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  • 05. November 2008 12 2 Min.

Homorechte sind niemals sicher. Das ist die Erkenntnis des politischen Erdbebens in Kalifornien, das bis gestern noch als liberal galt.

Von Christian Scheuß

Wäre die Homoehe im US-Staat Utah, in dem die Mormonen die Mehrheit der Bevölkerung bilden, per Volksentscheid abgeschafft worden, wir hätten alle mit den Achseln gezuckt und seufzend zugegeben: "Etwas anderes war nicht zu erwarten." Das ausgerechnet im liberalen sonnigen Kalifornien eine Mehrheit gegen die eheliche Gemeinschaft von Schwulen und Lesben votiert, ist eine bestürzende Angelegenheit.

Bestürzend, weil es so schmerzhaft und deutlich vor Augen führt, wie fragil die Errungenschaften der homosexuellen Emanzipation sind. Gefordert, und für ein paar Monate gelebt haben schwule und lesbische Paare eine Selbstverständlichkeit der bürgerlichen Existenz, die öffentliche Registrierung ihrer Beziehung. Sie wollten keine radikale Abschaffung der Ehe, stellten keine Forderung nach freier Liebe. Sie wollten einfach nur dieselbe spießige Hochzeitstorte verzehren können, wie ihre heterosexuellen Nachbarn. Doch das war bereits "too much" für eine Mehrheit der Kalifornier.

Die Community hat hart gekämpft in den vergangenen Monaten und mit viel Unterstützung von Promis und großen Firmen eine beeindruckende Kampagne entfacht gegen die Gegner der Homoehe, die diesen Volksentscheid initiiert hatten. Das ist respektabel und es tut gut, zu wissen, das es genügend Menschen gibt, die sich solidarisch erklären. Doch es hat nicht gereicht. Wahrscheinlich werden jetzt wieder die Gerichte zu tun bekommen. Denn die bislang geschlossenen schwulen und lesbischen Ehen können nicht einfach annulliert werden und sie müssen irgendwie rechtlich anerkannt bleiben.

Kalifornien, das Land mit den Homohochburgen San Francisco und Los Angeles, kann sich nun nicht mehr uneingeschränkt gayfriendly nennen. Der rosa Lack ist ab.

-w-

#1 felixAnonym
  • 05.11.2008, 22:15h
  • Kalifornien war für Homos zwanzig Jahre das Vorzeige-Mäntelchen für angebliche USA-Liberalität. In Wahrheit sind die USA in Mehrheit zutiefst religiös-homophob. Alles andere ist Geschichte, auch wenn man sich gerne an San Francisco erinnert, das einmal Vorreiter für Schwulenemanzipation war.

    Wann verstehen europäische Homos endlich, dass "wir" in Europa in diesem Jahrzehnt das Mekka für Schwule, Lesben und Transgender geworden sind? Das kann nicht nur Freude bedeuten, weil es auch eine traurige Realität auf diesem Planeten ist.
    Aber dessen bewusst sollten wir uns schon sein, dass es bisher nirgendwo besser ist.
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#2 dabaerEhemaliges Profil
  • 06.11.2008, 00:11h
  • mich schockiert dieses Ergebnis zutiefst. Vor allem wenn man sich vorstellt, wieviele Anhänger und auch namhafte Firmen sich für das Nein eingesetzt haben.

    Aber die Schlammschlacht der Homophoben Fundamentalisten mit ihren medialen Hetzkampagnen und Hasstiraden scheint gewirkt zu haben.

    Wie können Christen eigentlich diese Hasspredigen mit ihren Glauben vereinbaren?
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#3 SaschaEhemaliges Profil
  • 06.11.2008, 00:20h
  • Antwort auf #1 von felix
  • Man muss hier deutlich regional und natürlich nach politischen Überzeugungen differenzieren.

    Zunächst einmal war das Ergebnis hauchdünn, und entlang des Küstenstreifens haben bis auf Los Angeles (!) - vermutlich die neue religöse Hochburg Amerikas - oraktisch alle Wahlbezirke gegen das Verfassungsverbot der Homo-Eheöffnung gestimmt.

    Immerhin haben sich Teile der Justiz in den USA in diesem Punkt als deutlich progressiver erwiesen, als man das von anderen Ländern - auch und gerade in Europa - gewohnt ist. Die Homo-Bewegung wird jetzt Klage gegen den angestrebten Verfassungszusatz vor dem Obersten Gerichtshof Kaliforniens einreichen - eben der, der die Eheöffnung verordnet hatte. Das letzte Wort ist also rechtlich noch lange nicht gesprochen.

    Und in gesellschaftspolitischer Hinsicht gelten die gleichen Herausforderungen, denen wir uns auch hierzulande dringend stellen müssen. Homophobie und Xenophobie im Allgemeinen haben in den letzten Jahren gerade unter jungen Menschen nicht ab-, sondern wieder deutlich zugenommen. Und was tut sich hier? Wo ist die Eheöffnung in Deutschland oder eine Volksabstimmung dazu? Es ist leicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Oftmals lenkt man damit aber nur von seinen eigenen Unzulänglichkeiten ab.
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