gesundheit, sondern auch sein Leben anvertraut. Doch der einzige, auf den man sich wirklich 100% verlassen kann, ist man selbst, nicht irgendein anderer, dem man mit rosa Brille und Schmetterlingen im Bauch Leib und Leben anvertraut.
    Wie sonst würden sich die stark ansteigenden Zahlen der Neuinfektionen erklären lassen? Plötzlich alle auf ONS umgestiegen? Zu starker Zuwachs an unwissenden Jungschwuppen?
    Mitnichten. Zum einen ist es wohl die Präventionsmüdigkeit und der zunehmende Fehlglaube, HIV wäre ja nichts anderes mehr als eine zwar irgendwann lästige, aber chronische Krankheit, die ihren Schrecken und ihre Tödlichkeit verloren hat. Zum anderen das blinde Vertrauen in den Partner, der Monogamie verspricht, aber doch nur in seltenen Fällen halten kann. Ich glaube, es gibt nicht nur in der Szene, sondern gerade auch in den Beratungsstellen der AH genug Leute, die genau das bestätigen können.
    Zudem sieht man die "Treue" auch als szenenfremder Laie ganz gut bei GR: "Habe einen Partner. Treffen deshalb nur bei dir oder Outdoor möglich." Eine Ausnahme sind diese Texte in den Profilen jedenfalls nicht. Genauso wenig wie in gleichen Profilen noch bei Safer Sex "nach Absprache", "keine Angaben" oder "niemals" angegeben sind.

    MIR wäre das jedenfalls, selbst wenn ich ihn abgöttisch liebe, zu seinem und meinem Schutz zu riskant ohne Gummitüte zu ficken.

    Aber okay, was des einen Risiko, ist des anderen Vergnügen und das böse Erwachen wird früher oder später meist doch kommen.
    Deshalb hoffe ich, dass es tatsächlich dem Motto IWWIT entspricht. Dann kann man sich hinterher wenigstens nicht bei seinem Partner beschweren, wenn man wider Erwarten doch positiv getestet wurde.
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#16 mizAnonym
  • 14.10.2008, 20:57h
  • Klasse, eine Sache ist der Kampagne schon gelungen: das Thema HIV ist wieder präsent und schwule Männer machen sich Gedanken darum!
    Das Beispiel Fabian zeigt auf, was tausende schwule Paare seit langer Zeit praktizieren. Er hat darauf hingewiesen, dass er und sein Freund sich vor dem kondomlosen Sex haben testen lassen. Beide waren negativ. Das Problem sind die frisch verliebten Paare, die sich eben NICHT testen lassen und einfach davon ausgehen, dass der Partner schon negativ sein wird. Und die Absprache, außerhalb der Beziehung beim Sex Gummis zu verwenden, ist in der Tat eine Strategie, das Risiko zu reduzieren.
    Den Kommentatoren scheint nicht klar zu sein, dass es eigentlich nur eine einzige Strategie gibt, wie einem nix passieren kann: niemals im Leben Sex zu haben. Das hat mit der Lebenswirklichkeit allerdings nicht viel zu tun. Auch das Kondom garantiert keinen hundertprozentigen Schutz vor HIV, es bleibt aber der Golstandard in der Prävention.
    Ich meine, dass Fabian sehr wohl ein gutes Beispiel ist. Bevor er und sein Freund auf das Gummi verzichtet haben, haben sie einen HIV-Test gemacht. Sie haben eben nicht spekuliert oder vermutet, dass der jeweils andere schon nichts haben wird, sondern sie haben sich durch einen Test vergewissert! Wenn das möglichst viele Paare machen würden, dann wäre viel gewonnen. Ansonsten finde ich eine Kampagne, die mehr kann, als einfach immer nur das Kondom zu predigen, sehr gelungen. Wie gut, wenn es für schwule Männer erstmals so eine bundesweite Präventions-Kampagne gibt. Viel Erfolg!
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#17 Pitty_BerlinAnonym
  • 15.10.2008, 02:25h
  • Ich würde ebenfalls bei dieser Kampagne zu viel Euphorie warnen. Obwohl erst jetzt gestartet, gab es von IWWIT auf dem Berliner CSD einen Wagen. Dieser fuhr dort als LETZTER am Zugschluss, dahinter kam nur noch die Stadtreinigung ...daran ist doch schon zu sehen, welchen Stellenwert HIV und AIDS in der schwulen Szene wirklich haben... "Ich habe AIDS nicht vergessen", eine "neue" Kampagne mit viel Prominenz, deren Spots im Frühjahr über die Bildschirme flimmerte. Mittlerweile ist die Kampagne vergessen...

    Ich habe mir mal die Page von IWWIT angesehen. Okay, fabian ist natürlich schon rein vom Äußeren her ein "Eyecatcher". Ohne ihm jetzt zu nahe treten zu wollen: er ist ein Jungschwuler und hat mit 21 das Glück, bereits seit 2 Jahre in einer Beziehung zu leben. Viele junge wie ältere Schwule haben dieses Glück nicht. Fabian steht für den "Idealfall" eines negativen Ergebnisses bei beiden Partnern. Was aber, wenn es bei einem der beiden positive gewesen wäre? Wäre die Beziehung (also jetzt nicht die von Fabian, sondenr allgemein) nicht ganz schnell beendet, wenn der Negative dann wüsste, dass "Verantwortung und Vertrauen" dann eine ganz neue Bedeutung für ihn bekommen würden? Wie würde wohl dann die "Strategie zum Negativ-bleiben" aussehen? Nicht selten besteht diese Strategie dann darin, den Partner zu verlassen, ihn mit dem positiven Ergebnis alleinzulassen.
    Die Thematisierung von Test und Partnerschaften ist schon in Ordnung (glaubt man den Zahlen, dass auch dort die Infektionsrate steigt). Aber auch unter den bei IWWIT vorgestellten Männern ist wieder nur ein einziger positiver (vermutlich Single) dabei.

    In den ganzen Jahren meines schwulen Daseins (das sind bald 10) kann ich mich nur an ein einziges wirklich beeindruckendes Plakat der DAh erinnern: ein Adoniskörper ohne Gesicht, mit der Überschrift: "Daran hängt ein Mensch. Geh gut mit ihm um!" Leider erfahren HIV- positive Männer innerhalb der schwulen Community mit den wieder steigenden Infektionszahlen wieder mehr Beleidigung, Stigmatisierung, Ausgrenzung, gerade wenn sie sich (wie das andere Beispiel bei IWWIT das sehr mutig tut!) offen zu ihrer Infektion bekennen. Wenn die DAH mit der neuen Kampagne nun also die Jungschwulen und die negativ getesteten schwulen Paare "abgearbeitet" hat, könnte sie sich meiner Meinung nach endlich mal wieder der wachsenden Diskriminierung von Positiven innerhalb der schwulen Szene annehmen. Auch schwule Singles, negativ wie positiv, haben es verdient, hinsichtlich HIV und AIDS thematisiert zu werden, nicht nur Jungschwule und "Vergebene".
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#18 AntichristProfil
  • 15.10.2008, 07:30hHH
  • Antwort auf #10 von chris
  • @chris: "Ihr Jungs macht mir ehr den Eindruck ein wenig frustriert zu sein. Vielleicht zu viele schlechte Erfrahrungen gemacht um Männern zu vertrauen? Macht ihr mal einen auf scheinheilig"
    Ich mache weder auf scheinheilig noch bin ich frustriert. Im Gegenteil. Ich bin ganz glücklich mit meinem Sexleben, meiner Beziehung, sowie meinem Partner. Suhle dich jedoch weiter in Sorglosigkeit. Ich werde dennoch weiterhin in meiner Beziehung beim Ficken ein Kondom benutzen. Denn ich weiß was ich tue und auch erwarte.
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#19 chrisProfil
  • 15.10.2008, 20:03hDortmund
  • "Ich werde dennoch weiterhin in meiner Beziehung beim Ficken ein Kondom benutzen. Denn ich weiß was ich tue und auch erwarte."

    Das ist ja auch dein gutes Recht. Es ist aus meiner Sicht nur ziemlich traurig, dass offenbar so einige hier mit Menschen eine Liebesbeziehung führen oder führen würden denen sie eigentlich partout nicht vertrauen. Ich kann jemanden bescheissen den ich nicht kenne, mit jemandem arbeiten den ich nicht mag, aber jemanden lieben dem ich nicht vertraue? Sry aber das ist aus meiner Sicht menschlich und psychisch nicht ganz sauber.
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#20 ThommenAnonym
  • 15.10.2008, 21:05h
  • Restrisiko. Wieso kann mann mit seinem Freund nicht ohne Restrisiko leben und einfach auch aus Hygiene und Solidarität den Kondom benutzen???
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#21 MIZAnonym
  • 15.10.2008, 22:44h
  • @thommen

    Ich möchte auf Deinen Kommentar erst einmal sehr ernsthaft eingehen.

    Es gibt Paare, die sich so sehr lieben, dass sie sich gegenseitig auffressen könnten. Der Wunsch nach Verschmelzung, nach innigem Sex ohne trennendes Kondom ist sehr groß. Dazu gehört auch der Austausch von Körperflüssigkeit, das macht Innigkeit und Grenzenlosigkeit beim Sex für sie aus. Warum sollten zwei Menschen, die sich so sehr lieben, nicht diesem Bedürfnis nachkommen können, wenn sie beide negativ sind? Ist nicht der kondomlose Sex die natürlichste Sache der Welt? Würden alle Menschen nur noch Kondome beim Vöglen benutzen, würde die Menschheit demnächst aussterben. Ist das schwule Paar, das diesen Wunsch für sich realisiert, deshalb lebensmüde, verrückt oder leichtsinnig? Oder dürfen nur noch Heteros der Fortpflanzung wegen kondomlos ficken, weil nur dieser Sex einen Sinn macht. Und Schwule -unter Generalverdacht einer HIV-Infektion - haben gefälligst ein Leben lang beim schmutzigen Analsex wenigstens ein anständiges Kondom zu benutzen?
    Ist es nicht sinnvoll, wenn man einem solchen Paar erklärt, wie und unter welchen Bedingungen sie ihrem Bedürfnis nachkommen können?
    Und was den Aspekt der Hygiene angeht, möchte ich meine selige Oma zitieren, die zu sagen pflegte: "Scheiße am Stock ist auch ´ne Blume". Das meinte sie zwar bestimmt nicht in Bezug auf Analsex, aber mir wäre das ziemlich egal bei dem Mann, den ich liebe. Außerdem ist die Spülung bei passiven Männern durchaus beliebt ;-)

    Nun zur humoristischen Einlage. Die Redewendung vom "Ficken für den Frieden" ist mir durchaus geläufig. Dass jetzt aber auch schon mit oder durch das Kondom solidarisch gevögelt wird, war mir neu!

    Ich finde es sehr unzulässig, schwulen Männern eine moralische Verpflichtung dieser Art zukommen zu lassen. Gerade wir Schwulen fordern sonst immer das Recht auf Selbstbestimmung, wollen aber die sexuelle Selbstbestimmung nicht gelten lassen, wenn es um den Kondomgebrauch geht. Ficken hat nix mit Solidarität zu tun, sondern ist zunächst einmal eine sehr intime Sache zwischen zwei (selbstbestimmten) Menschen.

    Um hier kein Missverständnis aufkommen zu lassen: ich bin sehr für Safer Sex und Prävention, für Aufklärung und Information. Aber eine Zwangskondomisierung halte ich für einen falschen, kontraproduktiven Weg, der obendrein auch nicht realisierbar wäre. Und Risiken gibt es immer im Leben. Mal sind sie mehr, mal weniger groß. Man sollte sich dieser Risiken nur bewußt sein und sie realistisch einschätzen und bewerten können.
    Wenn mein Mann (wenn ich einen hätte *lol*) und ich uns testen lassen würden und wir beide negativ wären, dann würde ich dieses geringe Restrisiko eingehen. Mit wem sollte ich sonst kondomlos ficken, wenn nicht mit dem Menschen, den ich über alles liebe und mit dem ich mein Leben teile? Aber das ist eben eine Frage, die jeder (und jedes Paar) für sich selbst beantworten muss. Dabei sind unterschiedliche Antworten durchaus zulässig!
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#22 Super MarioAnonym
  • 16.10.2008, 00:52h
  • Antwort auf #19 von chris
  • Die Frage ist immer, ob dein Freund das auch so sieht und immer so sehen wird. Kannst du wirklich sicher sein, dass die Liebe deines Freundes dir gegenüber nicht irgendwann verblasst und er dich nicht doch bescheißt und er es dir aus Scham oder Angst nicht sagen würde? Kannst du so gut in ihn hineinsehen? Wenn ja ist alles ok. Doch bedenke, dass die Fälle, wo es ein böses Erwachen gab und dann gejammert wurde "Aber ich habe ihm doch so vertraut" sehr oft auftreten. Ich wünsche es dir natürlich nicht. Jeder soll für sich selbst entscheiden. Ich bin nur für eine wirklich realistische Einschätzung so gut es eben geht.
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#23 chrisProfil
  • 16.10.2008, 08:23hDortmund
  • Du kannst dir nicht sicher sein das du je deine Rente bekommst, du kannst dir nicht sicher sein das du deinen Job behältst und du kannst dir nicht sicher sein ob nicht in der U-Bahn ne Bobe hochgeht. Das nennt sich Leben und es unterliegt den Einschränkungen des menschlich möglichem und erfassbarem.
    Und was @MIZ über Liebe und Nähe gesagt hat stimmt. Ich bin wirklich kein Romantiker aber es gehört für mich zu unserer gemeinsamen Nähe einfach dazu ohne Gummi miteinander zu ficken und auch sonst keine Grenzen beim gemeinsamen Sex hinnehmen zu müssen. Ich bin übrigens 25 und mit meinem Freund (32) seit sechs Jahren sehr glücklich. Glaub es oder nicht, aber es gibt schwule die sowas wie eine monogarme Beziehung hinkrigen ohne sich zu verbiegen.
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#24 Tim_ChrisProfil
  • 16.10.2008, 10:32hBremen
  • Antwort auf #23 von chris
  • "Du kannst dir nicht sicher sein das du je deine Rente bekommst, du kannst dir nicht sicher sein das du deinen Job behältst und du kannst dir nicht sicher sein ob nicht in der U-Bahn ne Bobe hochgeht. Das nennt sich Leben und es unterliegt den Einschränkungen des menschlich möglichem und erfassbarem."

    Richtig. Wenn du dein Leben "lebst" wird es immer Dinge geben, die dir urplötzlich das Leben oder die Gesundheit nehmen können, ohne dass du irgendwie Einfluss darauf nehmen könntest. Du hast keinen Einfluss auf die Staatsfinanzen, keinen Einfluss auf die aggressive Kriegspolitik anderer Staaten, keinen Einfluss auf Terroristen, keinen Einfluss auf irgendwelche Verbrecher, keinen Einfluss auf Umwelteinflüsse usw. usf. Das ist das Risiko des Lebens. Unvorhersehbar, unberechenbar, vor dem man sich kaum schützen kann. Aber es gibt eben auch Dinge, die dein Leben und deine Gesundheit zerstören können und vor denen du dich durchaus schützen kannst, weil sie eben nicht unberechenbar und unvorhersehbar sind. Und das sind eben HIV und andere Geschlechtskrankheiten, vor denen man sich mit Gummitüte schützen kann, wenn man will.

    Du gibst mit deinem Statement ja selbst zu, dass man sich mit nichts sicher sein kann. Ergo, du vertraust deinem Mann zwar 100%, kannst dir aber auch nicht sicher sein, dass er nicht doch irgendwann mal eine Gelegenheit nutzt und mit einem anderen fickt, sich dabei vielleicht infiziert, dir aus Scham nichts von seinem Treuebruch sagt und du vertrauensselig fröhlich weiter mit ihm ohne Gummi fickst. Er natürlich ebenfalls, denn wenn er plötzlich auf Gummi bestehen würde, weil er Angst und ein schlechtes Gewissen hat, würdest du doch hellhörig werden und nachbohren, oder?
    Du kannst dir ja auch nicht 100% sicher sein, dass er es dir gestehen würde, wenn er mal anderweitig genascht hat. Also gehst du, wegen der gemeinsamen Nähe, dem Glauben an die monogame Beziehung die bei schwulen Männern durchaus funktionieren kann - wenn auch "meist" nur für kurze Dauer - und dem blinden Vertrauen in deinen Partner das Risiko einer Infektion ein, vor der du dich eben mit Gummi schützen könntest. Es ist eben kein unberechenbares Ereignis, das das eigene Leben und die Gesundheit zerstören und vor dem man sich nicht schützen könnte. Es hat auch nichts mit fehlendem Vertrauen in den Partner zu tun, sondern mit Vernunft.

    Ich hoffe, du und dein Partner zählen zu den Ausnahmepärchen, bei denen eine monogame Beziehung tatsächlich hält und ich hoffe, das Vertrauen ist tatsächlich berechtigt genug, dass ihr bei einem vielleicht doch möglichen Treuebruch die Vernunft walten lasst, offen und ehrlich zueinander seid und zumindest dann ein Gummi benutzt, bis eine mögliche Ansteckungsgefahr als sicher ausgeschlossen werden kann. Denn nur dann wäre ein höchstmöglicher Schutz auch ohne Gummi gegeben. Ich wünsche es dir wirklich.

    Aber nun genug meiner Bergpredigt zu diesem Thema.

    Amen
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#25 MIZAnonym
  • 16.10.2008, 12:40h
  • Ja, Tim_Chris, das war eine Predigt! Was glaubst Du denn, wie hoch für den 25-jährigen Chris, der seit sechs Jahren mit seinem festen Freund zusammen ist und monogam lebt, das Risiko einer HIV-Infektion ist? Du könntest ihm gleich dazu raten, besser keine Straße mehr zu betreten, weil er sonst von einem Auto überfahren werden könnte. Die Wahrscheinlichkeit dürfte etwa im gleichen Bereich liegen.Lebensrisiken müssen doch bitte auch etwas mit einer realistischen Bemessung zu tun haben, sonst wird es Killefitt!
    Selbst das von Dir so gepriesene Kondom hat nur einen Schutzfaktor von etwa 80 Prozent. Auch da gibt es ein Restrisiko! Ich schrieb es schon an anderer Stelle, es gibt nur eine einzige Strategie für schwule Männer, wie einem zu 100 Prozent nix passieren kann: mache niemals Sex! Alles andere ist risikobehaftet, mal mehr, mal weniger! Und es ist nicht wahr, wenn Du behauptest, dass das Kondom zugleich auch vor allen möglichen Geschlechtskrankheiten schützt. Das tut es definitv nicht. Den Filzläusen ist es zum Beispiel ziemlich egal, ob jemand Kondome benutzt oder nicht. Und was nutzt es, wenn ich mich beim Ficken vor dem Tripper mit Gummi schütze, mich aber beim Blasen oral infiziere? Hier wird das Gummi völlig überhöht und so getan, als biete es einen hundertprozentigen Schutz vor allen möglichen Sachen. Es bleibt der beste Schutz vor HIV, das ist gar keine Frage. Und es mindert bestimmt auch das Risiko einer Ansteckung mit anderen Geschlechtskrankheiten. Ich frage mich allerdings, ob dem Kondom in der Diskussion nicht eine andere Bedeutung zukommt. Es soll den schwulen Sex domestizieren und aus der schmutzigen Arschfickerei eine saubere Sache machen!
    Es gibt aber auch noch andere Strategien von Schutzmöglichkeiten. Anstatt pauschal alles über einen Kamm zu scheren, sollte man die einzelnen Risikosituationen betrachten, wo es wirklich gefährlich wird. Es macht eben einen großen Unterschied, ob jemand seit sechs Jahren in einer monogamen Beziehung lebt, oder ob man schwuler Single ist und es auf 50 unterschiedliche Sexpartner im Jahr bringt. Prävention muss auch diese unterschiedlichen Lebenswelten berücksichtigen und differenzierte Antworten geben können. Was wir brauchen ist eine progressive Prävention mit differenzierten Botschaften. "Wir können nur Kondom, sonst nix!", das ist heute zu wenig!

    Und den Chris aus Dortmund möchte ich in seiner Haltung bestätigen. Was er da mit seiner 6-jährigen Partnerschaft in Bezug auf Sexualität macht, das ist schon ganz in Ordnung!
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#26 DirkAnonym
  • 16.10.2008, 13:48h
  • Fabian ist ein ehrliches Rollenmodell. Er sagt, dass eine Beziehung, in der man seinen HIV-Status verlässlich gecheckt hat, ein Schutz vor HIV darstellen kann. Darüber hat er mit seinem Freund über Risiken gesprochen, das war ihm wichtig, und das ist der Unterschied zu einigen anderen, die sich auf das Aussehen und das Unausgesprochene verlassen. Fabian weiss aber auich, dass ein einmaliges Reden nicht aussreicht, sondern die Sexualität in der Beziehung (leider) immer wieder neu ausgehandelt und thematisiert werden muss. Und er hat immer Kondome dabei, warum wohl? Er weiss was er tut.
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#27 Tim_ChrisProfil
  • 16.10.2008, 15:19hBremen
  • Antwort auf #25 von MIZ
  • "Und es ist nicht wahr, wenn Du behauptest, dass das Kondom zugleich auch vor allen möglichen Geschlechtskrankheit en schützt."

    Ich zitiere mich hier mal selbst als Antwort: "Und das sind eben HIV und andere Geschlechtskrankheiten, vor denen man sich mit Gummitüte schützen kann". Wo bitte schön sage ich hier etwas von "allen möglichen"?

    "Es bleibt der beste Schutz vor HIV, das ist gar keine Frage."

    Etwas anderes habe ich auch nie behauptet. Ich habe niemals etwas von einem 100%igen Schutz gesagt. Ich meine, wenn Frauen trotz Verhütung mit Kondom schwanger werden können - ja, das gibt es durchaus, wenn auch selten - kann das Kondom eben auch keinen 100%igen Schutz vor HIV bieten. In diesem Fall sogar noch einen geringeren Schutz, da Frauen - außer bei Besenkammer-Samenraub - durch Oralsex nicht schwanger werden können. Auch nicht wenn sie Zahnfleischbluten haben. Natürlich war beim Kondom immer nur vom höchstmöglichen und nicht vom 100%igen Schutz die Rede. Das Kondom bietet nun mal den derzeit noch immer bestmöglichen Schutz vor Ansteckung, wenn man Sex hat.

    "Was glaubst Du denn, wie hoch für den 25-jährigen Chris, der seit sechs Jahren mit seinem festen Freund zusammen ist und monogam lebt, das Risiko einer HIV-Infektion ist?"

    So hoch, wie die "tatsächliche" Ehrlichkeit im Ausnahmefall der Partner zueinander. Und auf das, was du weiter aufführst in Bezug auf Sex in einer festen Beziehung mit höchstmöglichem Schutz vor Ansteckung selbst ohne Gummi, habe ich ja auch hingewiesen.
    Zitat #24: "Ich hoffe, du und dein Partner zählen zu den Ausnahmepärchen, bei denen eine monogame Beziehung tatsächlich hält und ich hoffe, das Vertrauen ist tatsächlich berechtigt genug, dass ihr bei einem vielleicht doch möglichen Treuebruch die Vernunft walten lasst, offen und ehrlich zueinander seid und zumindest dann ein Gummi benutzt, bis eine mögliche Ansteckungsgefahr als sicher ausgeschlossen werden kann. Denn nur dann wäre ein höchstmöglicher Schutz auch ohne Gummi gegeben. Ich wünsche es dir wirklich."

    "Du könntest ihm gleich dazu raten, besser keine Straße mehr zu betreten,"

    Ehrlich gesagt rate ich ihm gar nichts. Kann ich auch gar nicht. Dafür wären wenn, dann die Experten zuständig, nicht ich. Ich sage nur das, was ich bisher erfahren, erlebt und mitbekommen haben. Wenn sich das nicht mit dem deckt, was er an Erfahrungen gemacht hat, ist es durchaus okay. Meiner Meinung nach - was ich bisher erfahren, erlebt und mitbekommen habe - sind eben tatsächlich monogame, ehrliche und auch langjährige Männerbeziehungen die absolute Ausnahme. Ich habe noch kein Paar kennen gelernt, bei dem nicht früher oder später der eine oder andere Partner fremd gegangen ist. In den meisten Fällen zerbrechen die Partnerschaften an einem solchen Treuebruch, sobald der Partner davon erfährt. Einfach aus dem Grund, weil das Vertrauen zerstört wurde, selbst wenn der Partner beteuert, dass es einmalig war. Er schweigt also lieber, aus Angst, den Partner wegen dieses einen Ausrutschers zu verlieren.

    Aber wenn die Voraussetzungen, wie weiter oben und auch von dir erwähnt, stimmen und man wirklich darauf vertrauen kann, dann kann in einer festen Beziehung auch Ficken ohne Gummi sicher sein. Doch wie in einem früheren Kommentar bereits erwähnt: MIR wäre das zu riskant.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #25 springen »
#28 AntichristProfil
  • 17.10.2008, 08:04hHH
  • Antwort auf #19 von chris
  • @chris: "Es ist aus meiner Sicht nur ziemlich traurig, dass offenbar so einige hier mit Menschen eine Liebesbeziehung führen oder führen würden denen sie eigentlich partout nicht vertrauen. Ich kann jemanden bescheissen den ich nicht kenne, mit jemandem arbeiten den ich nicht mag, aber jemanden lieben dem ich nicht vertraue?"
    Warum glaubst du, dass ich meinem Partner nicht vertraue oder ihn bescheiße? Weil ich nicht an die männliche Monogamie glaube?
    In meinen Augen ist Monogamie eine Erfindung der Weiblichkeit die ein durchaus berechtigtes Interesse an einer monogamen Beziehung hat. Der Mann dagegen ist in meinen Augen genetisch genauso wenig für Monogamie ausgelegt, wie die meisten anderen maskulinen Individuen auf diesem Planeten.
    Der Mensch bekommt sie jedoch ebenso anerzogen, sowie durch TV, Medien, Gesellschaft etc. tagtäglich als "wahres Sinnbild" einer Paarbeziehung vorgelebt, wie die Heteronormativität, aus der er sich oft nur schwer freistrampeln kann um ein für ihn richtiges Leben zu leben. So wie er lernt zu seiner Homosexualität zu stehen, sie zu leben, wird er meist früher oder später auch seine Monogamie ablegen.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #19 springen »
#29 DirkAnonym
  • 17.10.2008, 11:45h
  • Monogamie ist eine Erfindung (Anspruch) des Staates und der Kirchen um die menschliche Sexualität zu zügeln.
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#30 chrisProfil
  • 17.10.2008, 20:12hDortmund
  • Antwort auf #29 von Dirk
  • Ich würde sagen, dass sich das etwas komplexer gestaltet. Klar, biologisch gesehen ist eine Population immer dann am stabilsten wenn die genetische Vielfalt groß ist. Der Mensch macht dabei keine Ausnahme. Ficken, ficken, ficken. Das trifft den Menschen und ganz besonders den Mann. Wir Schwulen leisten uns da natürlich einfach das was bei Heten weitgehend Tabu ist weil wir ja sowieso schon den gesellschaftlichen Rahmen sprengen. Der Mensch besitzt auf der anderen Seite aber auch ein komplexes Sozialleben und einen ausgeprägten Selbsterhaltungstrieb. Dieser veranlasst uns unter anderem dazu, uns einen festen Partner zu suchen und eine Liebesbeziehung einzugehen. Fakt ist, dass die Balance das Entscheidende ist. Man darf sich nicht einsperren in einer solchen Beziehung, man muss miteinander Reden und muss darauf aufbauen. Heimlich anderen Kerlen hinterher sehen oder sich unter der Hand mal nen Porno reinziehen nur weil der Partner sonst rumzickt ist keine Lösung und für mich nicht die richtige Basis einer Beziehung. Fazit: Die Mischung aus Sex, Sozialleben und Ehrlichkeit macht eine monogame Beziehung, nicht völlige Hingabe des eigenen Charakters. Ahmen!
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#31 BenedictusAnonym
  • 27.11.2008, 14:31h
  • Ich benutze in der Beziehung kein Kondom, weil man sich in der Beziehung ohne Schutz viel näher sein kann.

    Ich höre aus dem Satz mehrere Thesen heraus:

    1. Diese "Nähe" dürfen nur Leute erfahren, die sich in einer Beziehung befinden. Alle anderen haben gefälligst ein Kondom zu benutzen

    2. Ich glaube, nein, ich "weiß", dass ich und mein Partner innerhalb dieser Partnerschaft niemals schwach werden und auch niemals einer fremden Versuchung nachgeben werden.

    3. Ich bin mir sicher, dass diese Beziehung allen Höhen und Tiefen zum Trotz die Basis für "grenzenloses" Vertrauen bleiben wird, bis dass uns der Tod scheidet.

    4. Ein mögliches Szenario, wie es wäre, wenn doch einer von uns fremdgehen würde und eine mögliche Infektion mit in die Partnerschaft bringen würde, oder wie es wäre, wenn die Partnerschaft dem Durchschnitt einer heterosexuellen Partnerschaft entsprechend (den Durchchschnitt einer homosexuellen Partnerschaft hinzuzuziehen, wäre weniger großzügig) doch nicht in alle Ewigkeit so verlaufen würde, wie anfangs gedacht, haben wir zugunsten der Harmonie und Romantik ausgeblendet, ebenso auch die erhobenen Zahlen, die ergeben, dass sich ein Großteil der Schwulen ausgerechnet in solchen Konstellationen mit HIV angesteckt haben.

    Hmmh, da fällt mir gleich der Spruch ein: "Ich weiß was ich tue". Ehrlichkeit, Nüchternheit, Realismus würde diese ganze auf grenzenloses Vertrauen geschaffene Konstrukt in sich zusammenfallen lassen. Aber welche Beziehung hält zuviel Sachlichkeit aus? Keine. Von daher finde ich es nur konsequent, dass man, solange man an diese Beziehung "glaubt", sein Leben dafür hingibt. Das nennt man Liebe. Liebe hat nichts mehr mit Sachlichkeit zu tun. Sie können in diesem Zustand eigentlich nicht wissen, was sie tun. Wir nehmen HIV zu wichtig. Wir können nicht unser Leben, unsere Liebe und unsere Art zu lieben wegen einer Krankheit vollständig umkonzipieren. Das können die Heten nicht, und von den Schwulen sollte man das auch nicht verlangen. Weder "in" noch "außerhalb" einer Beziehung. Manchmal vergessen wir, dass wir auch nur Menschen, und dass wir alle auch nicht besser als die Anderen sind.
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