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- 21. Oktober 2008 2 Min.
Dem Magazin "Vanity Fair" verriet der schwule Comiczeichner, warum er Religionen misstraut und was ihn dazu gebracht hat.
Von Carsten Weidemann
Dass Ralf König, Deutschlands berühmtester Comic-Autor, mehr ist als der Chronist der deutschen Schwulenszene, dürfte sich herumgesprochen haben. Bester Beweis ist sein neuer Band "Prototyp", in der er seine ganz eigene Version der Schöpfungsgeschichte abliefert. Mit dabei bekannte Akteure: Adam und die gehörnte Schlange, dazu eine gesichtslose Stimme von oben, die Fraktur redet. Und Eva. Ralf König philosophiert über Sünde, Willensfreiheit, Trieb, Erkenntnis mit nadelspitzem Witz und ohne Feigenblatt vor dem Mund.
Das Thema Religion beschäftigt ihn nach wie vor. Der Max und Moritz-Preisträger, der 2006 für seine künstlerische Stellungnahme im Streit um die Mohammed-Karikaturen geehrt wurde, verriet im Interview mit dem Magazin "Vanity Fair" Details über sein Unbehagen mit dem Glauben.
"Natürlich sehe ich dieses große Fragezeichen, das über unseren Köpfen schwebt, und ich verstehe es auch, wenn man dieses Fragezeichen Gott nennt", meint König. "Aber ich kann nicht verstehen, was ansonsten durchaus kritische und aufgeklärte Menschen dazu bringt, an einen persönlichen Gott zu glauben, der so denkt, wertet und moralisiert wie wir, der uns straft, in Versuchung führt und Spielchen mit uns spielt. Ich finde das infantil." Wir könnten vieles nicht verstehen, weil unser Hirn nicht ausreiche, aber dass die Wahrheit größer sei als biblische Mythen, zeige ihm jeder Blick in den klaren Sternenhimmel.
Während seiner Jugend sei ihm jahrelang das Hirn "verkleistert" worden durch Religionsunterricht und Messen. Wissenschaftliche Literatur wie die von Hoimar von Ditfurth habe ihm die Augen geöffnet. Er habe früher oft gedacht: "Was erzählen die mir da eigentlich? Aber heute, durch die Auseinandersetzung mit dem Islam, hat das Thema [Religion] viel mehr Dramatik." Der Islam sei unheimlich. "Einen Groll auf Religionen habe ich sowieso, und ich glaube nicht, dass der gegenüber islamischen Themen ausgeprägter ist als gegenüber christlichen. In beiden Fällen reicht es ja aus, dass ich schwul bin. Wie viel Sympathie sollte ich gegenüber diesen Religionen denn haben – bei all der Sympathie, die mir von ihnen entgegenschlägt?"
Prototyp, Ralf König, rowohlt, Hardcover, 112 S., 14,90 €
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