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- 20. Oktober 2008 3 Min.
Eine Woche lang wurde über Haiders Vorlieben geschwiegen. Jetzt überschlagen sich die Medien mit Berichten direkt aus dem Schambereich.
Von Carsten Weidemann
Am vergangenen Wochenende fand die Trauerfeier und anschließende Beisetzung von Jörg Haider statt, unter Beteiligung zahlreicher staatlicher und geistlicher Vertreter. Kaum sind die ersten Blumen an den Beileidskränzen verwelkt, schieben die österreichischen Medien nach, worüber sie in der vergangenen Woche noch überwiegend geschwiegen haben. Was hat Jörg Haider in der Todesnacht tatsächlich getan, und was waren die wahren Vorlieben des verheirateten rechtsgerichteten Politikers? Zeitungen zitieren Augenzeugen, die Haider in der schwulen Szene gesehen haben und ihn zum Teil auch näher kannten.
Minutiös rekonstruiert das Magazin "Profil" die letzten Stunden von Haider, der diverse Termine an dem Samstag absolviert hatte und zuletzt im Klagenfurter Lokal "Städtkrämer" aufgetaucht war. Haider sei mehrmals im Monat in dem schwulen Lokal aufgetaucht, habe dort aber in der Regel nur Nichtalkoholisches konsumiert. In dieser Nacht sei es anders gewesen. Er habe eine Flasche Wodka bestellt. Die Staatsanwaltschaft berichtet zudem von einer E-Mail, die ein Gast der Kneipe geschickt hatte. Darin berichtet der Augenzeuge, dass man Haider noch angeboten habe, ihn wegen seines betrunkenen Zustandes nach Hause zu bringen. Doch Haider habe abgelehnt.
Das Boulevard-Magazin DCRS-Online zitiert einen 18-jährigen Besucher der Kneipe: "…Haider unterhielt sich mit einem Mann an der Bar vom Stadtkrämer, den ich nicht kannte. Sie tranken Wodka und Averna… Haider fragte mich plötzlich spontan, wie es mir geht, und lud mich auf ein Getränk ein. Ich bestellte einen Wodka. Ein weiteres Getränk lehnte ich aber ab, weil ich schon so fertig war. Dann ging ich…".Ein weiterer Besucher der Klagenfurter Szene meint im Interview mit DCRS: "…Jörg Haider stand auf große, blonde, blauäugige junge Männer…Er hatte eine Vorliebe den typischen Arier…Und jung sollten sie sein…Ich würde mal sagen, nicht über 30…", berichtet Uwe K.
Unterdessen erinnerte Österreichs schwul-lesbische Bürgerrechtsorganisation "Rechtskomitee Lambda" (RKL) daran, dass Jörg Haider Gerüchten über seine eigene Homo- oder Bisexualität "stets mit Gleichmut begegnet" sei: "Nie hat er sie (wie so manch andere) empört zurückgewiesen. Diese menschliche Größe haben wir ihm - bei aller Gegensätzlichkeit in anderen (menschenrechtlichen) Fragen – stets hoch angerechnet", heißt der aktuellen Ausgabe der RKL-Zeitschrift "Ius Amandi".
Das RKL betonte auch, es war Haiders "offene Haltung, die die ÖVP in den 90er Jahren bspw. in der Frage der anti-homosexuellen Sonderstrafgesetze ganz gewaltig in die Enge trieb. 1996 schaffte seine FPÖ zusammen mit SPÖ, Grünen und LIF (gegen den Widerstand der ÖVP) das Vereinsverbot ab. Und bei der Abstimmung über das Werbeverbot ermöglichte damals die (zufällige?) Abwesenheit zweier FPÖ-Abgeordneter ebenfalls die Aufhebung." Die Abwesenheit mehrerer FPÖ-Abgeordneter habe auch im Sommer 1998 das Ende des Strafrechtsparagraphen 209 eingeleitet, der für schwule Männer eine höhere Altersgrenze vorsah als für Heteros und Lesben.
Links zum Thema:
» Bericht des Magazins Profil
» Bericht von DCRS Online
» Homepage des Rechtskomitees Lambda
Mehr zum Thema:
» Haiders letzte Nacht im Schwulenlokal (17.10.08)
» Haider tödlich verunglückt (11.10.08)














