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- 04. Mai 2004 3 Min.
Seit fast zwanzig Jahren schreibt der schwule Journalist Elmar Kraushaar gegen den Mainstream an - erst gegen die Heterogesellschaft, dann zunehmend gegen die Homoszene. Jetzt erscheint eine Auswahl seiner anklagenden wie witzigen Glossen aus "Siegessäule", "Magnus" und "taz" als Buch. Wir sprachen mit dem 53-Jährigen, der mit seinem Freund in Prenzlauer Berg in Berlin zusammenlebt.
In Ihren Kolumnen kritisieren Sie gerne Prominente. Welche Schwulen haben Sie am häufigsten angegriffen?
Dazu gehört zweifelsfrei Guido Westerwelle, weil dieser Mann mich wahnsinnig nervt mit seiner Koketterie, ob er nun raus kommt oder nicht. Abgesehen davon, dass mir seine politische Haltung nicht passt, finde ich ihn einfach nur affig. Die ganze Welt weiß, dass er schwul ist, und er kokettiert noch immer damit.
Volker Beck ist sicher auch mit dabei...
Ja, aber aus ganz anderen Gründen. Er ist jemand, dem ich ganz Böses unterstelle. Ich möchte nicht unfair sein, aber ich unterstelle ihm, dass er unter dem Homoticket seine politische Karriere macht. Ich gehe sogar soweit, dass er seine Karriere auf dem Grünen-Ticket macht. Ich kann mir vorstellen, das dieser Mann auch zur SPD wechselt, wenn die Grünen aus der Koalition austreten würden, nur um seine Macht weiter ausleben zu können.
Schwule CDU-Politiker, Homos in der Armee - im Tonfall Ihrer Kolumnen vor allem ein Ärger.
Nein, das ist ja wunderbar. Wenn man sich überlegt, was wir uns damals in den Siebzigern auf die Fahnen geschrieben haben, dann ist genau das passiert, was wir wollten. Aber man sollte das nicht überbewerten und dabei unterschlagen, dass es gerade im Coming-out noch immer geheuere Probleme gibt. Ich versuche halt immer mal einen anderen Blick auf die Themen zu werfen, nicht um mich von anderen abzuheben, nur soll auch mal einen Momentlang ein anderer Blickwinkel auf die Sachen ermöglicht werden, während man die Kolumne ließt. Danach kann man ja wieder begeistert sein von den Sachen wie sie gerade sind. An eine Kolumne muss halt auf 100 Zeilen möglichst knapp und knackig rangegangen werden, ein wenig aufschreckend, alarmierend, empörend. Es ist nun keine Form, in der man sich sanft und weich ausbreiten kann.
In den zwanzig Jahren hat sich viel verändert. Was passiert in den nächsten zwanzig?
Ich wünschte mir, dass die Bewegung wieder eine Persönlichkeit entwickelt, dass nicht mehr delegiert wird. Dass, was wir in den letzten Jahren erlebt haben ist ja eher ein Delegieren von homopolitischen Aspekten, die vom LSVD oder von einem Volker Beck hervor gebracht wurden. Es ist wichtig, das wir wieder zu einer allumfassenden Bewegung zurückfinden, wie vor zwanzig Jahren, als unterschiedliche Gruppen an einem Strang zogen.
Interview: nb
Elmar Kraushaar: Der homosexuelle Mann..., Männerschwarmskript, broschiert, 200 S., 12,00 Euro
4. Mai 2004, 16:15 Uhr
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